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Aus: Ausgabe vom 27.07.2021, Seite 5 / Inland
Betriebe vor dem Aus

Autozulieferer bauen um

Verkaufen, kürzen, schließen: Trend zum E-Fahrzeug kostet Jobs und Standorte
Von Bernd Müller
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Magna-Werk Meerane. Bei Autozulieferern sind durch Umstrukturierung akut Jobs gefährdet

Der Automobilzulieferer Magna baut seine Struktur weiter um: Das österreichisch-kanadische Unternehmen will sein Geschäft in Asien ausweiten – in Deutschland werden dagegen Standorte geschlossen oder verkauft. Im baden-württembergischen Bopfingen verlieren Ende nächsten Jahres rund 220 Beschäftigte ihre Arbeit. Drei weitere Werke für Kunststoffteile werden an einen Finanzinvestor verkauft.

Lange war die Zukunft der Beschäftigten in Bopfingen unklar. Der Konzern hatte bereits 2020 angekündigt, das Werk zu schließen. Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) hatte das nicht hinnehmen wollen. Zuerst hatten die Gewerkschafter die Idee, die Pläne des Konzerns rechtlich prüfen zu lassen, um die Schließung wenigstens hinauszuzögern. Nun haben sie sich mit der Kapitalseite geeinigt. Nach eigenen Angaben haben sie Konditionen für die Beschäftigten ausgehandelt, die »über das übliche Maß« hinausgehen. Das Unternehmen stelle 17,9 Millionen Euro für Abfindungen und für Weiterbildungen zur Verfügung.

Ende Mai hatte die Gewerkschaft mitgeteilt, dass drei Werke an den Finanzinvestor Mutares verkauft werden sollen, darunter auch »Magna Exteriors Systems« in Obertshausen. In den Werken werden u. a. Stoßfänger- und Außenverkleidungen sowie Kühlergrills produziert. Mutares hatte zwar erklärt, an der Tarifbindung festhalten zu wollen, in einer Handreichung hatte die IG Metall aber darauf hingewiesen, dass dies wohl nur für Gewerkschaftsmitglieder gelte. Der Investor sei nicht Mitglied im Unternehmerverband, weshalb »der Tarifvertrag seine kollektive Wirkung nach derzeitigem Stand« verliere. Mutares hatte demnach auch angekündigt, das Werk sanieren zu wollen – und nicht ausgeschlossen, dass Arbeitsplätze vernichtet werden.

Unklar ist die Zukunft des Werkes im fränkischen Bad Windsheim. Zwei Optionen liegen auf dem Tisch, wie ein Unternehmenssprecher im ­Juni erklärte: Entweder wird es Ende März 2022 geschlossen, oder es wird verkauft. An dem Standort werden vor allem Gehäuse für Getriebe gefertigt. Heftig kritisiert wurde von der Gewerkschaft, dass die Mitarbeiter so lange in der Luft hängengelassen werden. »Wer so mit der Zukunft der Beschäftigten jongliert, hat die Rechnung ohne die IG Metall gemacht«, wurde Klaus-Dieter Winnerlein, Erster Bevollmächtigte der regionalen Gewerkschaft, Ende Juni in einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zitiert.

Magna folgt mit der Umstrukturierung dem Branchentrend hin zur Elektromobilität. Viele Bauteile, die in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gebraucht werden, finden bei Elek­troautos keine Verwendung mehr. Mit dem Zukauf des schwedischen Spezialisten Veoneer stärkt Magna seine Position bei den Fahrerassistenzsystemen. Das bringt dem Konzern Kunden und Marktanteile in Asien. Bereits im Dezember wurde die Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Technikriesen LG Electronics bekanntgegeben. Ein Gemeinschaftsunternehmen soll wichtige Komponenten von Elektroautos herstellen, zum Beispiel Motoren und Ladegeräte.

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