Onlineabo Frieden & Journalismus
Gegründet 1947 Dienstag, 2. März 2021, Nr. 51
Die junge Welt wird von 2466 GenossInnen herausgegeben
Onlineabo Frieden & Journalismus Onlineabo Frieden & Journalismus
Onlineabo Frieden & Journalismus
Aus: Ausgabe vom 22.01.2021, Seite 5 / Inland
Klima und Landwirtschaft

Radikale Umkehr nötig

Internationale Grüne Woche in Berlin: Umweltbündnis legt »Kritischen Agrarbericht« vor
Von Gudrun Giese
Gruene_Woche_68018512.jpg
Findet pandemiebedingt nur digital statt: Die »Internationale Grüne Woche 2021«

Anlässlich der sogenannten Internationalen Grünen Woche, die 2021 wegen der Coronapandemie an zwei Tagen im digitalen Format stattfindet, präsentierte der Verein »Agrarbündnis« den diesjährigen »Kritischen Agrarbericht«. Unter dem Titel »Welt im Fieber – Klima und Wandel« zeigt er die Folgen von Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft auf das Klima auf.

»Der Handlungsbedarf ist enorm, denn die Temperaturkurven kennen nur eine Richtung – nach oben«, sagte einleitend Frieder Thomas, Sprecher des Bündnisses. Dass vor allem die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union radikal anders ausgerichtet werden müsse als bisher, führten alle Teilnehmer der digitalen Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Berichts aus. Dieser bestätige vieles, was schon länger bekannt sei, aber noch zuwenig von der Politik berücksichtigt werde, so Myriam Rapior von der BUND-Jugend. »Die herkömmliche Art der Landnutzung, die auf größtmögliche Erträge ausgerichtet ist, muss dringend verändert werden.« Dabei gebe es viele Möglichkeiten zum Gegensteuern, damit die Übernutzung der Böden ebenso aufhöre wie das immer schnellere Artensterben. Eine zentrale Stellschraube für eine Neuausrichtung der europäischen Landwirtschaft sei die Verteilung der Finanzmittel für diesen Sektor.

Statt den Großteil der Agrarsubventionen nach Flächengrößen auszuzahlen, müssten viel stärker Aspekte des Natur- und Tierschutzes bei der Verteilung der Mittel eine Rolle spielen, betonte Phillip Brändle von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft. »Der größte Teil der Subventionen aus Brüssel landet bei wenigen, vorwiegend sehr großen Betrieben.« Kleine und mittlere Bauernhöfe müssten aus wirtschaftlicher Not immer häufiger aufgeben. Aufgabe der künftigen GAP sei es deshalb, kleineren Betrieben eine Perspektive zu bieten: Sie sollten mit einer auf Arten- und Tierschutz ausgerichteten Bewirtschaftung ihrer Höfe Geld verdienen können. Erste Ansätze für eine Honorierung klimaschützender Landwirtschaft durch die EU gebe es in Gestalt von Ökoregelungen, aber die Mittel seien begrenzt. »Das ist verkehrt. Es muss sehr viel mehr Geld in eine Landwirtschaft fließen, die etwa auf Weidehaltung und eine ökologisch sinnvolle Fruchtfolge beim Ackerbau setzt«, so Brändle. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) solle zeigen, dass sie es ernst meine mit dem von ihr behaupteten Systemwechsel in der Landwirtschaft.

Antje Kölling vom Bioanbauverband Demeter verwies auf das wachsende Interesse vieler Menschen an Tierschutz und gesunder Ernährung. So hätten Befragungen ergeben, dass 90 Prozent der Deutschen ab und zu Bioprodukte kaufen würden. Mit der Pandemie sei das Interesse an Biogemüse und anderem deutlich gestiegen. »Gefragt ist auch die Kommunalpolitik, die dafür sorgen könnte, dass in Kantinen und öffentlichen Einrichtungen mehr regional erzeugte Biokost auf den Tisch kommt«, sagte sie. Ein Vorbild sei in dieser Hinsicht Kopenhagen, wo ein Umsteuern gelungen sei – und das ohne sonderlichen Kostenanstieg.

Das Fleischproduktionssystem in Deutschland und Europa sei komplett an die Wand gefahren, stellte Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund fest. Es setze auf Masse und nicht auf Qualität. »Bedauerlicherweise ist in der Politik immer noch die Sichtweise verbreitet, dass Tierschutz ein Kostentreiber sei.« Hier gelte es, mit Blick auf den Klimaschutz dringend umzusteuern. »Statt weiter auf industrielle Erzeugung und Agrarexporte zu setzen, muss die regionale Erzeugung und Vermarktung gefördert werden.« Konsum und Produktion von tierischen Produkten seien erheblich zu reduzieren. Auch Schröder kritisierte Klöckner, die politisch zwar für den Tierschutz zuständig, aber in dieser Funktion nicht sichtbar sei. Ihre öffentlichkeitswirksame Ankündigung, das Töten männlicher Küken zu beenden habe letztlich nur unterstrichen, dass sie das System Massentierhaltung überhaupt nicht hinterfrage.

Für Frieden & Journalismus!

Die junge Welt benennt klar, wer imperialistische Kriege vorbereitet und wer zum Weltfrieden beiträgt.

Mit einem Onlineabo unterstützen Sie unsere Berichterstattung, denn professioneller Journalismus kostet Geld.

Für Frieden & Journalismus! Jetzt das Onlineabo bestellen