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Aus: Ausgabe vom 07.04.2021, Seite 16 / Sport

Die Schweiz gibt es nicht

Von André Dahlmeyer
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Club Atletico Colón – Verein mit vielen sympathischen Fans

Einen wunderschönen guten Morgen! In Argentinien, wo die Seuchenzahlen gerade wieder explodieren, war achter Spieltag des Ligapokals, der zunächst in zwei Dreizehnergruppen ohne Rückspiel ausgetragen wird. Die vier Klassenstreber beider Gruppen qualifizieren sich für die Viertelfinals.

Colón aus Santa Fe ist das einzige noch unbesiegte Team, kam aber auf dem heimischen Elefantenfriedhof gegen die Argentinos Juniors nicht über ein Remis hinaus. Es war die zweite Nullnummer des Sábalero. Sehr viele Anhänger des Klubs frönen dem Angeln, daher der Spitzname: Sábalo ist ein im Río Paraná beheimateter populärer Fisch. Sehr lecker, sehr schuppig, also aufwendig zuzubereiten, aber preiswert (wenn man zu doof zum Angeln ist). Stadt- und Erzrivale Unión trat bei Vélez Sarsfield an, wurde von dem aktuell von Mauricio Pellegrino gecoachten »Fortín« in den letzten Minuten des Spiels noch niedergerungen bzw. 1:4 deklassiert, kassierte somit die erste Niederlage. Gewonnen hat Unión aber auch erst zweimal. Vélez führt diese Gruppe an. Deren einzige Niederlage (1:7 gegen Boca Juniors) ist verdächtig – nicht bloß, weil die Velezolanos in den restlichen sieben Matches insgesamt lediglich drei Dolchstöße erlitten.

Noch gar nicht gewonnen haben nur Arsenal de Sarandí und die Newell’s Old Boys, der Klub, der Lionel Messi ausgebildet hat. Arsenal war das Spielzeug von FIFA-Gangster Julio Grondona. Immerhin, gegen River Plate gelang der zweite Punktgewinn – eine Warhol-Stunde in Unterzahl. Es war die zweite Nullnummer des Spieltags, bei dem mit drei Toren pro Match jedoch fast schon überdurchschnittlich oft getroffen wurde. Argentinischer Fußball, das ist Hauen und Stechen, kein Millimeter wird kampflos preisgegeben. Da können die Schergen aus Zürich noch so sehr und wieder und wieder die Regeln verkleistern, damit in ihrer Eventpisskultur die Tore vom Himmel fallen wie ausgeleerte Boeingtoiletten über der bäuerlichen Bevölkerung, da kein Depp mehr verteidigt, weil das angeblich nicht telegen ist. Da hält sich bei den Silberländern aber niemand dran. Argentinien bleibt oldschool, Herr Infantino! Die Schweiz, die gibt es nicht.

Newell’s ist neuerdings die erste Trainerstation von Rockmusiker Mono Burgos. Torwart von River Plate, Torwart Argentiniens (38 Länderspiele) und eine Dekade lang der Assi von Diego Simeone bei Aleti in Madrid. Im Marcelo-Bielsa-Stadion von Rosario blieb er auch im dritten Spiel seines Zyklus ungeschlagen, doch endete das erneut unentschieden, obgleich Ñúls gleich mit dem ersten Versuch in Minute drei einlochte. Ein Billardtor, aber drin ist drin. Nachdem der Globo (Heißluftballon) zeitnah mit Köpfchen ausgeglichen hatte, verwertete Cacciabue die zweite ernsthafte Torchance der Rot-Schwarzen burschikos mit Außenristvolleyaufsetzer zum 2:1 für die Gastgeber. Ecke Huracán, noch zehn Minuten zu spielen. Kopfball an die Latte, Durcheinander im Sanktionsraum, Blitzreaktion von Tormann Alan Aguerre, und schließlich rettet Formíca mit einem improvisierten Fallrückzieher auf der Linie. Und immer hört man jedes Wort auf dem Platz. Doch dem eingewechselten Paraguayo Cristian Núñez gelingt noch mit einem Volleytunnel der Ausgleich.

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