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Aus: Ausgabe vom 30.11.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Künstler am Ball

Zu jW vom 27.11.: »Hasta siempre, Diego!«

Der schwedische Fußballstar Zlatan Ibrahimovic schreibt in seiner Biographie: »Du kannst einen Typen aus dem Ghetto holen, aber nicht das Ghetto aus dem Typen.« Er meint sich selbst und seine Jugend im Malmöer Problemviertel Rosengård. Worüber Soziologen sich in dicken Büchern auslassen, das hat Ibrahimovic damit auf den Punkt gebracht. Auch George Best, einstiger Star von Manchester United und König unter den Dribblern, war in dieser Beziehung wie Ibrahimovic. Best starb am 25. November 2005 mit 59 (…). Am 25. November 2020 verlässt ein weiterer überragender Kicker das irdische Fußballfeld: Diego Armando Maradona. Er war wie Best ein Künstler am Ball, der seinerzeit in Mexiko die englischen Gegenspieler düpierte und sie wie Fahnenstangen stehenließ. Und einer, der sich nicht abfinden konnte mit den Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Er war ein Freund Fidel Castros, der 2016 ebenfalls am 25. November verstarb. Maradona war keiner dieser durchgestylten Jüngelchen, die brav abgedroschene Phrasen ins Mikro brabbeln. Heute hat man oft den Eindruck, Fußball wird mehr und mehr wie am Kickertisch verstanden. Das wollen uns zumindest die Statistik- und Taktikfetischisten glauben machen: Alles ist berechenbar, alles vorhersehbar, Spieler haben ihre taktische Position zu halten und werden von einer Hand (Trainer) exakt geführt. Sie dürfen sich mal etwas nach rechts oder links bewegen, mehr nicht! Maradona, Best, Ibrahimovic – sie sind Beispiele dafür, dass das nicht stimmen muss. Und sie zeigen uns auch, dass das Leben kein Tischfußball ist, es findet ebenfalls auf dem Platz statt. Es ist auch im Leben nicht alles berechenbar und vorhersehbar, mag uns das auch noch so oft erzählt werden. Und so darfst du ruhig mal zu einem Dribbling ansetzen, auch wenn am Spielfeldrand alles schreit: »Gib den Ball ab!« Adios, Diego!

Schorsch Raacke, per E-Mail

Mit Mühe überlebt

Zu jW vom 21./22.11.: »Wochenende«

Eine kleine Ergänzung zur Zigarettenreplik von Sepp Fernstaub sei gestattet: Die Sorte »Salem rot« waren runde und »gelb« waren ovale Stäbchen. »Karo« war auch eine zu acht Pfennig pro Stück. Man konnte sogar Zigaretten einzeln kaufen, die dann beim Händler in Papiertütchen umgefüllt wurden. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre hatten wir Zehnt- und Elftklässler an unserer EOS (bürgerlich: Gymnasium) in Cottbus Besuche aus unserer Partnerschule aus Montreuil bei Paris. Für die Jungs war die »Karo« die »beste Zigarette Deutschlands«, weil sie die Lungen auf französische Art ordentlich beanspruchte. Noch eine Petitesse, Herr Korrektör: Die billigste Sorte war nicht »Karo«, sondern »Muck« zum Vorzugspreis (für junge Rauchereleven) von sechs Pfennig pro Stück. Also nach der Abgabe von Papier, Gläsern und Lumpen bei Sero durchaus erschwinglich, zumal auch in Zehnerpackung erhältlich und am Automaten zu ziehen. Das ersparte den mitunter komplizierten Gang zu einem Tabakwarenhändler, bei dem gegebenenfalls Dispute über das Alter der Kunden fällig waren und der Verkaufsakt nicht zustande kam. Schließlich war es im Vor-Jugendweihe-Alter ratsam, sich als praktizierendes Räuchermännlein vor den Erwachsenen zu verstecken, wohingegen heute die Zwölfjährigen den »Alten« schon öffentlich was husten. Ja, so war das in der Unrechts- bzw. Schreckensdiktatur, die wir mit Mühe überlebt haben.

Wolfgang Kroschel, Cottbus

Gegen Umwelt und Frieden

Zu jW vom 23.11.: »Grüne beschließen neues Grundsatzprogramm«

Die Grünen sind also für »konsequenten Klimaschutz, ökologisches Wirtschaften sowie soziale Gerechtigkeit«. Dabei haben sie sich von den genannten Werten und noch viel mehr aus ihrem Gründungsprogramm seit ihrer Regierungsbeteiligung 1998 konsequent verabschiedet. So dem Anspruch, eine »Friedenspartei« zu sein. Wie ließ sich der NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 mit der Ermordung unschuldiger Menschen, darunter zahlreicher Kinder, überhaupt rechtfertigen? War es ökologisch, Uranmunition zu verwenden und Raffinerien und andere petrochemische Anlagen zu zerstören (…)? Ist es ökologisch, Frackinggas aus den USA zu importieren? (…) Wo sehen die Wähler der Grünen hier einen ökologischen Ansatz? Wo sehen sie überhaupt Klimaschutz bei dieser Partei? Es gibt keinen wirkungsvolleren Klimakiller als die Rüstungsindustrie. Deren Förderung haben sich die Grünen in den letzten 20 Jahren konsequent verschrieben. Es gab keinen Krieg nach 1999, von Afghanistan bis Syrien, für den die Grünen nicht gestimmt haben. Und schließlich: Was hat die Partei während ihrer Regierungsbeteiligung von 1998 bis 2005 für die soziale Gerechtigkeit getan? Wo sind soziale Ansätze konkret in ihrem Programm zur erneuten Regierungsbeteiligung zu erkennen? Grün ist bei dieser Partei nur noch die Farbe ihrer Werbung.

Olivera und Peter Götz, per E-Mail

Tun, was wirklich zählt

Zu jW vom 13.11.: »Zitat des Tages«

»Armee und Gesellschaft dürfen sich in einer Demokratie niemals fremd werden«, sagt Frank-Walter Steinmeier. (…) Was hätte dazu zum Beispiel früher die Friedensbewegung mit im Westen Hunderttausenden Demonstrationsteilnehmern gesagt? Was ein Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen? Was Steinmeiers indirekter Vorgänger als Bundespräsident, Gustav Heinemann, der nach Konrad Adenauers Bundeswehr-Coup den Mut aufbrachte, dessen Kabinett und CDU zu verlassen, bevor er über die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) zur SPD fand? Was mein Vater, der jedes Mitführen von »Spielzeugpistolen« bei Mitschülern zum Anlass nahm, diese über die Ursache seiner Beinprothese aufzuklären? (…) Was sagen aber auch biedere Steuerzahler, die leise ahnen, dass wir das Geld im Kontext ernsthafter Probleme dringend brauchen (…)? Umgekehrt wird ein Schuh draus, Herr Bundespräsident! Je mehr sich weltweit Gesellschaften und die leider noch immer zuhauf bestehenden Nostalgiearmeen fremd werden, desto eher besteht die Chance auf Abrüstung. Machen wir, was wirklich zählt!

Bernhard May, Solingen

Je mehr sich weltweit Gesellschaften und die leider noch immer zuhauf bestehenden Nostalgiearmeen fremd werden, desto eher besteht die Chance auf Abrüstung.

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