Gegründet 1947 Dienstag, 13. April 2021, Nr. 85
Die junge Welt wird von 2500 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 01.04.2021, Seite 8 / Ansichten

Börsenflop des Tages: Deliveroo

Von Raphaël Schmeller
Essenszusteller_Deli_62302072.jpg
Schuften für die Bosse: Fahrradkuriere von Deliveroo

Das ging aber gründlich in die Hose. Beim Börsendebüt von Deliveroo am Mittwoch stürzten die Aktien des britischen Essenslieferanten in den Keller. Der schon im Vorfeld auf 3,90 Pfund (4,58 Euro) pro Wertpapier gesenkte Ausgabepreis fiel zeitweise um satte 30 Prozent. Der Grund für dieses Debakel? Eine Einheitsfront von Spekulanten und Arbeitern. Klingt absurd, ist aber so. Denn wie mehrere Medien bereits Anfang der Woche berichteten, wollten Investmentfonds und einige der größten Vermögensverwalter Großbritanniens beim Börsengang von Deliveroo nicht mitmachen. Warum? »Weil der Umgang des Unternehmens mit seinen Kurieren nicht ihren verantwortungsvollen Investmentgepflogenheiten entspreche«, schrieb dpa.

Und tatsächlich: Die Grenzen zwischen Großkapital und Gewerkschaften verschwimmen – zumindest rhetorisch. Deliveroo behandele die Mitarbeiter »hauptsächlich als verfügbares Vermögen – was genau das Gegenteil eines nachhaltigen Geschäftsmodells ist«, sagte beispielsweise ein Sprecher des sich als »verantwortlich« bezeichnenden Investmentfonds »Eden Tree« am Montag gegenüber dem Guardian.

Das Gerücht, dass Investoren immer öfter auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung setzen, scheint also wirklich zu stimmen – die Hoffnung lebt wieder! So manche Spaßbremse wird jetzt einwenden, der Deliveroo-Absturz sei lediglich Ausdruck des Aggrowettkampfes zwischen Essenslieferanten um die Marktführerschaft. Und der Konzern müsse überbewertet an die Börse gehen, um im Wettkampf überhaupt bestehen zu können. Solche Behauptungen sind jedoch völlig unbegründet. Die Coronakrise hat ja eindeutig gezeigt: Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit ist längst überwunden – zumindest, was die Profiterwartungen von Vermögensverwaltern angeht. Denn die Leute auf Verschleiß zu verheizen, das geht nicht ewig gut.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

Unverbindlich und kostenlos lässt sich die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) probelesen. Abbestellen nicht nötig, das Probeabo endet automatisch.

Mehr aus: Ansichten