Gegründet 1947 Montag, 12. April 2021, Nr. 84
Die junge Welt wird von 2500 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 01.04.2021, Seite 15 / Medien
Arbeitskampf

Entschlossen gegen Funke-Pläne

Kampf um Druckzentrum in Erfurt-Bindersleben geht weiter
Von Raphaël Schmeller
imago0061232766h.jpg
Weiter von Schließung bedroht: Druckhaus der Funke-Tochter ZGT Zeitungsgruppe Thüringen in Erfurt

Die Belegschaft und Verdi lassen nicht locker. Mit einer Mahnwache protestierten sie am vergangenen Sonntag gegen die geplante Schließung des Erfurter Druckzentrums. »Wir geben nicht auf, wir wollen weiter Druck aufbauen«, sagte Jan Schulze-Husmann, zuständiger Tarifsekretär von Verdi, am Mittwoch im Gespräch mit jW. Der Funke-Mediengruppe schmeckt das nicht. Sie will das Druckhaus in Erfurt-Bindersleben bis Ende 2021 dichtmachen, die 270 Drucker vor die Tür setzen – und zwar möglichst geräuschlos.

Zumindest das aber wird dem Medienkonzern nicht gelingen. Denn für die kommenden Wochen hat Verdi bereits mehrere Aktionen geplant. Am 10. April soll eine große Demonstration in der Erfurter Innenstadt stattfinden. Zudem wurden für den kompletten Monat sonntägliche Mahnwachen angekündigt. »Auch bei den Erste-Mai-Kundgebungen in Thüringen wollen wir die Schließung zum Thema machen«, erklärte Schulze-Husmann.

Der Gewerkschafter will aufzeigen, was es bedeutet, wenn das Druckhaus schließen müsste. Durch frühere Andruckzeiten würden beispielsweise Zeitungen an Aktualität einbüßen, was schnell negative Auswirkungen auf die Qualität der Blätter hätte. Und außerdem: Thüringen würde das erste Bundesland ohne eigene Zeitungsdruckerei sein – eine aus medienpolitischer Sicht traurige Premiere. Verdi fordert deshalb weiterhin: Funke muss die Schließungspläne zurücknehmen.

Sozialplanverhandlungen gibt es bis dato noch nicht. »Doch die Vorstellungen zwischen dem Funke-Konzern und der Belegschaft liegen bereits jetzt weit auseinander«, so Schulze-Husmann. Für Verdi gehe es nun darum, die kommenden Gespräche mit Protesten zu flankieren, um der Geschäftsführung die Entschlossenheit der Beschäftigten aufzuzeigen. »Die Stimmung in der Belegschaft ist gut, die Kollegen sind kampfesmutig und aktionsbereit«, bekräftigte der Verdi-Sekretär.

Nach anfänglichem Zögern hat sich nun auch die Landesregierung klar für die Drucker positioniert. Ein Einlenken der Funke-Mediengruppe konnte sie jedoch nicht erreichen. »Die Politik wollte wirklich helfen«, sagte Schulze-Husmann. »Doch dieser Fall zeigt leider, wer hier die Macht hat, das Kapital besitzt.«

Klar ist: In Erfurt-Bindersleben wird der Druck auf die Funke-Chefetage in den kommenden Wochen noch einmal zunehmen. Dass es zu Streiks kommt, ist nicht auszuschließen. Schulze-Husmann ist entschlossen: »Die Profite werden in Thüringen erwirtschaftet und in Essen entgegengenommen. Wir werden den Konzern nicht einfach so davonkommen lassen.«

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

Unverbindlich und kostenlos lässt sich die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) probelesen. Abbestellen nicht nötig, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

Mehr aus: Medien