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Aus: Ausgabe vom 02.11.2020, Seite 6 / Ausland
Kolumbien

Angriff auf Indigene

Kolumbien: Anschlag auf oppositionellen Politiker. Aktivisten und ehemalige FARC-Kämpfer protestieren gegen nicht aufhörende Gewalt
Von Julieta Daza, Caracas
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Am 21. Oktober demonstrierten in Bogotá zahlreiche Indigene gegen die Politik des rechten Präsidenten Iván Duque

In Kolumbien nimmt die Gewalt gegen Indigene kein Ende. Am Donnerstag morgen (Ortszeit) wurde ein Anschlag gegen den Senatsabgeordneten der Partei Alternative indigene und soziale Bewegung (MAIS) und Anführer der Nasa-Gemeinde, Feliciano Valencia, verübt. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Valencia, der Angriff sei auf einer Landstraße im Gebiet Toribío erfolgt. Wie die kolumbianische Zeitung El Tiempo am Freitag berichtete, sei von mehreren in Zivil gekleideten bewaffneten Männern versucht worden, das Auto anzuhalten, in dem Valencia unterwegs war. Als er seinen Wagen nicht stoppte, wurde mehrmals auf das Fahrzeug geschossen.

Obwohl die Täter noch nicht bekannt sind, sprachen mehrere rechte Medien voreilig davon, bei dem Ort des Geschehens handele es sich um ein Gebiet mit hoher Präsenz von ehemaligen FARC-EP-Kämpfern (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee). Angesichts der Nichteinhaltung des Friedensabkommens von 2016 durch die Regierung hatten sich diese entgegen der Linie ihrer Partei von der Vereinbarung distanziert.

Zahlreiche Politiker und Organisationen, wie etwa der Senator der progressiven Bewegung Colombia Humana, Gustavo Petro, oder die Abgeordnete der FARC-Partei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común, Victoria Sandino, zeigten sich in den »sozialen Netzwerken« solidarisch mit Valencia. Auch der rechte kolumbianische Präsident Iván Duque hat ein Telefonat mit ihm geführt, und Verteidigungsminister Carlos Holmes sowie der Kommandeur der Streitkräfte, General Fernando Navarro, haben sich mit Valencia im Bundesstaat Cauca getroffen. Valencia seinerseits rief die Regierung dazu auf, die Sicherheit der Menschenrechtsaktivisten und der Indigenen, die sich der als »Minga« bekannten Protestbewegung angeschlossen haben, zu gewährleisten.

Mitte Oktober waren im Rahmen der Minga, eine Bezeichnung der Indigenen für eine gemeinsame Anstrengung, Tausende Mitglieder ihrer Gemeinden von ländlichen Regionen im Süden des Landes in die Hauptstadt Bogotá aufgebrochen, um gegen die zahlreichen Morde und Massaker an Aktivisten und Indigenen zu protestieren. Am 18. Oktober kam der Demonstrationszug in Bogotá an. Ziel der Teilnehmer war ein Treffen mit Duque. Mit der Ausrede, die Demonstranten würden die Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen der Coronapandemie missachten, weigerte sich der Präsident jedoch, mit den Vertretern der Minga zu sprechen.

Am selben Tag teilten Vertreter der FARC-Partei der östlichen Departamentos (Bundesländern) Meta und Guaiviare mit, Mitglieder ihrer Organisation würden sich ebenfalls nach Bogotá begeben, um die Verfolgung gegen die früheren Guerillakämpfer anzuprangern. In einem Kommuniqué nannte die Organisation ihren Protest »Marsch für den Frieden und das Leben« und gab an, dass seit dem Abschluss des Friedensprozesses zwischen der FARC-EP und der Regierung unter Expräsident Juan Manuel Santos Ende 2016 mehr als 230 Exguerilleros ermordet worden sind.

Dem Marsch haben sich seitdem Menschen aus mehrere Regionen angeschlossen. Am Mittwoch sagte der FARC-Abgeordnete Carlos Lozada gegenüber Caracol Radio, die Demonstranten würden von etwa 20 verschiedenen Departamentos aus ihren Zug nach Bogotá starten.

Unterdessen hat die nach dem Friedensprozess größte verbliebene Guerillaorganisation des Landes, die ELN (Nationale Befreiungsarmee), einen schweren Verlust erlitten. Am 25. Oktober verkündete Präsident Duque, dass bei einem Einsatz verschiedener Streitkräfte im Departamento Chocó der ELN-Anführer Andrés Felipe Vanegas, besser bekannt unter seinem Kriegsnamen »Uriel«, getötet worden sei.

Duque präsentierte den Einsatz als einen großen militärischen Erfolg gegen die »Terrororganisation«. Am 28. Oktober veröffentlichte eine der größten Dissidentengruppen der früheren FARC-EP, die Gruppe des »Zweiten Marquetalia«, auf ihrer Website Farc-ep.net ein Beileidsschreiben an die ELN.

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