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Aus: Ausgabe vom 04.05.2021, Seite 6 / Ausland
#UnblockCuba

Kämpfende Schwestern

Die Solidarität zwischen Kuba und Venezuela ist der Motor für eine alternative Integration Lateinamerikas
Von Julieta Daza, Caracas
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Der damalige Staatschef Venezuelas Hugo Chávez (l.) und sein kubanischer Amtskollege Fidel Castro in Havannas Karl-Marx-Theater (August 2005)

Die Kubanische Revolution und das sozialistische Kuba sind für die Linke in Lateinamerika und der Karibikregion seit jeher ein Vorbild. Das gilt insbesondere auch für Venezuela. In dem um 1998 begonnenen und als »Bolivarische Revolution« bekannten politischen und sozialen Transformationsprozess spielt die sozialistische Karibikinsel eine herausragende Rolle. Bereits 1994, fünf Jahre vor seinem Amtsantritt als venezolanischer Staatschef, erklärte der historische Anführer der Bolivarischen Revolution, Hugo Chávez, bei einem Besuch in der kubanischen Hauptstadt Havanna, Kuba sei eine »Hochburg der lateinamerikanischen Würde«.

Seitdem hat sich zwischen den beiden Staaten eine große und durch die gegenseitige internationalistische Solidarität geprägte Freundschaft herausgebildet. Das wurde jüngst auch anlässlich des im April in Havanna durchgeführten 8. Parteitags der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) und der Wahl des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel zu deren Erstem Sekretär wieder deutlich. In einer Stellungnahme vom 23. April erklärte Diosdado Cabello, Vizevorsitzender der venezolanischen sozialistischen Regierungspartei PSUV, dass die »Kooperation und unzerstörbare Schwesternschaft« zwischen beiden Parteien und den Bevölkerungen beider Staaten weiter vertieft werden sollen.

Die Solidarität zwischen Kuba und Venezuela ist zu einem der wichtigsten Grundsteine der alternativen regionalen Integration Lateinamerikas und der Karibikregion im Geiste des Unabhängigkeitskämpfers Simón Bolívar geworden. Bolívar kämpfte im 19. Jahrhundert für die Befreiung Lateinamerikas von der spanischen Kolonialherrschaft und wollte die Region in einem Bündnis vereinen. Ganz im Sinne dieses historischen Erbes nennt sich Venezuela seit seiner Verfassung von 1999 »Bolivarische Republik«.

Im Jahr 2000 unterzeichneten die damaligen Staatsführer Fidel Castro und Hugo Chávez ein weitgefasstes Kooperationsabkommen. Über die Jahre wurde es weiterentwickelt, die Erfahrung mit dem alternativen Integrationskonzept, das auf den Prinzipien der internationalen Solidarität und nicht jenen des neoliberalen Wettbewerbs basierte, trug vier Jahre später zur Gründung der Bolivarischen Alternative für die Völker unseres Amerikas (ALBA) bei, die später in Bolivarische Allianz – Handelsvertrag der Völker (ALBA-TCP) umbenannt wurde. Erinnert werden soll an dieser Stelle aber auch noch mal an die Gründung des Petrocaribe-Abkommens von 2005, das vor allem den armen Staaten der Karibik Erdöllieferungen aus Venezuela zu Vorzugspreisen ermöglichen sollte. Ohne die Verbindung zwischen Caracas und Havanna wäre es kaum zustande gekommen.

Es gibt unzählige konkrete Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Kuba und Venezuela. Am 16. April dieses Jahres jährte sich zum 18. Mal die Gründung des gesundheitlichen Sozialprogramms »Misión Barrio Adentro«. Seit seinem Beginn sind Tausende kubanische Ärztinnen und Ärzte und weiteres medizinisches Personal nach Venezuela gekommen und haben dazu beigetragen, ein öffentliches Gesundheitssystem aufzubauen, das auf Prävention und auf der Förderung der kollektiven Gesundheit innerhalb der Gemeinden basiert. Auch die 2005 in Venezuela gegründete Lateinamerikanische Hochschule für Medizin »Dr. Salvador Allende« (ELAM) ist Dank der Kooperation mit Kuba entstanden. Sie soll jungen Menschen aus aller Welt, aber insbesondere aus Lateinamerika und der Karibik, wo der Zugang zu einem Medizinstudium sehr schwierig und teuer ist, die Möglichkeit bieten, sich in diesem Fach auszubilden.

Im Jahr 2005 erreichten Venezuela und dessen Bolivarische Revolution einen wichtigen Meilenstein: Der südamerikanische Staat wurde zu einem Land frei von Analphabetismus erklärt. Auch das ist zu einem großen Teil Kuba zu verdanken, denn der Inselstaat trug erheblich zum Bildungsprogramm »Misión Robinson« bei.

Aufgrund der langjährigen Kooperation stellen die imperialistischen Zwangsmaßnahmen gegen Venezuela gleichzeitig auch einen Angriff auf Kuba dar. Der Schaden, den die Sanktionen der venezolanischen Erdölindustrie zufügen, erschwert die Ausfuhr des Rohstoffes nach Kuba. 2019 beispielsweise prangerte der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza an, dass die damalige US-Regierung »Sanktionen« gegen mehr als 30 Öltanker verhängen wollte, die venezolanisches Erdöl nach Kuba transportierten.

Die aktuelle Verschärfung der Blockade gegen Kuba trifft wiederum auch Venezuela. Durch die Zwangsmaßnahmen werden die wirtschaftliche Souveränität und Kooperationsmöglichkeiten beider Länder stark verletzt. Einer der in Venezuela am stärksten betroffenen Bereiche ist das öffentliche Gesundheitswesen, da es fast unmöglich ist, die zur medizinischen Versorgung nötigen Materialien zu importieren.

Es gilt also, Blockade und Zwangsmaßnahmen auf internationaler Ebene zu verurteilen. Es geht um die Selbstbestimmung Kubas und Venezuelas, jene Länder, die das Herz einer solidarischen Integration und alternativen politischen Zukunft Lateinamerikas und der Karibik sind.

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