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Aus: Ausgabe vom 05.05.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konzernsanierung

Dicke Luft bei Lufthansa

Massenentlassungen und Lohndumping bei der vom Staat mit Milliarden geretteten Airline. Keine Dividende für Aktionäre
Von Steffen Stierle
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Pilotenstreik: Viele Beschäftigte der Lufthansa haben den Kampf um ihren Arbeitsplatz inzwischen schon verloren

Vorstandschef Carsten Spohr sprach auf der virtuellen Hauptversammlung der Lufthansa AG am Dienstag mit Blick auf 2020 von einem »historischen Jahr« – einem Jahr, »in dem wir einen Rekordverlust in Höhe von 5,5 Milliarden Euro verkraften mussten. In dem wir zwei Drittel unseres Umsatzes und sogar drei Viertel unserer Passagiere verloren haben«. Die Krise hat den Konzern so hart getroffen, dass sich die Kosten nicht mehr vollständig auf die Beschäftigten abwälzen lassen. Auch die Aktionäre werden Verzicht üben müssen.

Trotzdem weiß die Kapitalseite die Krise zu nutzen. So wird das Kahlschlagsprogramm »Renew«, mit dem die Airline die Kosten drücken und mehr zum tourismusorientierten Billigflieger werden will, mit aller Härte vorangetrieben: »Jeder fünfte Mitarbeitende weltweit hat das Unternehmen bereits verlassen«, frohlockte Spohr gegenüber den Aktionären. Allein in der BRD sollen bald weitere 10.000 Vollzeitstellen vernichtet werden.

Wer seinen Arbeitsplatz behalten darf, muss satte Einkommensverluste hinnehmen: Mittlerweile sei es gelungen, »mit allen wesentlichen Gewerkschaften und Betriebspartnern weltweit Krisenvereinbarungen« zu treffen, so Spohr. Diese sehen meist herbe Einschnitte bei Gehältern und Arbeitsrechten vor. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr unterlassen, als Gegenleistung für die milliardenschwere Staatsrettung Arbeitsplatz- und Einkommenssicherung zu verlangen. Die Beschäftigten stehen daher mit dem Rücken zur Wand.

Die Tochtergesellschaften Sunexpress Deutschland und Germanwings werden komplett abgewickelt. Ein Teil der Belegschaften soll von der Dumpingtochter Eurowings übernommen werden. Das stößt auch bei einem Teil der Aktionäre auf Kritik: Derartige Vorgänge, »wo Arbeitsplätze mit hohen Sozialstandards durch solche mit deutlich niedrigeren« ersetzt werden, seien »für einen Konzern, der gerade mit Steuergeld vor der Insolvenz gerettet wurde nicht akzeptabel«, kritisierte etwa Markus Dufner vom Dachverband kritische Aktionäre.

Trotz aller Härten für die Belegschaften, für Ausschüttungen an die Aktionäre reicht es nicht. Dafür lasse die aktuelle Situation »keinen Spielraum«, so Spohr. Mit Dividenden sei erst ab 2023 wieder zu rechnen. Für das »Vertrauen« und die »Treue« der Wertpapierhalter bedankte sich der Konzernchef überschwänglich.

Den Dividendenverzicht mussten die Aktionäre akzeptieren. Auf heftigen Widerstand stieß hingegen der vom Vorstand unter dem Label »Kapital C« angepeilte Vorratsbeschluss, der es dem Führungsgremium erlauben soll, im Alleingang bis zu 5,5 Milliarden Euro an frischem Eigenkapital zu besorgen. So soll die Aktivierung der stillen Reserve des Bundes vermieden und der Staatseinfluss im Zaum gehalten werden. Der Wert bestehender Anteile geriete jedoch unter zusätzlichen Druck. Mehrere Aktionäre forderten daher vom Vorstand, Alternativen zu entwickeln, etwa in Form eines Verkaufs des Tafelsilbers. Bis jW-Redaktionsschluss am Dienstag nachmittag war noch keine Entscheidung gefallen.

Kritik am Kurs der Airline gab es auch von Umweltverbänden wie dem BUND. Gemeinsam mit dem Dachverband kritische Aktionäre hatte die Organisation eine Ausrichtung der Geschäftspolitik am 1,5-Grad-Klimaziel gefordert, etwa in Form einer »Verlagerung aller Kurzstreckenflüge auf die Schiene bis 2030«.

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