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Aus: Ausgabe vom 07.04.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Krieg im Donbass

Zeigen, was man kann

Russland und Ukraine verstärken Manöver in Grenznähe
Von Reinhard Lauterbach
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Übung der Truppen der VR Donezk im August 2020

Russland und die Ukraine haben in den vergangenen Wochen ihre Militärmanöver in Grenznähe intensiviert. Truppenbewegungen finden auf russischer Seite offenkundig statt, sie werden auch nicht bestritten. Im Internet zu findende Filme dazu sind aber weder konkreten Orten zuzuordnen, noch müssen sie vor kurzem entstanden sein. Ein Clip zum Beispiel zeigte zu patriotischen Liedern (»Vaterland, wenn du rufst, sind wir bereit«) Marschkolonnen von Militär-Lkw mit angehängten Geschützen, allerdings inmitten einer Landschaft mit Bäumen voller Raureif. Die Bilder dürften also aus dem Winter stammen. Umgekehrt veröffentlichte das ukrainische Armeekommando mit dröhnender Metalmusik unterlegte Bilder von Panzermanövern, die allerdings inmitten dichter Wälder und damit eher nicht in Frontnähe entstanden sind. Denn dort gibt es kaum Wald.

Dienen diese Bilder der Stimmungsmache für die breitere Öffentlichkeit, so sind die eigentlichen Manöver auf beiden Seiten offenkundig auf das Fachpublikum der gegnerischen Stabsoffiziere kalkuliert. So zählte die zur Mediengruppe des US-Propagandasenders Radio Liberty gehörende Seite Krim Realii vor etwa zwei Wochen auf, was das russische Militär auf der Krim trainiere: Luftlandeoperationen auf Flugplätzen und Landemanöver von See, außerdem habe die Schwarzmeerflotte kürzlich erstmals ein Übungsschießen mit Marschflugkörpern des Typs »Kalibr« von zwei U-Booten aus im Schwarzen Meer durchgeführt. Taktische Besonderheit: Die Feuerleitung sei über einen neuen Typ von Hubschrauber gelaufen, was die Zielgenauigkeit erheblich erhöht habe. So jedenfalls ukrainische Militärs, die das Portal zitierte. Unbestätigt blieben dagegen ukrainische Meldungen, wonach Russland Landungsschiffe der Nordmeerflotte ins Schwarze Meer verlegt habe. Sie sind auch wenig plausibel. Denn die Schiffe müssten ja nicht nur die von der NATO kontrollierten Meerengen von Gibraltar, Dardanellen und Bosporus passieren, auch wäre zweifelhaft, ob sie überhaupt benötigt würden. Schließlich besitzt die Schwarzmeerflotte eine eigene Landungsdivision der Marineinfanterie, die auch entsprechende Schiffe zur Verfügung hat.

Das ganze ist auf russischer Seite sicherlich eine doppelte Demonstration: erstens die Ukraine vor jedem Versuch zu warnen, die Krim zurückerobern zu wollen, und zweitens ein Szenario vorzuführen, was passieren könnte, wenn Kiew den Befehl zum Angriff auf die »Volksrepubliken« des Donbass geben sollte. Denn noch ist Russland in der Region zu Lande und zu Wasser der Ukraine weit überlegen, und eine eventuelle Landeoperation im Gebiet Odessa wäre militärisch vermutlich durchaus zu realisieren.

Dagegen setzt die Ukraine ihre Manöver im Süden des Landes an der Grenze zur Krim. Geprobt werden sowohl das Salvenschießen mit Raketenwerfern als auch die Abwehr von »Diversions- und Terrorakten«, also genau jenen Manövern im Hinterland des Gegners, auf die sich das russische Militär vorbereitet hat. Ebenso demonstrativ hat die Ukraine am Montag Reservisten der Territorialverteidigung in den südlichen Bezirken entlang der Schwarzmeerküste mobilisiert: dort, wo ein russischer Angriff zu erwarten wäre. Gegen die russische See- und Luftherrschaft im Schwarzen Meer hat die Ukraine unterdessen angeblich ein Mittel gefunden: die in ihren Rüstungsbetrieben entwickelten Land-See-Marschflugkörper des Typs »Neptun«. Nach Militärangaben aus Kiew haben sie eine Reichweite von 280 Kilometern. Einstweilen werden die Raketen nur zu Übungszwecken eingesetzt. Über den Zeitpunkt ihrer Einführung bei der Truppe wurden keine Angaben gemacht.

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