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Aus: Ausgabe vom 03.05.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Rohstoffe

Emirate etablieren sich im Mittelmeer

Unternehmen aus Abu Dhabi kauft Anteile an Erdgasfeld vor israelischer Küste
Von Knut Mellenthin
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Die Außenminister Zyperns, Israels, Griechenlands und der Emirate: Ein Quartett, das sich immer besser versteht (16.4.2021)

Die 2020 vereinbarte »Normalisierung« der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) trägt erste wirtschaftliche Früchte. Das israelische Energieunternehmen Delek Drilling gab am vorigen Montag bekannt, dass es seine Beteiligung an dem Offshore-Erdgasfeld Tamar im östlichen Mittelmeer an die in Abu Dhabi ansässige Öl- und Gasgesellschaft Mubadala Petroleum verkaufen will. Das israelische Unternehmen hält 22 Prozent der Anteile an dem 2009 entdeckten Erdgasfeld, der Wert dieser Beteiligung wird mit rund einer Milliarde Dollar angegeben.

Delek Drilling gehört zur Delek-Gruppe, einem der größten israelischen Konzerne. Außer ihrem Schwerpunkt in der Energiebranche ist die Gruppe unter anderem auch der größte Autoimporteur des Landes und im internationalen Versicherungsgeschäft tätig, neben Israel vor allem in den USA. Mubadala Petroleum ist eine hundertprozentige Tochter der Mubadala Investment Company, die sich im Besitz der Regierung des Emirats Abu Dhabi befindet. Mubadala Petroleum ist nach eigenen Angaben in zehn Ländern engagiert, darunter im Nahen Osten, in Nordafrika, in Russland und Südostasien. Mit dem angekündigten Deal käme das Unternehmen seinem Ziel näher, sich auch im Mittelmeerraum in relevantem Umfang zu etablieren.

Das wäre zugleich ein weiterer Erfolg für die expandierende Außenpolitik der VAE. Im April nahmen Kampfflugzeuge aus den Emiraten zusammen mit israelischen Fliegern an einer multinationalen Militärübung in Griechenland teil. Zur gleichen Zeit trafen sich Spitzendiplomaten der VAE, Israels, Griechenlands und Zyperns. Die letzten drei bilden schon seit mehreren Jahren praktisch eine enge Arbeitsgemeinschaft gegen die Türkei, was sich mit den Interessen der Emirate deckt.

Vorläufig handelt es sich bei den Vereinbarungen zwischen Delek Drilling und Mubadala Petroleum nur um ein juristisch nicht bindendes »Memorandum of Understanding«, also eine – in diesem Fall anscheinend schon recht detailliert ausgearbeitete – Absichtserklärung. In einer gemeinsamen Stellungnahme teilten die beiden Unternehmen am 26. April mit, dass sie das Geschäft bis Ende Mai zum Abschluss bringen wollen.

Delek Drilling ist zum Verkauf durch Antikartellbestimmungen der israelischen Regierung gezwungen, die im Dezember 2015 beschlossen wurden. Sie verlangen von dem Unternehmen, das u. a. mit 45,3 Prozent an einem weiteren Offshore-Erdgasfeld (»Leviathan«) beteiligt ist, seine Anteile an Tamar bis Ende 2021 zu verkaufen. Delek Drilling benötigt außerdem aus zwei Gründen Kapital: Erstens, um nach einem schlechten Geschäftsjahr 2020 seine Aktionäre und Gläubiger auszahlen zu können. Zweitens, um seine Pläne weiterzuverfolgen, in der Nordsee und in den USA zu expandieren.

Der Deal zwischen Delek und Mubadala wäre, wenn er zustande kommt – woran keine Zweifel geäußert werden – mit Sicherheit das größte Geschäft zwischen Israel und den Vereinigten Emiraten seit dem Normalisierungsabkommen zwischen beiden Staaten, das am 15. September 2020 im Weißen Haus unterzeichnet wurde. Vermutlich ist es überhaupt die bedeutendste Finanzaktion zwischen dem zionistischen Staat und der arabischen Welt, die es jemals gab.

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