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Aus: Ausgabe vom 10.07.2021, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Kunst

»Eine Vision trägt einen Menschen durchs ganze Leben«

Über 100 Jahre Willi Sitte, die Wahrheitsfunktion der Kunst, neue Zeiten für Ikarus und eine Hommage an den Realismus. Ein Gespräch mit Peter Arlt
Interview: Peter Michel
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Ausgangspunkt der Ausstellung: Harald Metzkes, »Kollwitzstraße 59, 4. Stock« (1997)

Dieses Wochenende wird in der Merseburger Sitte-Galerie für realistische Kunst eine Ausstellung mit dem Titel »Merseburger Sprüche und Sprünge« eröffnet. Sie wurde von Ihnen langfristig und mit hohem Anspruch kuratiert, 160 Werke von 83 Künstlern werden dort bis zum 9. Januar 2022 zu sehen sein. Ab 3. Oktober 2021 zeigt das Kunst­museum Moritzburg in Halle (Saale) eine große Retrospektive aus dem Lebenswerk Willi Sittes. Beide Ausstellungen laufen dann parallel. Die »Merseburger Zaubersprüche« wurden im 19. Jahrhundert im Domkapitel des Merseburger Kaiserdoms aufgefunden. Sie gehören zu den wenigen althochdeutschen Texten, die sich auf die germanische Mythologie beziehen. Was hat Sie bewogen, der Ausstellung einen solchen Titel zu geben?

Die erste Zauberformel der »Merseburger Zaubersprüche« heißt im Neuhochdeutschen: »Entspring den Haftbanden, entfahr den Feinden!« Auf die realistischen Künstler übertragen, bedeutet das, den Gängelbändern des Kunsthandels und der Kunstpolitik zu entkommen und mit dem Robert-Musil-Harald-Metzkes-Spruch »Der Realismus ist wie das Gras, das, niedergetreten, wiederaufsteht« die Kraft der Visualität zu finden, im eigenen Sinn und Stil zu entfalten und der Realismusgemeinschaft beizufügen.

Zum Zauber der Kunst gehört, fliegen zu können oder zu springen – wie die Artisten im ausgestellten Gobelin »Merseburger Zaubersprünge« von Elrid Metzkes. Kunstfertiges Springen und Körperdrehen, auch in Gedanken Rad schlagen – so wird sinnbildlich das Wirklichkeitsmotiv zur Kunst erhoben. Im Sinne eines Aphorismus von Franz Marc: »Erkennt, meine Freunde, was Bilder sind: das Auftauchen an einem anderen Ort.«

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Gemälde »Kollwitzstraße 59, 4. Stock« von Harald Metzkes. Es entstand 1997 und wirkt wie das Zurückrufen eines Gemeinschaftsgefühls, das von vielen bildenden Künstlern heute vermisst wird. Ist das der Grund, weswegen Sie dieses Historienbild ausgewählt haben?

Die Versammlung von gegensätzlichen Künstlern war ein zufälliges Zusammentreffen kurz vor dem Mauerbau. Das Datum ist vergessen, aber die Zusammenkunft mit Kollegen in eigener Wohnung war für Harald Metzkes ein tief eingeprägtes Ereignis, das er in einem Historienbild festhalten wollte. Der Reigen der Künstler beginnt mit dem vorn sitzenden, nachdenklichen Maler Metzkes und seinem Kind Robert, der als späterer Bildhauer, gleichfalls ellenbogengestützt, den Gedanken verkörpert, dass durch die ganze Kunst eine Filiation geht. Linksherum geht es zu Gerhard Altenbourg, Wilhelm Lachnit, Manfred Böttcher, einem engen Freund Metzkes’, Werner Stötzer, Wilfried Fitzenreiter und Ronald Paris, der mit dem vor ihm sitzenden Willi Sitte gekommen war. Sitte hat sich hier wohlgefühlt, da er »Freundschaft, Kameradschaft, Treue«, wie er sagte, unter den ostdeutschen Künstlerkollegen erlebt hat – bis zur Wende. Und Metzkes meint heute, Sitte sei voll Freundschaftlichkeit gewesen.

Die Künstler stammen aus Sachsen, Thüringen, Berlin; ihre Ausbildungsstätten lagen ringsum in der Republik in Sonneberg, Weimar, Dresden, Halle, Berlin-Weißensee, Leipzig. Ihre künstlerischen Wege verliefen in verschiedene Richtungen und verkörpern ein Spektrum der Kunst, das dem weiten Realismus entsprach. Das ist kein Treffen hinter verschlossenen Türen, nichts Geheimes, kein in sich geschlossener Freundeskreis. Weitere Kollegen verschiedener politischer und künstlerischer Haltung, wie sie schon da sind, könnten sich weiter eingeladen fühlen und von Elrid Metzkes, hier Hausfrau und Mutter, aufgeschnittenes Brot und Heringe gebracht bekommen.

So wie Harald Metzkes diesem verlässlichen und solidarischen Wir das monumentale realistische Bild widmete, so ist für uns die Ausstellung der Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, Plastiken und Fotos von 83 Künstlern eine Hommage auf das Gemeinschaftsgefühl. Denn die Menschen entfalten ihr Ich am stärksten gleichberechtigt mit dem vielfältigen Du im gemeinsinnigen Wir.

Die offizielle Kulturpolitik der DDR hielt trotz mancher Öffnungen am recht dogmatisch aufgefassten Begriff von sozialistischem Realismus fest. Es gab aber – unter anderem von Peter H. Feist – schon ernsthafte Bemühungen, der tatsächlichen Weite und Vielfalt bildnerischen Schaffens auch theoretisch gerecht zu werden.

Die Diskussion über den Realismusbegriff zu Beginn der »Einheit« fasste ich mal so zusammen: Im Westen war der Realismus oft Unkunst, und im Osten war alle Kunst Realismus. Dieser ironische Spruch hat zu tun mit der eingeengten Auffassung im Westen, im Osten gebe es nur den »stalinistischen« Realismusstil, und mit der weitgefassten Auffassung im Osten, der Realismus erfasse als Methode alle künstlerischen Bestrebungen.

Realismus wurde immer wieder, sogar vom zentralen Realisten Gustave Courbet, als unmittelbare sinnliche Aneignung der Realität enggeführt. Er sagte: »Die Malerei soll ausschließlich in der Wiedergabe von Dingen bestehen, die der Künstler sehen und fühlen kann.« Gegen diese rigorose Auffassung verstieß er als »Freund der vollen Wahrheit« mit Allegorien selbst.

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Wirken in der Zeit: Willi Sitte, »Die rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg« (1975/76)

Die erweiterte Auffassung des Realismus geht über die unmittelbare sinnliche Aneignung der Realität hinaus und bringt mit ­differenziertem Wirklichkeitssinn einen Realismus verschiedenen Charakters hervor, den Peter H. Feist 1976 in vier Realismustypen fasste: den unmittelbaren – impressiven bis veristischen –, den expressiven, den konstruktivistischen sowie den metaphorischen oder imaginativen Realismus. Somit war allerdings jede Kunst Realismus.

Bereits Bertolt Brecht forderte vom Realismus, den gesellschaftlichen Kausalkomplex aufzudecken und mit allen Mitteln zu arbeiten, um an die Realität heranzukommen: »Es genügt nicht zu sehen, wie die wirklichen Dinge und Verhältnisse sind, sondern wie die Dinge und Verhältnisse wirklich sind.« Abstrakt gesagt, ist unter Realismus die Repräsentanz zu verstehen, die mit sinnlicher Präsenz Emotion gewinnt.

Willi Sitte stieß beim Realismus auf einen konventionellen Sehschlitz und wollte ihn erweitern. Das gäbe dem Untertitel Ihrer Ausstellung, »Hommage auf den Realismus«, den eigentlichen Sinn. Wie kann man die Differenziertheit der realistischen Erkenntnis- und Ausdrucksweisen in der Merseburger Schau erleben?

Um sein Anliegen zu erfüllen, musste Willi Sitte den »zu eng gewordenen konventionellen Sehschlitz« des Realismus, wie er sagte, »sprengen« mit »gedanklichen Sprüngen aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus der Idee in die Realität«. So entwickelte er für sich eine simultane Denk- und Bildstruktur. Aber es geht immerfort um eine Ausdifferenzierung des Realismus. Jeder Künstler muss selbst eine Antwort darauf finden, wie sich Freiheit der Kunst in Inhalt und Form gewinnen lässt.

Von den naiven Malern wie Albert Ebert, in dessen Bildern sich feiertägliche Motive unter der Hand des Künstlers zu einem Bild eines irdischen Paradieses verwandeln, kommt man zu Horst Bark oder zu Bernhard Michel. Dessen mit satirischem Strich erfasster Künstler macht sich nackt; vor der Staffelei fahren aus seiner Haut über den Bauch seine Bildgedanken furios über die Pinselwaffen aufs Bild. Eine glanzvolle Erweiterung des Realismus gelingt Uwe Pfeifer im »Tagtraum (Ausgrabung)«, wo an einer profanen Straßenkreuzung in Sinnbildern die Gegensätze von Geschwindigkeit und Starre, Jung und Alt, Gegenwart und Vergangenheit mit tiefem Besinnen auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens in einer malerischen »Sinfonie« erfasst werden. Besondere und anregende Realismusformen sind das geschrieben-gezeichnete Klanggedicht Ingo Arnolds, der mit der Dialektik asiatischer Philosophie und mit der Haiku-Dichtform sein Werk zu einem Textbild erhebt. Oder Heinz Trökes, der mit allen elementaren graphischen Strukturen voll praller abstrakter Imaginationskraft eine graphische Weltformel hervorbringt. Auch auf diese Art wird unser Sehen von realistischen Weltblicken umringt, die das ausgestellte Bild »Sehen« von Ulrich Reimkasten in meditativer Abstraktion umfasst. Das Sehen ist in allen Bildern immer neu wie ein nie gesehener Aufgang.

Sie haben die Ausstellung und den begleitenden Katalog in mehrere Bereiche gegliedert. »Medium Antlitz« heißt einer davon. Es gab ja hier und dort die Auffassung, die Bildniskunst habe sich seit der Erfindung der Fotografie erledigt. Die Ausstellung beweist das Gegenteil.

Wir alle sind Vorübergehende. Die einzigartige Bedeutung realistischer Kunst liegt darin, Menschen im Bild festzuhalten und ihrem Leben Dauer zu verleihen. Wenn die menschliche Figur als vornehmster Gegenstand der Kunst verstanden werden kann, gilt das noch mehr für das menschliche Antlitz. Der Fotografie gelingen – zum Beispiel mit der »Baggermadonna« von Jochen Ehmke – großartige Bildnisse. Die gemalten, gezeichneten und skulpturalen Bildnisse haben weiterführende Wahrnehmungsmöglichkeiten und Mittel, die Einzigartigkeit der hochdifferenzierten malerischen oder expressiv zeichenhaften Struktur des Gesichts oder die ganze Figur in ihrer Umgebung in Beziehung zu anderen Menschen zu erfassen. Doch jeder Betrachter sieht das künstlerische Bild eines Menschen anders, das ist nach Norbert Wagenbrett, der ebenfalls in der Ausstellung vertreten ist, die Paradoxie der Realität.

Die Mienen und Blicke der Köpfe – vor allem Horst Sakulowskis – erschrecken mit ihrem Wissen vom Leben. Porträts zu befragen, das Lebensgefühl und die Problemsituation nachzuempfinden, anhand der eindringlichen Gesichtszüge über die Menschen nachzusinnen und sie sozial zu verorten, das zeigt, wie wichtig und schön und unverbraucht auch ältere Bildnisse sind, so Ulrich Hachullas »Dekorateurin«, Christa Krugs »Anna Jircak«, Horst Peter Meyers »Tina Bauer-Pezellen« oder Nuria Quevedos »Arbeiterin aus dem Berliner Glühlampenwerk.

»Schönheit und Lust« – ein ewiges Thema der bildenden Künste. Sie erinnern mit Ihrer Werkauswahl daran, dass es ein Frevel der kapitalistischen Gesellschaft ist, diese Lebensbereiche dem Kommerz zu unterwerfen.

Der magische Ritus der »Merseburger Zaubersprüche« erinnert an die Verrichtungen der Liebe: »Seele und Hüfte / haltbar verleimt«, wie der Lyriker Wolfgang Tilgner sagt. Baldwin Zettl und Peter Hoppe zeigen als exemplarische Gegenstücke, welche Qualität und stilistische Breite der Realismus zwischen veristischer und expressiver Wiedergabe aufweist – und ebenso im gegensätzlichen Inhalt: vom Gruß über die trennende Straße zum orgiastischen Liebeslusttaumel.

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Peter Michel

Die Darstellung der Arbeitswelt spielt in der Ausstellung eine ebenso wichtige Rolle wie die Schrecken des Krieges, die Befragung der Tradition für die Gegenwart oder die für zahlreiche Künstler typische Einbeziehung biblischer und mythologischer Motive. Der freie Umgang mit Mythen stieß viele Betrachter schon in der DDR auf Wahrheiten, die unbequem waren. Und Werke von Künstlern wie Wolfgang Mattheuer, Heidrun Hegewald oder Ronald Paris beweisen bis heute, wie wirksam dieses Herangehen ist. Gerade hier wird deutlich, dass Kunst Einsichten in Weltverhältnisse gewinnt und gestaltet – in einer einzigartigen Synthese von Gefühl und Vernunft.

Die Ausstellungsstruktur folgt der Wiederkehr vieler Themen und Motive in der Geschichte, die oft in der Zwiesprache mit Kunst früherer Zeiten gründet. Häufig ist die Ikonographie profaner Themen mit solchen biblischer oder mythologischer Herkunft verbunden. Es ist ein dialektisches Paradoxon, dass das intensive Leben in der eigenen Zeit mit der Absicht, sich einzumischen, in der Kunst immer wieder zur Einbeziehung mythologischer Themen und Motive geführt hat.

Manche Werke von künstlerisch herausragender Qualität verweisen eindringlich auf die Schrecknisse der Kriege, so bei Fritz Cremer oder Knut Mueller, der Unterdrückung wie bei Rolf Münzner und der Flüchtlingstragödie etwa bei Ronald Paris. Zum Inbegriff des Leidens und Todes im Krieg und zur Personifikation des Gewissens erhebt Bernhard Heisigs Grafik »Gott sieht alles!« einen jüdischen Alten mit seiner mutigen Anklage, die vom deutschen Volk Scham und Verantwortungsgefühl fordert.

Auf der Bühne der Bilder hat das Leitbild Ikarus – entfliehen, auffliegen und abstürzen – immer wieder aktualisierte Aufführungen. Ikarus war in der DDR die überragende mythologische Hauptgestalt. Wolfgang Mattheuers Plastik »Ikarus erhebt sich« ist kein Geschichtsreflex, sondern prognostiziert mit Hoffnung und Zukunftsglaube weitere Zeiten für Ikarus und antizipiert Unabgegoltenes. In der ­»Schändung des Marsyas« von Ronald Paris greift Apollon nicht selbst zum Messer, sondern bleibt »Schreibtischtäter«. Bei Heidrun Hegewald betrachtet Prometheus in seinen Händen den Menschen, der sich selbst aus Übermut aufs Spiel gesetzt hat. Selbst das Vernunftwesen Mensch kann die Welt auslöschen. Deshalb favorisiert Bärbel Dieckmann den sinnlichen und lebensvollen Weingott der Freude und Fruchtbarkeit, Dionysos. Aktuelle Kunstmeldungen gegen die Coronapandemie kommen in großer Form von Bernd Göbel und Horst Peter Meyer.

Die eigenartige Porträt, das Bernhard Heisig 2011, also in seinem eigenen Todesjahr, von seinem Freund Willi Sitte malte, fasziniert und bewegt mich sehr. Besonders dankbar bin ich dafür, dass in Ihrer Ausstellung die letzten Zeichnungen Sittes zu sehen sind. Wir besuchten ihn während seines Krankenlagers bis zu seinem Tod mehrmals und erlebten, wie er darunter litt, dass er nicht mehr an der Staffelei stehen konnte. Diese Faserstiftzeichnungen werden jetzt in Merseburg erstmals öffentlich gezeigt.

Heisigs intensives Bildnis des mit ungeheurem Willen sehenden und malenden Sitte ist eigentlich auch ein Selbstbildnis, denn er wusste sich mit seinem befreundeten Kollegen einig. Ihnen bedeutete das Leben bis zum Tod: Bilder malen. Der 91jährige Willi Sitte fand die Kraft, sich aus dem Rollstuhl zu erheben, von seiner Frau Ingrid zum Arbeitstisch begleiten zu lassen und ein letztes Wort zu seinem Leben künstlerisch zu gestalten. Willi Sitte leistete für sich selbst Lebenshilfe. Denn die Feier des Guten und die Abwehr des Bösen durchdringen die letzten Werke seiner Kunst. Sie benötigt die Aufmerksamkeit für das emotionale Befinden des vom Tode angegriffenen Zeichners. In diesen Zeichnungen sollte nicht nach klassischer Form gesucht, sondern bewundert werden, wie sich in der Situation vor dem Tode der kreative Wille behauptet hat.

Eines der gezeigten Werke ist eine Studie, die Willi Sitte für sein großes Gemälde »Die rote Fahne – Kampf, Leid und Sieg« schuf. Das Ideal, das darin verkörpert ist, hat seine Aktualität nicht verloren.

Sitte sah wie Käthe Kollwitz für seine Kunst Zwecke: »Ich will wirken in dieser Zeit.« Im Bild fordert er zur Wachsamkeit auf, sich nicht allein als Sieger zu sehen, sondern im Kampf dem Sturz und der Niederlage entgegenzuwirken. Aber an den Sieg einer humanistischen Gesellschaft, in der jeder seine Bedürfnisse und Fähigkeiten frei entwickeln kann, glaubte er immer. »Eine Vision trägt einen Menschen durchs ganze Leben.« Dieser Spruch lässt sich vom ausgestellten »Pfauenbaum« Lutz Godes »pflücken«.

2006 wurde die Merseburger Sitte-Galerie nach Jahren aufopferungsvoller Arbeit anlässlich des 85. Geburtstages des Künstlers feierlich im Beisein des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder eröffnet. Sie leistete in den darauffolgenden Jahren eine intensive Arbeit. Heute ist sie in ihrer Existenz bedroht. Ein Förderverein bemüht sich um ein Weiterbestehen dieser Einrichtung. Wie sehen Sie die Chancen dafür?

Nach 80 Ausstellungen zuvor wird nun die Qualität der realistischen Kunst umfassend gezeigt. Sich mit ihr über Lebenspraxis gesellschaftlich zu verständigen könnte eine sozial akzeptierte, sinnstiftende und demokratische Begründung der Kunst sein – mit Zukunftspotenz, wenn sie auch das Misslungene in den politischen Verhältnissen vor Augen führt. Dafür kann die Willi-­Sitte-Galerie für realistische Kunst vor allem mit ihrem Namen stehen, wenn die »Realismussprüche« in der Stadt Merseburg und im Land Sachsen-Anhalt verstanden werden.

Peter Arlt , geboren 1943 in Halle (Saale), lehrte bis 2009 Kunstgeschichte und -theorie an der Universität Erfurt. Er erforscht die Mythosrezeption als Realismuspotenz der realistischen bildenden Kunst und ist auch als Kurator tätig

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