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Aus: Ausgabe vom 23.07.2021, Seite 2 / Ausland
Rechtsterrorismus

Gedenken an Opfer rechten Terrors

Der 22. Juli 2011 in Norwegen und 2016 in München: Aufarbeitung mangelhaft
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Nicht zu leugnen: Schweigeminute in München für die neun Opfer des rassistischen OEZ-Anschlags

Am 22. Juli 2011 setzte Anders Behring Breivik auf die Insel Utøya über, auf der sich Hunderte Jugendliche für das Sommercamp der Arbeiterjugend eingefunden hatten. Dort erschoss der norwegische Rechtsterrorist 69 Menschen, nachdem er in Oslos Regierungsviertel acht Menschen mit einer Bombe getötet hatte. Zum Gedenken an die Opfer ertönten am Donnerstag in ganz Norwegen die Kirchenglocken, Gedenkveranstaltungen fanden in Oslo und auf Utøya statt. Das Massaker hat sich tief ins kollektive Gedächtnis des Landes eingegraben – weniger hingegen, dass Breiviks Ideologie dafür verantwortlich ist.

Astrid Eide Hoem war 16 Jahre alt, als sie auf der Insel um ihr Leben fürchtete. Sie versteckte sich an einer Klippe und konnte fliehen. Heute ist die 26jährige Vorsitzende der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei (AUF). Und sie hat eine Mission: das Schweigen über die politischen Motive hinter der Tat zu brechen. »Wir müssen diese Art der Radikalisierung stoppen«, sagte sie in einem Interview mit AFP. Erkenntnisse des norwegischen Geheimdienstes PST unterstreichen das. In einer in dieser Woche veröffentlichten PST-Analyse heißt es, dass »rechtsradikale Ideen, die (Breiviks) Anschlag inspirierten, nach wie vor eine treibende Kraft für Rechtsextremisten im In- und Ausland« seien.

Nach dem Massaker waren Überlebende, die auf die Bedeutung der der Tat zugrundeliegenden neonazistischen Ideologie aufmerksam machten, beschuldigt worden, die Tragödie auszunutzen, und aufgefordert worden, nicht an der »Meinungsfreiheit« zu rühren. »Es war AUF, die nach dem 22. Juli mundtot gemacht wurde«, schrieb der Autor des Buches »Die Utøya-Karte«, Snorre Valen, in einem Gastkommentar bei Medier 24 am Montag. Die AUF will das nicht mehr hinnehmen. Auf ihr Drängen hat die Arbeiterpartei zugesagt, eine Kommission zum Thema Radikalisierung einrichten zu wollen – sollte sie bei den Parlamentswahlen am 13. September wieder an die Macht kommen.

In München gedachten derweil Hinterbliebene und Politiker in einer Gedenkveranstaltung der Opfer des rechtsterroristischen Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) vor fünf Jahren. Damals hatte der 18jährige David Sonboly im OEZ neun Menschen ausländischer Herkunft getötet. Anschließend nahm er sich selbst das Leben. Gisela Kollmann, deren 19jähriger Enkel Giuliano getötet wurde, erklärte im Namen weiterer Angehöriger, dass auch die Tat in München inzwischen als rassistisch gelte, sei ein Trost und habe den Ermordeten die Würde zurückgegeben.

Ursprünglich wurde der Anschlag als Amoklauf aus Rache definiert. Erst nach einer Reihe von Gutachten stuften Ermittler und Behörden 2018 die Tat als rechten Terroranschlag ein. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte in seiner Gedenkrede: »Das war eine klar politisch motivierte Gewaltkriminalität von rechts.« Ähnlich hatte sich zuvor Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geäußert. Dieser Anschlag gehöre zur blutigen Spur des rechten Terrors, die sich seit Jahrzehnten durch Deutschland ziehe. (AFP/dpa/jW)

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