1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 12. Mai 2021, Nr. 109
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 05.05.2021, Seite 10 / Feuilleton
#UnblockCuba

Impfstoff für die Insel

Die kubanische Wissenschaft rettet trotz der Blockade Leben
Von Miguel Alfonso Sandelis, Havanna
10.jpg
Hart errungener Erfolg: Eine Freiwillige lässt sich im Rahmen letzter Tests mit einem kubanischen Covis-19-Vakzin impfen (14.3.2021)

Die Vereinigten Staaten haben ein Bruttoinlandsprodukt, das 2.500mal größer ist als das von Kuba, ihre territoriale Ausdehnung ist 89mal größer und sie haben 29mal mehr Einwohner als Kuba. Mit diesem gigantischen Gefälle zwischen den beiden Ländern verhängt die nördliche Nation eine Wirtschaftsblockade gegen die Karibikinsel, die bereits 60 Jahre andauert.

Dank dieser Politik der wirtschaftlichen Kriegführung kann Kuba kein einziges nationales Produkt an den »Riesen des Nordens« verkaufen, noch kann es irgendwo auf der Welt ein Produkt kaufen, das mindestens zehn Prozent US-amerikanische Bestandteile hat. Kuba kann, bis auf wenige Ausnahmen, bei denen bar bezahlt werden muss, auch keine US-amerikanischen Produkte kaufen, das schließt auch Transporte von Fracht ein. Schiffe jedweder Nation, die in kubanischen Häfen anlegen, müssen sechs Monate warten, um danach US-Häfen anlaufen zu dürfen. Der extraterritoriale Geltungsbereich der Blockade geht so weit, dass die Handelsbeziehungen Kubas mit Unternehmen überall auf der Welt ständig blockiert und ausländische Banken, die Transaktionen mit kubanischen Finanzinstituten durchführen, mit Geldstrafen belegt werden.

Aber als ob das alles nicht schon genug wäre, wurde die US-Blockade der Insel inmitten der Covid-19-Pandemie verschärft. In dieser Zeit eröffneten zahlreiche Verordnungen und Bestimmungen, die die US-Regierung gegen Kuba erließ, die Möglichkeit, Prozesse nach Titel III des Helms-Burton-Gesetzes zu führen, die Verfolgung der finanziellen und kommerziellen Transaktionen Kubas zu verstärken, Flüge aus den USA in alle kubanischen Provinzen mit Ausnahme von Havanna zu verbieten, Unternehmen zu verfolgen und einzuschüchtern, die Treibstofflieferungen nach Kuba schicken, und eine Kampagne zu führen, um kubanische medizinische Kooperationsprogramme zu diskreditieren.

Innerhalb dieser dämonischen Politik der wirtschaftlichen Kriegführung hat die kubanische Wissenschaft die Auswirkungen der Blockade stark zu spüren bekommen. So ist die kubanische Wissenschaft zum Beispiel gezwungen, geographisch weiter entfernte Märkte zu nutzen, um Zugang zu bestimmten Technologien zu erhalten. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die Auswirkungen der Blockade im wissenschaftlichen Bereich:

Im vergangenen Jahr verhinderte die Blockade die Erfüllung der finanziellen Verpflichtungen des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Umwelt der Republik Kuba gegenüber mehr als zehn internationalen Organisationen.

Schwierigkeiten in den Korrespondenzbeziehungen zwischen kubanischen und ausländischen Banken führten dazu, dass das Isotopenzentrum (Centis) nicht in der Lage war, etwa 250.000 US-Dollar für Produktionsumsätze einzuziehen.

Die Unmöglichkeit, auf US-Technologie zuzugreifen, erschwerte den Import von Komponenten für die Dopplerisierung von meteorologischen Radaranlagen.

Die US-Regierung weigerte sich, Genehmigungen für ein Projekt zu erteilen, das Kuba dabei unterstützt, die Firma Frioclima – ein Unternehmen aus dem Bereich Kälte-, Klima- und Lüftungstechnik – auf die Verwendung von Kühlmitteln umzurüsten, die die Ozonschicht nicht beeinträchtigen und nicht zur globalen Erwärmung beitragen.

Die Verschärfung der Blockade erschwert den Import von sogenannten Antibiotika-Testscheiben, die der Bestimmung der Empfindlichkeit von Mikroorganismen gegen antimikrobielle Substanzen dienen.

Im universitären Bereich behindert die Blockade den akademischen Austausch, verhindert den Zugang zu mehr als 200 Webseiten auf US-Servern, beeinträchtigt die Genehmigung von Visa für die Teilnahme an Veranstaltungen, erschwert den Eingang von Einnahmen für Dienstleistungen und behindert die technologische Erneuerung in kubanischen Universitäten.

Mitten in der aktuellen Pandemie haben die Tentakel der Blockade auch die Impfstoffkandidaten erreicht, die die kubanische Wissenschaft entwickelt hat. Es gibt große Hindernisse bei der Beschaffung von Betriebsmitteln für die Produktion von Impfstoffen und sogar bei den Zahlungen, die Kuba an internationale Lieferanten leisten muss.

Doch trotz des gegen die Insel entfesselten Wirtschaftskriegs, der in den Monaten der Pandemie noch verschärft wurde, schreitet die kubanische Wissenschaft weiter voran. Fünf Impfstoffkandidaten gegen Covid-19, Errungenschaften der wissenschaftlichen Forschung auf der Insel, wurden von den Zulassungsbehörden genehmigt und befinden sich derzeit in der klinischen Erprobung, zwei davon in Phase drei ihrer Studien. Damit kann die gesamte kubanische Bevölkerung bis Ende 2021 gegen die Krankheit geimpft werden. Darüber hinaus befinden sich mehr als 30 Medikamente und andere Hilfsmittel, darunter antivirale Mittel, Immunsystemverstärker, entzündungshemmende Medikamente, Diagnostika und medizinische Geräte, in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Aus all diesen Gründen prangert ­Kuba vor der Welt die kriminelle Blockade an, die die Vereinigten Staaten der kleinen Nation auferlegt haben. Kuba wird nicht damit aufhören, für das Leben aller Kubaner zu kämpfen und durch die medizinischen Brigaden, die zum internationalistischen Kontingent ­»Henry Reeve« gehören, zur Rettung von Leben in mehr als 25 Ländern beizutragen.

Übersetzung: Volker Hermsdorf

1000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton