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Aus: Ausgabe vom 30.11.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Geopolitik

Die Nuss wird härter

NATO tut sich schwer, Russlands gestärkte Position im Schwarzen Meer zu kontern
Von Reinhard Lauterbach
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Maritime Parade russischer Schiffe im Hafen von Sewastopol (Juli 2020)

Kein Zweifel, Russland hat 2014 mit dem Beitritt der Krim zur Russischen Föderation seine strategische Situation im Südwesten entscheidend verbessert. Zunächst in defensiver Hinsicht: Die Halbinsel in westlicher Hand hätte die russische Schwarzmeerküste mitsamt dem wichtigen Seehafen Noworossijsk bedroht und kaum noch Verteidigungsoptionen übriggelassen. Und sie hätte, aus russischer Perspektive, auch die Möglichkeit von Luft- und Raketenangriffen auf das Wolgabecken erleichtert. Sekundär besteht die Verbesserung darin, dass Russland durch den Ausbau seiner militärischen Positionen auf der Krim die Reichweite seiner »Zugangsverweigerungsoptionen« für den Westen um mehrere hundert Kilometer nach Westen verschieben konnte. Antischiffsraketen des Typs »Onyx« mit einer Reichweite von 300 Kilometern sind nach Einschätzung von US-Experten geeignet, von Stützpunkten an der Westküste der Krim die ukrainischen Häfen von Mikolajiw und Odessa im Konfliktfall militärisch unbrauchbar zu machen. Das gilt auch umgekehrt, so dass Russland auf der Krim auch starke Flug- und Raketenabwehrtruppen stationiert hat.

Im Vergleich dazu fällt der Ausbau der Schwarzmeerflotte in den vergangenen Jahren fast noch weniger ins Gewicht. Sie war 2014 auf etwa 35 auslauffähige Schiffe geschrumpft, inzwischen wurde sie merklich verstärkt. Seit 2014 hat die Flotte sechs neue U-Boote, drei Lenkwaffenfregatten und mehrere kleinere Einheiten erhalten, bis 2025 sind weitere Indienststellungen geplant. Das entsprechende Programm war aber keine Folge des Staatsstreichs in der Ukraine, sondern schon 2010 beschlossen worden. Und es macht die Schwarzmeerflotte längst nicht zum vollwertigen Nachfolger des ­sowjetischen Pendants mit seinen 1991 fast 900 Einheiten. Eine im Oktober veröffentlichte Studie des US-Thinktanks Rand Corporation zur Schwarzmeerstrategie der NATO macht ein drastisches Beispiel auf: Selbst wenn alle mit Raketen bewaffneten russischen Schiffe im Schwarzen Meer ihre sämtlichen Marschflugkörper gleichzeitig abfeuerten, wäre ihre Feuerkraft mit 64 Raketen nur unwesentlich größer als die 59 Cruise Missiles, die ein einziger US-Zerstörer 2017 gegen syrische Regierungstruppen auf einen Flughafen abgeschossen hat.

Die US-Autoren haben keinen Zweifel daran, dass das russische Militär in der Schwarzmeerregion keine offensiven Absichten verfolgt. Genau das sei die Chance der NATO, die russische Position im Schwarzen Meer mit Nadelstichen und Provokationen zu schwächen, schreibt einer von ihnen: »Genau weil das russische Verhalten über die letzten 20 Jahre zeigt, dass Russland eine militärische Konfrontation mit der NATO nicht sucht und jedes Szenario zu vermeiden suchen wird, das es zwingen würde, größere Anteile seine Bodentruppen zu engagieren (…) können fortgesetzte und andauernde Demonstrationen des Zusammenhalts der NATO (…) entscheidend sein, um russische Einschüchterungsmanöver in der Region abzuschrecken.«

kurzelinks.de/RandNATO

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