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Aus: Ausgabe vom 27.07.2021, Seite 8 / Ansichten

Subversiver Sender des Tages: MBC

Von Nico Popp
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Klassenkampf trifft Olympia: MBC bebildert den Einmarsch der haitianischen Delegation

Für alle, denen Nation und Nationalflagge etwas bedeuten – und das sind ja, quer durch alle Kontinente und Generationen, sehr viele Leute –, sind Olympische Spiele ein Fest: Haltung annehmen bei der Hymne, ständiges Bilanzieren der nationalen Medaillenausbeute, ausgelassene Freude, wenn die Vertreter konkurrierender Staatsgewalten schlechter abschneiden oder es komplett versemmeln. Mag das Interesse am konkreten sportlichen Kräftemessen noch so gering sein – am Ende sind auch Goldmedaillen im Tontaubenschießen und im Dressurreiten Pluspunkte in der Erfolgsbilanz, mit der sich die eingebildete nationale Gemeinschaft Respekt verschafft. Nur darauf kommt es an.

Die Redaktion des südkoreanischen Senders MBC muss diese Sensibilität unterschätzt haben. Sie hatte sich, so scheint es, dazu entschlossen, das Erhabenheitsgetue nicht mitzumachen und den Zuschauern bei Gelegenheit der Eröffnungsfeier am Freitag ein paar harte politische, historische und ökonomische Fakten zu vermitteln. Die »Symbolbilder und Kurzbeschreibungen anderer Länder«, melden die Agenturen, fielen folglich nicht nach dem Geschmack derjenigen Sportfreunde aus, die über die Etikette in diesem Bereich wachen. Die Ukraine illus­trierte MBC mit einem Bild der Atomkatastrophe von Tschernobyl, die Marshallinseln wurden als »ehemaliges Atomtestgebiet der USA« vorgestellt, den Einmarsch der haitianischen Delegation schmückte das Bild eines »Volksaufstandes«. Für El Salvador stand die Kryptowährung Bitcoin, die dort kürzlich als Zahlungsmittel eingeführt wurde. Andere Symbolbilder gerieten eher klamaukig: Pizza für Italien, Lachs für Norwegen.

Am Montag entschuldigte sich Geschäftsführer Park Sung Jae mit gesenktem Haupt für die »extrem unangemessenen Bilder und Bildtexte«. Warum eigentlich? Irgendwer muss mit der Popularisierung der Anfangsgründe materialistischer Staatskritik ja mal anfangen.

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