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Aus: Ausgabe vom 14.10.2020, Seite 7 / Ausland
Syrien

Feuer in Syrien

Nachdem im Sommer gezielt Weizenfelder im Nordosten angezündet wurden, brennt es nun im Nordwesten des Landes
Von Karin Leukefeld, Hama
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Feuerwehrleute versuchen Brände in Safita zu löschen (Samstag)

Wieder brennt es in Syrien. Nach Feuern, die im Sommer im Nordosten des Landes große Weizenanbauflächen vernichtet haben, und Feuern in den Wäldern der Provinz Hama brennt es nun im grünen Band des Küstengebirges, dem wasser- und pflanzenreichsten Gebiet Syriens.

Die Weizenfelder im Nordosten wurden im Sommer von den Gegnern Syriens gezielt angezündet, die Ursache der jetzigen Brände in der Küstenregion ist noch unklar. Ein auf der Videoplattform Youtube kursierender Film zeigt, wie Männer in Uniform Feuer legen, im Hintergrund ist ein martialisches, hasserfülltes Kampflied zu hören, berichtet ein Betroffener der Autorin, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Verdacht auf Brandstiftung

Eine Gruppe, die sich 123. Bataillon nenne, habe die Verantwortung für die Feuer übernommen, allerdings sei ihm nicht klar, wer sich hinter dem Namen verberge, sagt der Mann. Brandstiftung sei sehr wahrscheinlich, weil die derzeit wütenden rund 100 Feuer zur selben Zeit an verschiedenen Orten der Provinzen Tartus und Latakia in der Küstenregion und im Dschebel Ansarija, dem »Berg der Alewiten« bei der Stadt Mascht Al-Helo, ausbrachen.

Syriens Präsident Baschar Al-Assad besuchte am Dienstag verschiedene Orte in der Provinz Latakia, um die Schäden zu begutachten und mit Betroffenen zu sprechen. Begleitet wurde der Staatschef von den Ministern für Lokalverwaltung, Landwirtschaft sowie vom Gouverneur der Provinz Latakia. Der Bevölkerung wurden rasche Hilfen und Unterstützung für die Wiederaufforstung zugesagt. Das Ministerium für Binnenhandel und Verbraucherschutz rief zusammen mit der Föderation der Handelskammern in Syrien eine Spendenkampagne aus. Innerhalb kurzer Zeit waren nach Angaben des Ministeriums bereits 400 Millionen Syrische Pfund zusammengekommen, umgerechnet etwa 167.000 Euro.

Brandstiftung hatte bereits einen Monat zuvor große Waldgebiete bei Masjaf in der Provinz Hama und oberhalb der Ebene Al-Ghab zerstört. Al-Ghab ist eines der landwirtschaftlich fruchtbarsten Gebiete Syriens, das sich in den Provinzen Hama und Idlib entlang des Orontes-Flusses nach Norden erstreckt und um den Ort Dschisr Al-Schughur noch von den Dschihadisten der Haiat Tahrir Al-Scham (HTS) und anderen Regierungsgegnern kontrolliert wird.

Schwierige Wiederaufforstung

Kilometerweit ziehen sich oberhalb der Ebene Al-Ghab schwarze Flecken, die von den großen Feuern übriggeblieben sind. Hier und in den Wäldern von Masjaf wüteten die Feuer sieben Tage lang, berichtet Abd Al-Moneim Sabbagh der Autorin Mitte September in Hama. Sabbagh leitet die Niederlassung des Landwirtschaftsministeriums in Hama, das sowohl für Hama als auch für die sich östlich anschließende Provinz Rakka zuständig ist. Abd Al-Moein Astif, der Leiter der Forstbehörde, und er seien mit ihren Mitarbeitern Tag und Nacht vor Ort gewesen, um die Feuer zu bekämpfen, erzählt Sabbagh: »Das ist unsere Aufgabe, in so einer Situation müssen wir ganze vorne mit den anderen sein, um unsere Wälder und unsere Landwirtschaft zu retten.« Hilfe kam von der Lokalbevölkerung, dem syrischen Zivilschutz und der Armee, resümiert Sabbagh, der ebenso wie der Forstbeamte Astif auf die Fragen der Autorin präzise und überlegt antwortet. »Die Armee hat mit Hubschraubern Wasser aus nahegelegenen Seen und Dämmen geschöpft und über den Brandherden verteilt. Auch der Iran hat mit Löschflugzeugen geholfen.«

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung seien einige Personen festgenommen worden, Staatsanwaltschaft und Polizei untersuchten den Fall. »Doch der Schaden ist geschehen«, sagt ­Astif. »Während des Krieges haben wir durch Kämpfe, Bombardierungen und durch wilden Baumschlag schon soviel Baumbestand verloren …«, beklagt der promovierte Forstingenieur, der seit vielen Jahren auch mit der FAO, der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, zusammenarbeitet. Die Bäume seien »von allen Seiten gefällt« worden, so Astif. »Die einen brauchten Holz zum Heizen, die anderen brauchten das Holz, um es weiterzuverkaufen.«

Bis zu 50 Prozent ihres Baumbestandes habe die Provinz Hama verloren, schätzen die beiden Ingenieure. Mit den Feuern im September seien auch die Wiederaufforstungsprojekte zerstört worden.

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