1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Sa. / So., 8. / 9. Mai 2021, Nr. 106
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 05.05.2021, Seite 10 / Feuilleton

Reschke, Weigel

Von Jegor Jublimov
imago0062007898h.jpg
Helene Weigel als Mutter Courage

Obwohl sie heute vor 50 Jahren starb, gibt es Neues von Ingrid Reschke. In Berlin-Rummelsburg erhielt Ende letzten Jahres eine Straße den Namen der ersten DDR-Regisseurin, die abendfüllende Spielfilme drehte. Die Berlinerin Ingrid Meyer, wie sie damals hieß, wurde 1936 in ein proletarisches Elternhaus geboren und wollte zum Film. Der nur wenige Jahre ältere Regisseur Peter Hagen (der später mit der TV-Reihe »Das unsichtbare Visier« bekannt wurde) leitete ein Pionierfilmstudio, bei dem das junge Mädchen als Regieassistentin begann. Mit nur 18 Jahren gehörte sie 1954 zur ersten Regieklasse der Babelsberger Filmhochschule. Sie selbst schätzte rückblickend ein, dass es etwas zu früh gewesen sei, weil ihr noch Lebenserfahrung fehlte.

Sie drehte als Regieassistentin zwei Filme mit Heiner Carow (darunter »Das Leben beginnt« mit Helene Weigel in einem Auftritt als »Mutter Courage«) und gewann dabei Selbstvertrauen. »Wir lassen uns scheiden« war 1967 ein stimmungsvoller, frecher Berlin-Film, mit dem sie insofern Pech hatte, als dass Armin Mueller-Stahl, den sie in der Hauptrolle besetzte, wegen einer Verletzung nach einigen Drehtagen ausfiel. Alle seine Szenen mussten mit Dieter Wien noch einmal gedreht werden. Für Kinder inszenierte sie 1968 »Der Weihnachtsmann heißt Willi«, in dem zwei kleine Geschwister nach einem Dieb suchen. Meisterhaft, wie Reschke den Leipziger Alltag in der Vorweihnachtszeit schilderte! Doch mit ihrem letzten Film hatte sie 1971 wieder Pech. »Kennen Sie Urban?« sollte einen konfliktvollen Aufbruch junger Leute in den Sozialismus erzählen, litt aber unter dramaturgischen Schwächen. Die Hauptfigur, ein wegen Körperverletzung auf Bewährung entlassener Heißsporn, wirkte unglaubwürdig, eher wie ein introvertierter Student. Die Kritik, die trotz einiger Anerkennung auf die junge Regisseurin einprasselte, soll sie nach Meinung von Freunden so entnervt haben, dass sie einen Autounfall verursachte, der sie am 5. Mai 1971 das Leben kostete.

Doppelt so alt war die große Helene Weigel, die einen Tag später am 6. Mai 1971 nach schwerer Krankheit starb – knapp vor ihrem 71. Geburtstag (12. Mai). Kurz zuvor hatte sie noch bei einem Gastspiel des Berliner Ensembles in einem Pariser Arbeiterviertel die Wlassowa in »Die Mutter« gespielt, eine Rolle, die Brecht für sie 1932 geschrieben hatte.

Als anerkannte Theaterschauspielerin hatte die junge Wienerin 1923 Bertolt Brecht kennengelernt, der ihre weitere künstlerische Arbeit maßgeblich bestimmte. Seit 1929 waren sie verheiratet. Mit ihm ging die links engagierte Jüdin ins Exil. In Paris konnte sie 1937 die Uraufführung von »Die Gewehre der Frau Carrar« spielen, bevor die Familie in die USA fliehen musste. Erst nach Kriegsende stand sie in Berlin wieder auf der Bühne, wo sie die Intendanz des Berliner Ensembles übernahm. Nach Brechts Tod 1956 blieb sie Sachwalterin seines künstlerischen Erbes, trat als Schauspielerin aber auch in Stücken von Erwin Strittmatter, Helmut Baierl und Peter Weiss auf. Auftritte vor der Kamera blieben allzu selten. Straßennamen in Magdeburg, Bielefeld und Berlin erinnern an sie.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

Für alle, die es wissen wollen: Die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) gratis kennenlernen. Danach ist Schluss, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton

Drei Wochen gratis lesen: Das Probeabo endet automatisch.