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Aus: Ausgabe vom 05.05.2021, Seite 8 / Ansichten

Gewinneverschieber des Tages: Amazon

Von Simon Zeise
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Leeres Paket: Amazon zahlt keine Steuern auf Gewinne

Ach, könnte diese Krise doch für immer dauern. Monopole erfreuen sich an billigeren Löhnen, einem Heer von Erwerbslosen, das um immer weniger Arbeitsplätze buhlt. Und auch der letzte kleine Tante-Emma-Laden wird in die Insolvenz gedrückt, so dass die Großkonzerne sich deren Geschäfte einverleiben können.

Deshalb liebt Amazon die Pandemie. In der EU hat der Onlineriese im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz in Höhe von 44 Milliarden Euro erzielt – und dafür am Firmensitz in Luxemburg nicht einen Cent Steuern abdrücken müssen. Der Guardian machte am Dienstag die lediglich 23 Seiten umfassende Steuererklärung des Konzerns öffentlich – jede Frittenbude muss detailliertere Angaben zum Geschäftsgebaren machen.

Weil das arme Unternehmen 2020 einen Verlust in der Luxemburger Filiale von 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen hat, stellt ihm das Herzogtum eine Steuergutschrift von 56 Millionen Euro zur Verfügung. Die kann Amazon verrechnen, wenn mal wieder bessere Zeiten kommen und auch in Luxemburg Profite erzielt werden.

Das britische Blatt erinnerte am Dienstag an ein Interview, das Robert Comfort – im Amazon-Vorstand bis 2011 für die Steuerminimierung verantwortlich – vor einigen Jahren der Wochenzeitung d'Lëtzebuerger Land gegeben hatte. Darin hatte Comfort die Höflichkeit im Herzogtum angepriesen. Der damalige Ministerpräsident und spätere Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, habe ihm eröffnet: »Wenn Sie auf Probleme stoßen, die Sie anscheinend nicht lösen können, kommen Sie bitte zurück und sagen Sie es mir. Ich werde versuchen zu helfen.« Comfort wurde später zum luxemburgischen Honorarkonsul in Seattle ernannt, dem Standort des US-Hauptsitzes von Amazon. Wer so gehätschelt wird, übersteht jede Pandemie.

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