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Aus: Ausgabe vom 01.10.2020, Seite 1 / Inland
Warnstreiks und Proteste

Klinikpersonal appelliert an Minister

Beschäftigte im Gesundheitswesen im Ausstand. Konferenz von Bund und Ländern berät Maßnahmen
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Für den Zahltag: Demonstration von Beschäftigten am Mittwoch in Berlin

Während draußen die Beschäftigten an den Berliner Kliniken Charité und Vivantes sowie an vielen anderen Standorten bundesweit streikten und für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine sozial gerechte Krankenversorgung demonstrierten, kamen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern per Videoschalte zu Beratungen über die Auswirkungen der Coronapandemie auf das Gesundheitswesen sowie über weitere Eindämmungsmaßnahmen zusammen.

Insgesamt 300 Personen aus Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen haben nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi anlässlich der bis nach jW-Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossenen Gesundheitsministerkonferenz (GMK) auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Aufgrund geltender Hygienebestimmungen waren demnach 12.500 Klinikbeschäftigte aus ganz Deutschland zusätzlich in Form von Fotos auf Transparenten präsent.

»Die Kolleginnen und Kollegen haben so deutlich gemacht, was sie von den verantwortlichen Politikern erwarten: dass sie die Lehren aus den Erfahrungen während der Pandemie ziehen und das Gesundheitswesen fit machen für die Zukunft«, erklärte Sylvia Bühler, im Verdi-Bundesvorstand für jenen Sektor zuständig, laut einer Mitteilung der Gewerkschaft vom Mittwoch. Zentral dafür seien bedarfsgerechte Personalvorgaben. Dafür gebe es jedoch bis heute keine gesetzlichen Standards, die eine »bedarfsgerechte Versorgung« gewährleisten würden, so Bühler.

Die GMK-Vorsitzende Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin in Berlin, sagte den Beschäftigten am Mittwoch, dass die Pandemie gezeigt habe, wie schnell sich Einsparungen hier rächen könnten. Laut dpa sagte eine Verdi-Sprecherin, viele Beschäftigte hätten »Wut im Bauch«. Die Politik rede zwar schon länger über Verbesserungen, müsse aber endlich grundlegende Änderungen anpacken. Gewerkschaftsvertreter wie Demonstranten forderten unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, mehr Geld und Personal sowie ein neues System der Krankenhausfinanzierung. An die Minister wurde eine Petition mit Unterschriften von 12.000 Beschäftigten übergeben. (dpa/jW)

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