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Aus: Ausgabe vom 14.10.2020, Seite 2 / Inland
Gentrifizierung

Spekulant schickt Schlägertrupp

Eskalation an der Liebigstraße 34 in Berlin: »Sicherheitsdienst« bedroht Passanten. Polizei leitet Strafverfahren ein
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Einer der in der Liebigstraße in Berlin-Friedrichshain tätigen »Sicherheitsleute« am Montag abend

Vier Personen, die offenbar einem privaten »Sicherheitsdienst« angehören, haben am Montag abend vor dem Haus in der Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain Passanten tätlich bedroht. Dort war in der vergangenen Woche das 30 Jahre lang bestehende linke Hausprojekt geräumt worden. Die Männer waren mit Brecheisen, Metallstangen und Schaufeln bewaffnet und reagierten äußerst aggressiv auf eine Frau, die um 22.15 Uhr in Gedenken an das Projekt eine Kerze angezündet hatte. Beamte waren zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. »Unter den Opfern war auch eine Gruppe von sehr jungen Leuten, die offenbar mindestens einen Schock erlitten«, erklärten Augenzeugen auf de.indymedia.org. Eine größere Gruppe stellte sich anschließend den teils mit gelben Warnwesten bekleideten »Sicherheitsleuten« in den Weg. Körperlich verletzt wurde während des Vorfalls offenbar niemand. Gegen die vier Männer im Alter von 20 bis 55 Jahren sei ein Strafverfahren wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung eingeleitet worden, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Seit der Räumung der »Liebig 34« am Freitag steht das fünfgeschossige Gebäude leer, ist mit Bauzäunen abgesperrt und hat keine Fenster mehr. Die Hundertschaften der Polizei, die bis Sonnabend vor Ort waren, sind abgezogen. Seit Montag morgen sind Zivilisten in dem Haus tätig. Die »Sicherheitsfirma« wurde offenbar vom Besitzer der Immobilie, dem Spekulanten Gijora Padovicz, engagiert. Nachfragen bei der Unternehmensgruppe Padovicz, einem Firmengeflecht mit Sitz am Kurfürstendamm, sind nicht möglich – sie verfügt weder über eine Website mit Kontaktdaten noch ist das Telefon unter der angegebenen Nummer funktionstüchtig. Die Geschäftspraktiken des Unternehmers sind seit vielen Jahren berüchtigt. »Wohnraumvernichter« wird er von »Padowatch«-Aktivisten, die ein kritisches Blog zu dem Unternehmen führen, genannt: »Padovicz steht symbolisch für einen Teil der Immobilieneigentümer, die auf dem momentan desaströsen Wohnungsmarkt aus der Angst vor Obdachlosigkeit Profit schlagen.«

Nachdem am Donnerstag morgen mehrere Straßenzüge in Berlin-Friedrichshain von einem Großaufgebot der Polizei abgesperrt worden waren, wurde die »Liebig 34« am Freitag morgen geräumt, 57 Menschen einzeln aus dem Haus geführt. Im Umfeld gab es Solidaritätskundgebungen und am Abend in Berlin-Mitte teils gewalttätige Auseinandersetzungen. Pressevertreter berichteten oft verzerrt bis unzutreffend von der Räumung. So stellte Miriam Krekel, Chefredakteurin der B. Z., die zuvor von der Polizei widerlegte Behauptung auf, in dem Haus seien »gefährliche Fallen installiert« worden. Der Journalist Jan Fleischhauer und der Chefredakteur der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit, Dieter Stein, löschten Fotos aus ihren Twitter-Accounts, die nach deren Angaben das Innere des Hauses zeigen sollten. Die Bilder wurden allerdings nicht in Berlin aufgenommen. (jW)

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Debatte

  • Beitrag von Matthias M. aus H. (14. Oktober 2020 um 02:43 Uhr)
    Armutszeugnis für eine Presse, deren Fake News offenbar von der Polizei selbst richtiggestellt werden – und die ist eigentlich unverdächtig, gegenüber den Besetzern übermäßige Sympathie zu hegen ...

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