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Aus: Ausgabe vom 27.10.2020, Seite 8 / Ansichten

Beiläufigkeit des Tages: Kriegsverbrechen

Von Arnold Schölzel
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Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte in Potsdam

Der in Potsdam lehrende Historiker Sönke Neitzel (Foto) kommt in seinem neuen Buch »Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik – eine Militärgeschichte« laut Verlagswerbung zu dem »überraschenden Schluss«: »Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Taskforce Kundus des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben.«

Worin die Überraschung besteht, erläutert die PR-Abteilung nicht. Denn erstens besteht Neitzels Geschäftsidee in der These, von Wilhelms Leuteschindern bis zum heutigen Mörder am Hindukusch bestehe eine gute Tradition. Zweitens hat sich der Charakter der Armee nicht gewandelt: Zwar ballern »wir« vorerst den Weg zum »Platz an der Sonne« nicht mehr nur auf »uns« gestellt frei, aber kein Krieg der Wertegemeinschaft wird ohne »uns« angezettelt. Zur schönen Kontinuität zählt Neitzel offenbar auch Verbrechen. Rezensentin Julia Encke nannte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jedenfalls drei »erstaunliche und erschütternde Enthüllungen«, die von ihm »fast beiläufig erwähnt werden«.

Es geht erstens um Berichte von US-Soldaten, die Bundeswehrangehörigen »nonchalant davon berichteten, wie sie gefangene Taliban exekutierten«. Zweitens gebe es (manchmal) Differenzen in deutschen Stäben über das Vorgehen der US-Armee in Afghanistan. Aber Neitzel beruhigt: »Wenn bei Operationen der amerikanischen Spezialkräfte Zivilisten auch mal im dreistelligen Bereich umkamen, nahm man das hin.« Drittens: Laut Neitzel sei weitgehend unbekannt, »dass inoffiziell schon seit 1991 rund 200–300 Bundeswehrsoldaten als Freiwillige im jugoslawischen Bürgerkrieg kämpften.« Von Vorgesetzten gedeckt. Welch Überraschung. Neitzel kommt übrigens bei jedem Kriegsverbrechen ohne Belege aus. Er hat ja einen deutschen Lehrstuhl, das reicht hierzulande.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (27. Oktober 2020 um 08:55 Uhr)
    Herr Neitzel hat seit vielen Jahren klargestellt, dass das Töten vieler Menschen mit Drohnen ein Verbrechen ist. Bei dieser Gelegenheit: Bitte lassen Sie Ihre üblen Aussagen! Herr Neitzel ist auf keinen Fall eine Person, die man auf bescheuerte Weise kleinredet.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roger Schwerdt: Üble Aussagen? Mitnichten! Torsten Andreas Scharmann schreibt in einem Onlinekommentar: »Herr Neitzel hat seit vielen Jahren klargestellt, dass das Töten vieler Menschen mit Drohnen ein Verbrechen ist. Bei dieser Gelegenheit: B...

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