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Aus: Ausgabe vom 07.04.2021, Seite 6 / Ausland
Sámi in Nordeuropa

Interessen nicht repräsentiert

Verhältnis zwischen nordeuropäischen Staaten und indigenen Sámi bleibt angespannt. Ausbeutung von Siedlungsgebiet schreitet fort
Von Gabriel Kuhn, Stockholm
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Ein traditionelles Goahti im Padjelanta-Nationalpark in Schweden

Es waren dramatische Bilder. Im April 2018 setzten schwedische Vollzugsbehörden in einem Waldstück im hohen Norden des Landes ein Goahti in Brand. Goahti sind traditionelle Behausungen der Sámi, klein und aus natürlichen Materialien gefertigt. Die 71jährige Eigentümerin, Anita Gimvall, sah bestürzt zu. Seit über 100 Jahren hätte ihre Familie dieses Goahti zur Jagd und zum Fischfang genutzt. Die schwedischen Behörden sahen es als »illegales Bauobjekt«.

Der Fall steht für das Verhältnis zwischen den nordischen Nationalstaaten und den Sámi, der indigenen Bevölkerung des Nordens Europas. Der Kampf um das Land ist zentral. Im Zuge der Kolonialisierung Sápmis, dem historischen Siedlungsgebiet der Sámi, nahmen die nordischen Nationalstaaten dieses in Besitz und teilten es untereinander auf. Es ist reich an Wasserwegen, Holz und Mineralien.

Weder Schweden noch Finnland haben das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ratifiziert. Dieses soll die Rechte indigener Gesellschaften sichern, auch jene auf Landbesitz. Die Regierungen Schwedens und Finnlands fürchten bei einer Ratifizierung zahlreiche Rechtsprozesse. Es würde schwieriger werden, Lizenzen für Wasserkraftwerke, Minen und Waldrodungen an staatliche wie private Unternehmen zu verteilen.

Norwegen, wo der Großteil der insgesamt rund 100.000 Sámi lebt, ratifizierte das ILO-Abkommen 169 im Jahr 1990. Die Provinz Finnmark, in der die Mehrheit der Bevölkerung samisch ist, darf seit 2005 ihr Land selbst verwalten. Das sollte es für Sámi erleichtern, Ansprüche auf Land geltend zu machen, das sie traditionell zur Rentierzucht, zur Jagd und zum Fischfang nutzen. Bisher wurden jedoch sämtliche Anträge abgelehnt.

Gleichzeitig schreitet die Ausbeutung der Naturressourcen in Sápmi fort. Auch mit deutscher Beteiligung. Der Kupferproduzent Aurubis mit Sitz in Hamburg erwarb für zehn Jahre die exklusiven Rechte für den Ertrag einer Kupfermine, die 2023 in Nussir nahe Hammerfest in Betrieb genommen werden soll. Aurubis war das rund eine Milliarde Euro wert. Es handelt sich um den größten Kupfervertrag in der Geschichte Norwegens.

Sámi sorgen sich nun um die Auswirkungen auf ihre Fischgründe und Rentierherden. Aurubis erklärte auf jW-Anfrage, dass durch die Mine 200 neue Arbeitsplätze in der Region entstehen würden. »Auch die lokale Bevölkerung, die zum Teil aus Sámi besteht, unterstützt das Projekt«, so eine Sprecherin des Unternehmens.

Aslak Holmberg, Vizepräsident des Samischen Rates, der samische Organisationen aus allen Teilen Sápmis vereint, zeigt sich über diese Aussage überrascht: »Sámi, die in der Gegend fischen und Rentierzucht betreiben, haben sich gegen das Projekt ausgesprochen. Möglicherweise zählen sie als Nomaden nicht zur lokalen Bevölkerung.« Holmberg bestätigt, dass die Kommunalverwaltung dem Projekt zugestimmt habe. Doch fügt er hinzu, dass Kommunalverwaltungen in den seltensten Fällen die Interessen der Sámi repräsentierten.

Nachdem die Behörden ihr ­Goahti abgebrannt hatten, errichtete Anita Gimvall an gleicher Stelle ein neues. Als Angehörige eines indigenen Volkes habe sie ein Recht darauf, die Traditionen ihrer Vorfahren fortzuführen. Am 24. März erhielt sie einen gerichtlichen Bescheid, dem zufolge auch dieses ­Goahti als illegales Bauobjekt betrachtet wird.

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