Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Sa. / So., 16. / 17. Januar 2021, Nr. 13
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 30.11.2020, Seite 7 / Ausland
Tod von Fachrisadeh

Iranischer Atomphysiker ermordet

Teheran sieht Urheber des Attentats in Israel und USA, will jedoch weiter auf Diplomatie setzen
56.JPG
Der Ort des Attentats außerhalb von Teheran am Freitag

Nach dem Attentat auf den iranischen Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh will der Iran an seinem bisherigen Kurs festhalten. Am Sonntag erklärte Ali Rabiei, ein Sprecher der Regierung in Teheran, das Land werde weiter auf Diplomatie setzen. »In diese Falle sollten wir definitiv nicht tappen«, sagte Rabiei laut dem Nachrichtenportal Alef. Während der Atomgespräche zwischen 2005 und 2015 gab es demnach ebenfalls Anschläge auf iranische Kernphysiker. Aber auch damals wurden die Verhandlungen fortgesetzt und nicht wegen der Attacken aufgegeben.

Fachrisadeh war am Freitag bei einem gezielten Anschlag in einem Vorort der Hauptstadt Teheran getötet worden. Irans Präsident Hassan Rohani beschuldigte Israel, mit dem Attentat »Chaos« stiften zu wollen. Die Vereinigten Staaten seien mit Israel »als Söldner« für den Tod Fachrisadehs verantwortlich, erklärte Rohani am Sonnabend auf seiner offiziellen Website. Wieder einmal seien ihre »Hände mit dem Blut eines Sohnes dieser Nation befleckt«.

Neben Rohani hatte bereits am Freitag der Außenminister der Islamischen Republik, Mohammed Dschawad Sarif, Israel eine Mitverantwortung an dem Tod von Fachrisadeh gegeben. Die New York Times berichtete am Wochenende, ein US-Beamter und zwei weitere Geheimdienstmitarbeiter hätten bestätigt, dass Tel Aviv hinter dem Angriff stehe. Weitere Details seien jedoch nicht genannt worden. In den vergangenen Jahren waren bereits mehrere Atomwissenschaftler im Iran ermordet worden. Teheran machte Israel für die Tötungen verantwortlich.

Präsident Rohani will eine Eskalation in der Region vor dem Amtsantritt des gewählten US-Präsidenten Jospeh Biden am 20. Januar 2021 vermeiden. Dabei geht es Teheran insbesondere um eine eventuelle Rückkehr Bidens zum Wiener Atomabkommen von 2015 und ein Ende der US-Sanktionen, die den Iran in die schlimmste Wirtschaftskrise seiner Geschichte gestürzt haben. Derweil forderten die iranischen »Revolutionsgarden« (IRGC) Rache und drohten besonders mit Anschlägen gegen israelische Ziele. »Der kriminelle Feind wird diese Tat nicht bereuen, solange wir keine konsequente Reaktion zeigen«, sagte der Parlamentspräsident und ehemalige IRGC-Kommandeur Mohammed Bagher Ghalibaf am Sonnabend.

Teheran erklärt immer wieder, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Mit dem 2015 geschlossenen internationalen Abkommen über das iranische Atomprogramm sollte sichergestellt werden, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. Unter US-Präsident Donald Trump traten die USA jedoch 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und gingen zu einer Politik des »maximalen Drucks« über.

Derweil hat UN-Generalsekretär António Guterres Zurückhaltung angemahnt. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte UN-Sprecher Farhan Haq der Deutschen Presseagentur am Freitag (Ortszeit) in New York mit. »Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten.« Zuvor hatte der iranische UN-Botschafter Madschid Tacht-Rawanchi in einem Schreiben an Guterres erklärt, es gebe »schwerwiegende Hinweise« dafür, dass Israel für die Tötung von Fachrisadeh verantwortlich sei. (AFP/dpa/jW)

Teste die Beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Peter Richartz: Neuester Staatsterror Wenn eine so eindeutig gestörte Persönlichkeit wie Donald Trump den Kommentar eines israelischen Journalisten über die Ermordung des iranischen Atomphysikers Mohsen Fachrisadeh kommentarlos an die Wel...

Ähnliche:

  • Kritischer Blick auf seinen Chef – weil der ihm nicht kriegstrei...
    19.09.2020

    Ehrlicher Falke

    Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater John Bolton rechnet in einem Enthüllungsbuch mit dem US-Präsidenten ab. Ein Blick auf den Autor zeigt: Hier schreibt ein enttäuschter Reaktionär
  • Desinfektion der Straßen im syrischen Kamischli, um die Verbreit...
    03.04.2020

    Syrien weiter unter Druck

    Waffenstillstand hält weitgehend. UNO warnt vor humanitären Folgen einer Covid-19-Pandemie
  • Israelische Soldaten auf den annektierten Golanhöhen am Montag
    30.03.2019

    Griff nach dem Golan

    Widersprüchliche Berichte zu Angriffen auf Syrien. Streit im UN-Sicherheitsrat wegen Trumps Dekret

Mehr aus: Ausland