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Aus: Ausgabe vom 12.01.2021, Seite 16 / Sport
Biathlon

Und die Sonne lacht dazu

Beim Biathlonweltcup in Oberhof dominieren mal wieder die norwegischen Athleten
Von Gabriel Kuhn
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Oberhofs Bürgermeister Thomas Schulz durfte aufatmen. Anfang Januar hatte er anlässlich der anstehenden Weltcupwettbewerbe im Biathlon vor einem Massenansturm auf den Thüringer Wintersportort gewarnt. Rechtzeitig zum Beginn der Wettbewerbe am 8. Januar willigten der Landkreis und das Thüringer Innenministerium dann ein: Oberhof wurde für Tagestouristen und Durchreisende gesperrt. Dem Biathlonweltcup unter Einhaltung der Coronabestimmungen stand nichts mehr im Wege.

Oberhof ist eines der beiden Zentren des deutschen Biathlonsports. Ruhpolding in den Chiemgauer Alpen ist das andere. In normalen Weltcupwintern veranstalten beide Orte Wettbewerbe vor Tausenden begeisterter Fans. Doch dies ist kein normaler Weltcupwinter. Nicht nur müssen die Fans zu Hause bleiben, die Internationale Biathlonunion reduzierte auch die Anzahl der Veranstaltungsorte. Für Deutschland blieb nur einer, dafür mit zwei Wettkampfwochen.

Eine heikle Situation. Das Verhältnis zwischen Oberhof und Ruhpolding wird von Insidern schon mal als »Burgfrieden« bezeichnet. Der Deutsche Skiverband bemüht sich um Einheit, doch die Rivalität ist offenkundig. Dass es in Deutschland zwei Biathlonzentren gibt, ist ein Produkt der deutschen Teilung. Oberhof war ab 1958 Elitestandort der Biathleten in der DDR. Das Biathlonleistungszentrum Ruhpolding wurde 1978 gegründet. Bis heute gibt es zwei Trainingsgruppen, eine in Oberhof und eine in Ruhpolding. Wenn der Konflikt eskaliert, knallt es. Im Jahr 2008 weigerte sich der in Ruhpolding trainierende dreifache Olympiasieger Michael Greis gar, an Lehrgängen unter der Leitung des in Oberhof stationierten Bundestrainers Frank Ullrich teilzunehmen. Erst nach langem Hickhack konnten die Funktionäre des Skiverbandes die Lage beruhigen.

Die zwei Weltcupwochen 2021 gingen an Oberhof. Grund sind die dort 2023 stattfindenden Weltmeisterschaften. Der Weltcup gilt als notwendiger Testlauf. Das sah man, zähneknirschend, auch in Ruhpolding ein.

Während der ersten Wettkampfwoche präsentierte sich Oberhof von seiner besten Seite. Am Sonntag schien in der für ihren Nebel berüchtigten Arena am Rennstein sogar die Sonne. Den deutschen Biathleten half das wenig. In den Mixed-Wettbewerben sprang für sie kein Podestplatz heraus. Die Staffel belegte einen enttäuschenden fünften Platz, und im Single-Mixed landete das Duo Janina Hettich und Erik Lesser auf Rang vier. In den Einzelrennen an den Tagen zuvor war man noch weiter vom Podest entfernt gewesen. Arnd Pfeiffer erzielte als Zehnter in der Verfolgung die beste Plazierung bei den Herren. Bei den Damen schaute nicht mehr als der 14. Platz von Franziska Preuß im Sprint heraus.

Die Ergebnisse entsprechen einer Saison, in der das deutsche Team bisher nicht überzeugt. Zwar gab es ein paar Ausreißer nach oben, vor allem Pfeiffers Sieg beim Massenstart in Hochfilzen und Denise Herrmanns zweiten Platz beim Auftaktrennen über die Langdistanz in Kontiolahti, doch im allgemeinen sind Spitzenplazierungen rar. In der Weltcupgesamtwertung ist Preuß als bestplazierte Deutsche siebente. Bei den Herren liegt Benedikt Doll auf Rang elf.

Der Weltcup ist im Moment fest in norwegischer Hand. In der Gesamtwertung der Herren führt Vorjahressieger Johannes Thingnes Boe vor Sturla Holm Laegreid, Johannes Dale und Tarjei Boe. Bei den Damen liegt Marte Olsbu Roeiseland vor Tiril Eckhoff.

In Oberhof untermauerten die Norweger ihre Vormachtstellung. Eckhoff gewann bei den Damen sowohl den Sprint als auch die Verfolgung. Bei den Herren gab es gleich zwei norwegische Dreifachsiege: Im Sprint lag Johannes Thingnes Bø vor Tarjei Bø und Sturla Holm Lægreid, in der Verfolgung Lægreid vor Tarjei Bø und Johannes Dale. Nur in den Mixed-Rennen reichte es nicht für norwegische Siege. In der Staffel spurtete Eduard Latypow aus Russland nach einer famosen Schlussrunde Lægreid nieder, während Johannes Thingnes Bø und Tiril Eckhoff im Single-Mixed ihre Chancen am Schießstand vergaben. Es siegte das französische Duo Julia Simon und Émilien Jacquelin.

Am Mittwoch beginnt die zweite Wettkampfwoche in Oberhof mit einem Sprint der Herren.

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