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Aus: Ausgabe vom 22.04.2021, Seite 16 / Sport
Fußball

Erfolg der Fans

Die »Super League« ist abgewendet – vorerst
Von Peter Merg
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Das Ende kam schneller als gedacht: Nachdem zwölf europäische Topklubs in der Nacht zu Montag die Gründung einer verbandsunabhängigen Fußball-»Super League« angekündigt hatten, scherten noch am Dienstag die ersten Vereine angesichts des heftigen Widerstands von Verbänden und Fans wieder aus. Mit dem Rückzug der sechs englischen Premier-League-Klubs war das Vorhaben praktisch hinfällig, fehlten doch die Teilnehmer so aus dem umsatzstärksten und weltweit meistbeachteten Wettbewerb. Schließlich fügten sich am Mittwoch auch die restlichen Beteiligten ihrem Schicksal, nur Real Madrid und der FC Barcelona distanzierten sich bis Redaktionsschluss nicht. Die Europäische Fußballunion UEFA hatte den involvierten Vereinen zuvor eine goldene Brücke gebaut und am Dienstag eine Reform ihrer Champions League beschlossen, die den Topklubs Mehreinnahmen und zum Teil fixe Startplätze garantiert. Zudem berichteten mehrere Medien am Mittwoch, UEFA-Präsident Aleksander Ceferin arbeite mit einem britischen Investmentfonds an einer neuen Version der »Königsklasse« mit einem Startbudget von rund 4,5 Milliarden Euro, das zukünftig auf sieben Milliarden Euro angehoben werden könne.

Der strategische Rückzug der Topklubs erfolgte auch aufgrund des heftigen Widerstands aus den Fanszenen. So hatten aufgebrachte Anhänger das Premier-League-Spiel des FC Chelsea bei Brighton am Dienstag abend genutzt, um gegen die Pläne zu protestieren. In ungewohnter Einmütigkeit hatten sich Fanorganisationen aller sechs englischen Klubs gegen die »Super League«-Pläne gestellt, es kam zu Protestaktionen an den Stadien.

»Für uns ist es ein Erfolg, aber andererseits auch nicht, weil wir ja sehr viel mehr kritisieren. Die Reform der UEFA-Klubwettbewerbe wurde ja im Hintergrund trotzdem beschlossen«, sagte Helen Breit, Vorsitzende des deutschen Fanbündnisses »Unsere Kurve«, am Mittwoch dem sid: »Man darf sich nicht blenden lassen, dass diese Champions-League-Reform eine Errungenschaft wäre.« Auch Sig Zelt, Sprecher des Fan- und Ultragruppenbündnisses »Pro Fans«, wertete das vorläufige Scheitern der »Super League«-Pläne nur als Teilerfolg: »Es ging nicht nur darum, die Super League abzuwenden. Es geht auch darum, auf diesem Weg umzukehren«, sagte er.

Wer hat Angst vor wem?

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