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Aus: Ausgabe vom 02.12.2020, Seite 2 / Inland
Aktionstag für Abrüstung

»Umweltschutz bedeutet Friedenswahrung«

Aktionstag der Initiative »Abrüsten statt aufrüsten« am Sonnabend. Auch Klimabewegung beteiligt sich. Ein Gespräch mit Myriam Rapior
Interview: Franziska Lindner
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Kundgebung im Rahmen des Ostermarsches 2018 in Kassel

An diesem Sonnabend findet der von der Initiative »Abrüsten statt aufrüsten« geplante bundesweite Aktionstag für Abrüstung und eine neue Entspannungspolitik statt. Was genau soll dort passieren?

Leider sind wir in unserer Aktionsplanung durch die Maßnahmen gegen die Coronapandemie stark eingeschränkt. In 50 Städten in ganz Deutschland werden Protestaktionen unterschiedlicher Art und Größe stattfinden. Auf der Webpräsenz ­Abruesten.jetzt kann jede und jeder nach Städten in ihrer bzw. seiner Nähe suchen. Alle sind dazu eingeladen, mitzumachen und eine eigene Aktionsform, egal ob Infostand, Mahnwache oder Kundgebung, anzumelden.

In Berlin werden wir um 13.30 Uhr eine Auftaktkundgebung mit einigen Reden, zum Beispiel vom DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann und vom Vorsitzenden der Naturfreunde, Michael Müller, veranstalten. Anschließend umkreisen wir den Bundestag mit einer Menschenkette und mit Bändern, wobei wir den Coronaabstand einhalten.

Warum sollten sich die Menschen für das Thema Abrüstung interessieren?

In den derzeitigen Haushaltsdebatten manifestiert die deutsche Politik ihre Rückwärtsgewandtheit. Das ist aus Sicht meiner Generation völlig inakzeptabel und nicht zukunftsfähig. Die globale Klimakrise zerstört die Lebensgrundlage von vielen Millionen Menschen, die tagtäglich Sorgen um ihr Auskommen haben. Konflikte drohen militärisch zu eskalieren, Verteilungskämpfe um immer knappere Ressourcen könnten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führen. Wenn die Folgen des Klimawandels noch spürbarer werden, werden sich humanitäre Krisen verschärfen.

Es stellt sich die Frage, wie wir miteinander auf diesem Planeten leben wollen: Möchten wir unsere nationalstaatlichen Grenzen bis aufs Blut verteidigen, oder sorgen wir für globale Klimagerechtigkeit? So sind auch die Zeichen bei den aktuellen Beratungen über den Bundeshaushalt 2021 zu verstehen: Investieren wir in die soziale und ökologische Ausrichtung unserer Gesellschaft oder vermehrt in militärische Aus- und Aufrüstung?

Für die Beantwortung dieser Fragen scheint es notwendig, die Klimabewegung mit der Friedensbewegung zu verknüpfen.

Ja, die Klimakrise und Umweltkatastrophen sind unmittelbar mit gesellschaftlichen Konflikten verbunden. Umweltschutz bedeutet Friedenswahrung! Es geht bei »Fridays for Future« und anderen Gruppen auch um das Stichwort Klimagerechtigkeit. Statt eine Politik des Aufrüstens zu verfolgen, sollten die Ursachen bewaffneter Konflikte beseitigt werden, zum Beispiel durch die Prävention von Naturkatastrophen. Es reicht nicht aus, Themen wie Sicherheit, Migration, Umweltschutz und wirtschaftliche Entwicklung separat zu betrachten. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für unsere Gesellschaft und internationale Probleme.

Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die internationales Gegeneinander und nationalen Egoismus priorisiert. Aktive Friedens- und Umweltpolitik sieht anders aus. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung die Rüstungsausgaben nicht erhöht und statt dessen die notwendigen Mittel für die soziale und ökologische Ausrichtung unserer Gesellschaft zur Verfügung stellt. Ich demonstriere am 5. Dezember, damit unsere Regierung ihrer Verantwortung für konsequenten Klimaschutz und Friedenswahrung gerecht wird.

Viele Aktivisten der Klimabewegung sind sehr jung. In der Friedensbewegung dominieren dagegen ältere Menschen das Bild. Warum interessiert das Thema Krieg und Frieden so wenig Jüngere?

Für viele junge Menschen ist Frieden selbstverständlich. Ich bin 24 Jahre alt und in vier verschiedenen Ländern aufgewachsen, darunter in Ägypten und in Russland. Nie hatte ich Angst vor gewaltsamen Konflikten, daher ist Krieg unvorstellbar. Friedensarbeit wird als nicht relevant wahrgenommen, da die Vorstellung absurd scheint, sich inmitten eines Kriegs zu befinden. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass meine Generation eine gewaltsame Eskalation nicht zulassen würde, auch wegen persönlicher Verbindungen von vielen Menschen rund um den gesamten Erdball.

Myriam Rapior ist im Bundesvorstand der BUND-Jugend und jüngstes Mitglied der »Zukunftskommission Landwirtschaft«. Als Umweltaktivistin vertritt sie »Fridays for Future« im Arbeitsausschuss der Initiative »Abrüsten statt aufrüsten«

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