Die XXVI. RLK-Konferenz findet statt
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Aus: Ausgabe vom 22.09.2020, Seite 11 / Feuilleton
Musik

Und wo bleibt Farid Bang?

Handys und Dreivierteltöne: Die hervorragenden »Arabic Music Days« scheitern am Publikum
Von Maximilian Schäffer
Pierre Bouley Saal
Musiklandschaft für ältere Musikfans: Der Pierre-Boulez-Saal in Berlin

Ein Blick auf die deutschen Singlecharts legt nahe, dass orientalische Folklore für den Großteil der Bevölkerung grundsätzlich zugänglicher ist als das überwiegende Repertoire der europäischen Kunstmusik. Alleine der erfolgreichste Künstler dieser Zeiten, Capital Bra, lässt sich wiederholt von der phrygisch-dominanten Tonleiter inspirieren. Dreivierteltöne und Maqam-Skalen sind auch für die Produzenten von Rappern wie Kurdo oder Farid Bang kein Fremdwort; so manche Hookline ließe sich problemlos für den nächsten Popstar im Libanon recyceln.

Daher war es schade, aber nicht weiter überraschend, dass die vierten »Arabic Music Days« im Pierre-Boulez-Saal zu Berlin kein besonders jugendliches Publikum anzogen, trotz des infektionsschutzbedingt verringerten Platzangebots nicht einmal ausverkauft waren. Das Klassikpublikum ist bekanntlich überaltert, geschmäcklerisch bequem und wenig am unerschöpflichen Facettenreichtum der internationalen Musiklandschaft nach der Spätromantik interessiert. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass mit Naseer Shamma einer der größten lebenden Oudvirtuosen auftrat und zwei Stühle weiter Ashraf Sharif Khan saß, der – auch im Crossover mit elektronischer Tanzmusik aktiv – zu den aktuell interessantesten Sitarspielern weltweit zählt. Am Donnerstag spielte das von Shamma zusammengestellte Ensemble folkloristisch inspirierte Eigenkompositionen mit deutlichem Augenmerk auf viel Spielraum für ausgedehnte Soli der anwesenden Virtuosen. Sehr dumme Zuschauer quittierten die Leistung der Musiker mit dauernden Versuchen, das Geschehen mit ihren Handys mitzufilmen, schlauere Menschen tanzten sitzend und gaben nach Abschluss analoge Standing Ovations.

Weiteres Highlight war das Freitagskonzert des syrischen Sängers und Komponisten Bachar Zarkan Al-Farekh, dessen ausgedehnte, komplexe Lieder klassische arabischsprachige Lyrik vertonen. Ohne ein Wort zu verstehen, und ohne in exotistischen Phantasien von tausend und einer Nacht zu schwelgen, waren Schmerz, Leid, Liebe und Sehnsucht auch für deutsche Ohren zu hören und empathisch nachvollziehbar. Laute Gefühlsausbrüche und leise Schwelgereien wurden von vielschichtigen Arrangements, spannenden Hinleitungen zu überraschenden Taktwechseln und nicht zuletzt einer phantastischen Gruppe von Instrumentalisten unter der Leitung von Louai Alhenawi getragen. Wieder waren die Handymitschnitte und Beifallsbekundungen während knapp anderthalb Stunden Darbietung zahlreich.

Weniger gelungen als die hervorragenden Konzerte war der pandemiebedingte Versuch einer Onlineausstellung mit Malerei und Film, die, wie das gesamte Festival, ebenso von Naseer Shamma kuratiert worden war. Besonders bei großformatigen Kunstobjekten, die durch ihre Materialität und Farbigkeit wirken, ist eine Slideshow im Internet Ausdruck guten Willens, aber sinnlos.

Hinsichtlich des nächsten Jahres wäre eine Kooperation mit einem der oben genannten Popstars aus Deutschland ein zuverlässiges Mittel gegen spärlich gefüllte Ränge und betagtes Publikum. Hinsichtlich des Handyverbots bei den »Arabic Music Days« ist eine solche Empfehlung jedoch mit Vorsicht zu verstehen.

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