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Aus: Ausgabe vom 13.01.2021, Seite 6 / Ausland
Leugnung von Kriegsverbrechen

Gegenerinnerung unter Beschuss

Sri Lanka: Proteste nach Zerstörung von für Tamilen wichtigem Mullivaikkal-Denkmal in Jaffna
Von Susheela Mahendran
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Verletzte Zivilisten in der Nähe von Mullivaikkal im Norden von Sri Lanka am 28. April 2009

In Sri Lanka hat die Zerstörung eines Denkmals für während des Bürgerkriegs ermordete Tamilen Proteste ausgelöst. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion war am Freitag abend damit begonnen worden, das Mullivaikkal-Monument an der Universität von Jaffna abzureißen. Studierende sowie Anwohner versuchten, die Zerstörung zu verhindern – letztlich jedoch ohne Erfolg, zu groß war die Militärpräsenz. Mindestens zwei Studierende wurden verhaftet.

Die singhalesisch-nationalistische SLPP-Regierung versucht, die Erinnerung an die während des Konflikts von 1983 bis 2009 zwischen militanten tamilischen Gruppen – darunter die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) – und dem srilankischen Staat von Regierungskräften begangenen Kriegsverbrechen zu verhindern. Das Mullivaikkal-Denkmal war im Februar 2019 von Studierenden in Jaffna eingeweiht worden und erinnert an die tamilischen Opfer eines Massakers im Jahr 2009, von dem einige von ihnen persönlich betroffen waren. In dem Dorf Mullivaikkal im Nordosten der Insel wurden laut Schätzungen 40.000 Zivilisten von Regierungstruppen getötet, nachdem die Armee zuvor etwa 300.000 Tamilen in die »No Fire Zone« getrieben hatte. Angeordnet worden war die Aktion vom damaligen Präsidenten und heutigen Premierminister Mahinda Rajapaksa sowie seinem Bruder, dem damaligen Verteidigungsminister und jetzigen Präsidenten Gotabaya Rajapaksa.

Zwar endete der Bürgerkrieg, dem schätzungsweise zwischen 150.000 und 200.000 Tamilen zum Opfer fielen, offiziell mit der Tötung des Rebellenchefs Velupillai Prabhakaran am 18. Mai 2009. Die Zerstörung des Mullivaikal-Denkmals zeigt jedoch, dass der Konflikt noch lange nicht vorbei ist. So twitterte der ultranationalistische Minister für öffentliche Sicherheit, Sarath Weerasekara: »Niemandem wird und sollte es erlaubt sein, toter Terroristen einer verbotenen Organisation unter dem Deckmantel der Erinnerung an unschuldige Zivilisten zu gedenken und Zwietracht zu säen.«

Bis heute leugnet der srilankische Staat die begangenen Kriegsverbrechen, zerstört tamilische Gedenkstätten und errichtet statt dessen triumphierende singhalesische Kriegsdenkmäler in tamilisch dominierten Gebieten. Untersuchungen der Vereinten Nationen belegen, dass die Regierungsseite Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschheit verübte. Statt vor Gericht gestellt zu werden, sitzen die Verantwortlichen in Machtpositionen. Eine unabhängige Untersuchung des Genozids wurde noch immer nicht angestrengt.

In einem am Sonntag beim Nachrichtenportal Tamil Guardian veröffentlichten Brief der Studierendenvereinigung der Jaffna-Universität wird die Zerstörung des Mullivaikkal-Denkmals als »Beleidigung nicht nur der Universitätsstudenten, sondern auch des gesamten tamilischen Volkes« bezeichnet, dem das »Recht auf Erinnerung« verweigert werde. Am Montag protestierten Ladeninhaber sowie Betreiber des privaten Transportwesens im Norden und Osten der Insel mit der Einstellung ihrer Aktivitäten, einem sogenannten Hartal-Streik. Unterstützt wurde dieser von Gewerkschaften und Parteien in den tamilischsprachigen Regionen des Landes. Auch international löste die Zerstörung des Denkmals Proteste aus, unter anderem in England, Kanada und Deutschland gab es Kundgebungen.

Am Montag morgen versicherte der Vizekanzler der Jaffna-Universität, Sivakolundu Srisatkunarajah, das Denkmal wieder aufbauen zu wollen. Mit großem Getue wurde der Grundstein gelegt, woraufhin mehrere Studierende ihren am Sonnabend begonnenen Hungerstreik beendeten. Wenig später erklärte Srisatkunarajah jedoch, ein »Friedensdenkmal« anstelle des ursprünglichen Monuments errichten zu wollen. Von einigen wird die Grundsteinlegung daher als Farce bezeichnet, mit der den Protesten der Wind aus den Segeln genommen werden sollte.

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