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Aus: Ausgabe vom 15.01.2021, Seite 5 / Inland
Folgen der Pandemie

Wirtschaftsleistung bricht ein

Corona stürzt Bundesrepublik in Konjunkturkrise. Erstmals Haushaltsdefizit seit 2011
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Im Gesamtjahr 2020 sanken die Exporte der BRD preisbereinigt um 9,9 Prozent

Deutschland ist im Coronajahr 2020 in eine der schwersten Konjunkturkrisen der Nachkriegszeit gestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach im vergangenen Jahr um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand einer ersten Schätzung mitteilte. Stärker war die Wirtschaftsleistung nur während der globalen Finanzkrise 2009 geschrumpft, als das BIP um 5,7 Prozent sank. Erstmals seit 2011 verzeichnete Deutschland im Gesamtjahr wieder ein Haushaltsdefizit. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen gaben nach Angaben der Wiesbadener Behörde im vergangenen Jahr 158,2 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnahmen. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag das Defizit bei 4,8 Prozent. Das war das zweithöchste Defizit seit dem Anschluss der DDR, nur übertroffen vom Rekordminus des Jahres 1995, in dem die Schulden der »Treuhand« in den Staatshaushalt übernommen wurden.

Auch die Einnahmen des Staates sanken in der Coronakrise. Das Steueraufkommen verringerte sich deutlich um acht Prozent, auch weil die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr gesenkt wurde, um den privaten Konsum anzukurbeln. Zugleich stiegen die staatlichen Ausgaben unter anderem durch milliardenschwere Hilfspakete. Im März und April 2020 hatten infolge der Pandemie Teile der deutschen Wirtschaft faktisch stillgestanden. Ähnlich verhielt es sich in vielen anderen großen Volkswirtschaften, Grenzen wurden zeitweise geschlossen, Lieferketten brachen zusammen. Im Gesamtjahr sanken die Exporte (minus 9,9 Prozent) und die Importe von Waren und Dienstleistungen (minus 8,6 Prozent preisbereinigt). Die deutschen Agrarausfuhren etwa haben 2020 laut einer Prognose der Exportorganisation GEFA stark abgenommen. Demnach verkaufte die BRD im vergangenen Jahr Agrarprodukte, Lebensmittel und Landtechnik im Wert von 78,4 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 2,3 Prozent weniger als 2019.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte am Donnerstag, er sei dennoch insgesamt überzeugt, dass 2021 das »Wachstum deutlich und spürbar sein wird«. Es werde wegen der zweiten Coronawelle aber vielleicht nicht ganz so stark ausfallen wie ursprünglich erhofft. Eine genaue Prognose gab der CDU-Politiker nicht ab. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion Die Linke, Klaus Ernst, gab jedoch zu bedenken: »Die Durchschnittszahlen des Bruttoinlandsprodukts im Jahre 2020 geben die reale Lage nur unzureichend wieder. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung etwa in den Branchen der Gastronomie, im stationären Handel, im Tourismus ist desaströs.« Auch im verarbeitenden Gewerbe betrage der Rückgang der Wirtschaftsleistung mehr als zehn Prozent. Trotz staatlicher Hilfsmaßnahmen befürchte er eine Vielzahl von Insolvenzen, so Ernst weiter. »Trotz Kurzarbeitergeldes haben die massiven Rückgänge der Einkommen vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu einem Rückgang der privaten Konsumausgaben um sechs Prozent geführt. Eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ist dringend notwendig.« (dpa/jW)

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