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Aus: Ausgabe vom 12.05.2021, Seite 10 / Feuilleton

Möckel, Berger

Von Jegor Jublimov
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Sie konnte und kann vieles: Senta Berger 1972 mit ihrem Sohn Simon

Wer diese Kolumne liest, war vielleicht von den phantasiereichen Geschichten um den »Zauberer der Smaragdenstadt« fasziniert, die Alexander Wolkow in sechs Bänden in der Sowjetunion herausbrachte. In deutscher Übersetzung fehlten sie in kaum einem Haushalt mit Kindern in der DDR. Als die Rufe nach Fortsetzungen nicht verstummten, sorgte Nikolai Bachnow zwischen 1996 und 2003 dafür, dass es spannend weiterging. Er wurde am Montag zur Hälfte 80 Jahre alt. Wie das? Nikolai Bachnow ist das gemeinsame Pseudonym des Schriftstellerehepaares Aljonna und Klaus Möckel, und Aljonna ist die Jubilarin. Mit dem Pseudonym Bachnow wird auf ihren Mädchennamen verwiesen. Sie wurde im Moskauer Exil ihrer Eltern, des Musikwissenschaftlers und Komponisten Erwin Johannes Bach und seiner Frau geboren und nach Kriegsausbruch nach Leningrad evakuiert. Hier hatten sie die Blockade durch die deutsche Wehrmacht zu durchleiden, und Aljonna hätte eine Lungenentzündung fast nicht überlebt. In der DDR konnte sie später in Jena Sprachen studieren, arbeitete als Lektorin und ist bis heute Herausgeberin und Übersetzerin. Ihr sind in deutscher Fassung die damals »utopisch« genannten Romane der Brüder Arkadi und Boris Strugazki ebenso zu verdanken wie Kinderbücher oder Poeme von Jewgeni Jewtuschenko. Hier hat Aljonna Möckel auch oft mit ihrem Mann zusammengearbeitet, an dessen Bestseller »Hoffnung für Dan« sie nicht unbeteiligt war. Der gemeinsame Sohn Dan, inzwischen 55, kann nicht hören und sich kaum verständlich machen. Das Buch schildert den Alltag mit ihm, wie er in der DDR bewältigt werden konnte.

Simon und Luca Verhoeven sind die Söhne von Senta Berger und arbeiten in künstlerischen Berufen. Sicherlich werden sie ihre Mutter zum 80. Geburtstag gebührend überraschen – am morgigen »Herrentag«! Einige Herren werden sich noch daran erinnern, dass die Berger einst zu Recht neben Brigitte Bardot, Romy Schneider und Claudia Cardinale um den Thron als schönste Frau der Welt buhlte. Und eine Buhlschaft ist sie auch gewesen – in Salzburg beim »Jedermann«. Sie konnte und kann vieles. Sie hat Western neben John Wayne gespielt, war »Nachtklubtänzerin« neben Yul Brynner, verdrehte Alain Delon den Kopf und unterstützte Dean Martin im »Geheimdienst«. Als sie sich um 1970 recht zeitig (und rechtzeitig) von Hollywood verabschiedete, mischte sie beim Neuen Deutschen Film als Darstellerin wie als Produzentin mit, etwa bei Filmen von Volker Schlöndorff, Wim Wenders und natürlich ihrem Mann Michael Verhoeven. Für bundesrepublikanische Verhältnisse war die Wahlmünchnerin recht links, beteiligte sich am Wahlkampf für Willy Brandt und feministischen Aktionen wie »Wir haben abgetrieben«. Auch ihre vor zwei Jahren beendete TV-Reihe »Unter Verdacht« kritisierte Auswüchse in der deutschen Beamtenschaft, ohne allerdings den gesellschaftlichen Kern anzutasten.

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