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Aus: Ausgabe vom 17.06.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Einfluss von Finanzunternehmen

Blackrock auf Kurs

Schattenbank knackt Rekord bei Investmentfonds. China gewährt Marktzugang
Von Marco Schröder
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Symbolischer Protest: Weltweit größter »Vermögensdienstleister« muss sich diverser Farbattacken erwehren (Paris, 10.2.2020)

Der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock hat einen Rekord aufgestellt: Der Wert der Anlagen in sogenannte börsengehandelte Fonds (ETF) hat die Marke von drei Billionen US-Dollar überschritten, berichtete die Financial Times am Montag. Blackrock ist Aktionär von mehr als 50 Prozent der dreißig größten Konzerne und sitzt damit in den wichtigsten Aufsichtsräten der Welt. Die Überschneidungen zwischen dem wirtschaftlichen Beraterstab der US-Regierung und dem Finanzkonzern sind zahlreich: Unter anderem hat Blackrock die USA in ihrer Wirtschaftspolitik in der Finanzkrise 2007 und während des Coronaschocks im März 2020 beraten und insgesamt drei expansive Schuldenkaufprogramme der US-Zentralbank geleitet.

Brian Deese, der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats unter US-Präsident Joseph Biden, war Global Head of Sustainable Investment bei Blackrock, nachdem er bereits wirtschaftspolitischer Berater des ehemaligen Präsidenten Barack Obama gewesen war. Ähnlich Adewale Adeyemo, er ist zur Zeit stellvertretender Finanzminister und war Berater des Unternehmens. Der ehemalige Blackrock-Investment-Berater Michael Pyle wiederum ist heute der leitende Wirtschaftsberater von Vizepräsidentin Kamala Harris.

Weiterhin berät der Finanzgigant die EU, vor allem in »nachhaltigem Investment«, und war auch mitverantwortlich für die »Disziplinierung« Griechenlands nach der Finanzkrise. Bei all diesen Verwicklungen des Konzerns mit Staaten, Kapital und Politik stehen selbstverständlich wirtschaftspolitische Dogmen neoliberaler Austeritätspolitik im Vordergrund.

Mit der Risikomanagementsoftware ALADDIN von Blackrock werden seit 2020 mehr als 21,6 Billionen US-Dollar an internationalen Vermögenswerten gesteuert, was ungefähr sieben Prozent des weltweiten Vermögens an Anleihen ausmacht. Laut dem US-Magazin The New Republic vom Juni 2020 gibt es weltweit kaum eine Zentralbank, die nicht auf das System angewiesen ist. Die Datenanalysesoftware jongliert mit Hilfe von verschiedenen ausgeklügelten Algorithmen das Vermögen von institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds, Versicherungen, Banken, aber auch der Zentralbanken selbst auf den Finanzmärkten. Die Financial Times nannte ALADDIN in einem Artikel vom Februar 2020 treffend das »zentrale Nervensystem der Global Player der Investment-Management-Industrie.«

Die ETF, die von Blackrock angeboten werden, sind große Bündel von Aktien, Anleihen, Devisen und Handelswaren, die direkt großen Indizes wie etwa dem S&P 500 oder dem NASDAQ-100 folgen, die breite Bewegungen in der Wirtschaft und auf den Finanzmärkten abbilden. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres konnte Blackrock vor allem mit I-Shares, einem Bündel von ETF, seine Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr fast vervierfachen.

Dabei profitierte Blackrock wie kein anderes Finanzunternehmen von der Coronapandemie und der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, allen voran der US-Zentralbank FED, die dafür gesorgt hat, dass die Spekulation auf den Aktienmärkten seit vergangenem Jahr ungekannte Höhen erreicht hat. Nachdem der Konzern bei seinem Fundraising für einen globalen Infrastrukturschuldenfonds am Montag 1,67 Milliarden durch Investoren eingefahren hatte, sagte Anne Valentine Andrews, Vorsitzende der Blackrock Global Assets, freimütig, mit der weltweit größten Plattform für Finanzierung von Infrastrukturschulden habe Blackrock »natürliche und unmittelbare« Einflussmöglichkeiten auf globale Märkte und Preisbildungen.

Tatsächlich betreibt Blackrock mit dem Fonds die Finanzierung von Infrastrukturschulden in über 125 Projekten in 18 Ländern. Das Unternehmen konzentriert eine enorme Marktmacht und hat mit seinem Einfluss auf Wirtschaft und Politik weltweit mehr Entscheidungsgewalt als die meisten Staaten. Die Frage ist, ob dies auch in China möglich sein wird, wo der Staat zumindest in großen Teilen direkt regulierend in die Wirtschaftspolitik eingreift und in der Vergangenheit der Monopolbildung durch privatwirtschaftliche Unternehmen einen Riegel vorgeschoben hatte.

Nachdem die Volksrepublik verschiedenen Banken und Investmentfirmen wie J. P. Morgan Chase und Goldman Sachs den Zugang zum eigenen Markt erleichtert hatte, darf jetzt auch Blackrock sein Beratungsgeschäft ausüben. Vergangenen Monat hatte die chinesische Bankenaufsicht CBIRC einer Kooperation von Blackrock und der staatlichen China Construction Bank, die zweitgrößte Bank weltweit, zugestimmt, berichtete das Wall Street Journal am Freitag. China hatte seinen riesigen Finanzsektor im Rahmen einer Handelsvereinbarung mit den USA im Januar weiter für das Ausland geöffnet. Der Vorsitzende der CBIRC, Guo Shuqing, sagte, chinesische Aufsichtsbehörden begrüßten eine größere ausländische Präsenz auf Chinas Finanzmarkt, so Reuters am Sonnabend.

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