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Aus: Ausgabe vom 17.06.2021, Seite 8 / Ansichten

Spürnase des Tages: Evelyn Zupke

Von Kristian Stemmler
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Stets auf der Suche nach »SED-Opfern«: Evelyn Zupke

Jetzt kommt es Evelyn Zupke zugute, dass sie in jungen Jahren Kellnerin gelernt hat – denn in ihrem neuen Job wird von ihr verlangt, dass sie Bestelltes mundgerecht liefert. Ohne Zweifel soll die neue »Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur«, die am heutigen Donnerstag ihr Amt antritt, vor allem das weiterführen, was Joachim Gauck, ­Marianne Birthler und Roland Jahn als »Beauftragte für die Stasi-Unterlagen« über die Jahre nach Kräften betrieben haben: die Delegitimierung der DDR. Von der können und wollen die Herrschenden im »wiedervereinigten Deutschland« auch nach über 30 Jahren nicht lassen, gehört sie doch zur Staatsräson.

Schon die Arbeitsbeschreibung auf der offiziellen Homepage des Bundestags spricht eine deutliche Sprache. Dort heißt es über die 1962 in Binz auf Rügen geborene Zupke, sie solle unter anderem »den Blick für die Belange der Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft schärfen«. Damit hat die 59jährige bereits vor Amtsantritt begonnen. Vergangene Woche forderte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mehr Aufmerksamkeit für »Opfer der SED-Diktatur, die heute in Westdeutschland leben«. Es fehle an Beratungsnetzwerken, und viele Opfer seien noch gar nicht erfasst.

Die neue »SED-Opferbeauftragte« wird sich also noch etwas einfallen lassen müssen, um weitere »Opfer« zu generieren. Die richtige Biographie bringt sie aus Sicht ihrer Auftraggeber jedenfalls mit. Bereits in der Schulzeit sei Zupke »nicht regimekonform« gewesen, heißt es auf der Webseite des Bundestags. Gefallen dürfte den Regierenden auch, was sie auf eine ihr gewidmete Tafel am Berliner Gedenkort Rummelsburg schreiben ließ: Dass die »politischen Erben der SED« wieder regieren wollten, sei vielleicht legitim, heißt es da, »für mich ist es jedoch kaum erträglich«.

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  • Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (22. Juni 2021 um 11:18 Uhr)
    Geschichte kritisch, selbstkritisch aufarbeiten, etwas weitergeben an junge und nachfolgende Generationen, das ist wichtige Arbeit. Sie kann es sein, wenn sie objektiv und nicht zu demagogischen Zwecken geschieht. Nach dreißig Jahren »Stasi«-Aufarbeitung und mit neuer Aufarbeiterin wird die Suche nach SED-Opfern allerdings allmählich zur Farce. Wenn freilich jeder verwehrte Zugang zu Abitur oder Studium den Opferstatus erfüllt, lassen sich vielleicht unter Omas, Opas und Tanten und Onkeln, die aus der DDR flüchten »mussten«, noch einige finden. Für Opfer des Westens wegen des Radikalenerlasses oder wegen der Verfolgung von Menschen im Westen, die sich klar und deutlich für Friedenspolitik einsetzten, dafür gibt es keine Beauftragten und gemeinsame Aufarbeitungszuständigkeit. Allein das sagt viel zur Ehrlichkeit der Absicht. Warum gibt es keinen Beauftragten, der nachforscht, wen und was der Verfassungsschutz ausspioniert, oder der die Beobachtung unerwünschter Medien kritisch aufdeckt? Wer bis heute einen deutschen Staat im Osten als Unrechtsstaat abqualifiziert, keine Gesetzlichkeit dieses Staates gelten lassen will, sich selbst zum einzigen Rechtsstaat erklärt, der wird noch viele Opfer finden, die sich gern gegen Entgelt auf die Bühne bringen lassen. Also keine Bange, Frau Zupke, die für sich in Anspruch nimmt, nicht regierungskonform gewesen zu sein, hat damit beste Reverenzen und Erfolgsgarantie bis ins eigne Rentenalter.
  • Leserbrief von Andreas Notroff aus Plauen (21. Juni 2021 um 12:20 Uhr)
    Zu ihrer Bemerkung, dass die »politischen Erben der SED wieder regieren« wollten: Weiß Evelyn Zupke wirklich nicht, was SED hieß? Sozialistische Einheitspartei Deutschland. Sozialistisch! Von diesem Wort hat sich doch die Linkspartei schon längst getrennt. Also, der Sozialismus vorzuwerfen grenzt doch wirklich schon an Blödheit ohne gleichen.

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