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Aus: Ausgabe vom 12.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Schweinepriester des Tages: Clemens Tönnies

Von Steffen Stierle
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Clemens Tönnies macht noch mit dem kleinsten Stück vom Schwein Gewinn

Das ist mal ein Jubiläum: Die Tönnies Holding – Deutschlands größte Schweine(schlachte)rei – wird 50! Schon die seinerzeit visionäre Idee von Unternehmensgründer Bernd Tönnies erwärmt noch heute die Herzen: Nicht nur Schlachter wollte er sein, sondern Vermarkter aller Teile eines Tierkörpers. Das Geburtstagsfest nahm Sohnemann, Geschäftsführer und Miteigentümer Clemens am Donnerstag zum Anlass, die Aufmerksamkeit endlich mal wieder auf das Kerngeschäft zu lenken: die Tierquälerei.

Die vielen Millionen Schweine, die jährlich bei Tönnies eingepfercht und abgemurkst werden, waren vor lauter Engagement zugunsten menschlichen Leids in den Hintergrund geraten: sexuelle Belästigungen weiblicher Beschäftigter, einschließlich verheimlichter Schwangerschaften durch Vorarbeiter. Der Rassismusskandal im Rahmen von Clemens’ früherer Aufsichtsratstätigkeit bei Schalke 04. Und dann auch noch diese Sache mit den Werkverträgen, den unmenschlichen Behausungen für Billiglöhner und den ganzen Coronainfektionen. Immer stand der Mensch im Mittelpunkt, die armen Schweine sind aus dem Blick geraten.

Damit das nicht so bleibt, hat Tönnies nun eine Lanze für die Massentierhaltung gebrochen. Beim Tierwohl gehe es schließlich darum, wie es einem Schwein in seiner Bucht geht, »und nicht wie viele Buchten es in dem Stall« gibt, so der Firmenerbe. »Diese Romantik« müsse einfach aufhören. Vielleicht hilft ja die jüngste Schadensersatzklage gegen Tierschützer, den verdammten Romantikern endlich das Maul zu stopfen. Und überhaupt, wenn die Schweine bessere Bedingungen bekommen sollen, müsse der Staat »fairerweise« dafür blechen. Wer sonst soll die Kosten tragen? Der Millionenerbe und heutige Milliardär Clemens Tönnies etwa? Wohl kaum!

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Debatte

  • Beitrag von Herbert K. aus D. (11. März 2021 um 23:17 Uhr)
    Herr Clemens Tönnies ist nicht Sohn, sondern Bruder von Bernd Tönnies.

    H. Köhler, Dortmund

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