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Aus: Ausgabe vom 06.07.2020, Seite 15 / Politisches Buch
Pandemie und Krise

Pandemie der Milliardäre

Sonderheft der Marxistischen Blätter zur Coronakrise
Von Arnold Schölzel
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Köche bereiten außerhalb eines Restaurants in Beijing Essen vor (29.5.2020)

Die Beiträge des neuen Heftes der Zweimonatszeitschrift Marxistische Blätter seien »Momentaufnahmen« der Pandemiesituation, schreibt Redakteur Lothar Geisler im Editorial. Unter dem Titel: »Zur Lage der arbeitenden Klasse in der (Corona-)Krise« äußern sich fast 40 Wissenschaftler, Journalisten, Gewerkschafter und Politiker aus zahlreichen Ländern zu ökonomischen, juristischen, wissenschaftlichen und historischen Fragen – Stand Mitte Mai 2020. Enstanden ist so ein 200-Seiten-Buch im Heft-Format, Vergleichbares existiert gegenwärtig nicht. Hier können nur einzelne Aspekte des grob in drei Teile gegliederten Inhalts herausgegriffen werden.

Erstens: Internationalität. Autorinnen und Autoren aus Österreich, den USA, Indien, Brasilien und Argentinien berichten über die Lage in ihren Ländern, hinzu kommen Beiträge über Südostasien (Stefan Kühner) und Russland (Christian Müller). Im Zentrum vieler Texte steht aber China – sowohl die dort ergriffenen Maßnahmen (Francesco Maringiò) als auch die Kampagne des Westens gegen das Land, in der die »Systemfrage« (Hans Modrow) aufgeworfen wird. Weitere Artikel zeigen, dass die Bevölkerung in China, Vietnam und Kuba, aber auch im indischen Bundesstaat Kerala unter sozialistischen Vorzeichen besser gegen das Virus geschützt werden konnte als in anderen Staaten. Hans-Peter Brenner ergänzt das mit einem Rückblick auf die Errichtung des sowjetischen Gesundheitssystems unmittelbar nach der Oktoberrevolution.

Besonders drastisch: Glen Ford aus den USA zitiert einen Bericht vom 14. Mai, wonach es dort eine zweite Pandemie gebe – die der Milliardäre. Ihr Vermögen sei um 368,8 Milliarden US-Dollar oder 12,51 Prozent gestiegen, seit die Arbeitslosigkeit am 18. März sprunghaft angestiegen war. Ford schildert eine exzessive Anhäufung von Reichtum trotz zunächst sinkender Börsenkurse, wobei »Tesla-Mogul Elon Musk mit 3,5 Milliarden Dollar an der Spitze lag«. Kapitalkonzentration und Anwachsen von Monopolmacht als Krisenfolge lassen sich im Trump-Land mit Händen greifen.

Zweitens: Das Zusammenspiel von staatlichen Maßnahmen und Wirtschaftskrise. Lucas Zeise formuliert, der verordnete Stillstand »ist der Grund für die Wirtschaftskrise«. Zwar habe sich die Weltwirtschaft seit Mitte 2018 auf dem Weg in die Rezession befunden, das hohe Wachstum in China habe nachgelassen, aber die Überproduktionskrise habe eine andere Qualität als »der Schock durch die Coronaabwehrmaßnahmen«. Conrad Schuhler, der sich zur »Weltwirtschaft auf der Intensivstation« äußert, hebt hervor, dass die Bundesrepublik mit dem Umfang ihres Konjunkturprogramms – mehr als ein Drittel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts – an der Spitze aller Länder steht. Mehrere Autoren betonen, dass es Ziel des deutschen Kapitals ist, seine Vormacht in der EU auszubauen.

Drittens: Was tun? Dazu werden zahlreiche Fragen erörtert – vom Sinn eines bedingungslosen Grundeinkommens (Anne Rieger: Keiner) bis zur Forderung nach Widerstand statt Einsicht bei Verdi, wenn es um die Verbesserung der Lage feiberuflicher Kunstschaffender geht (Rolf Becker). Werner Rügemer beleuchtet die Entwicklung der Klassenkämpfe in der Krise. Die Herrschenden wollen die erreichten Vorteile ausbauen, »die Reaktionen der abhängig Beschäftigten sind schwach«.

Zusammengefasst: Das Heft bietet Fakten und Analysen in einer Breite, die woanders nicht zu finden ist. Sehr empfehlenswert.

Marxistische Blätter, Sonderheft, 204 Seiten, 12,50 Euro. Bezug: Neue Impulse Verlag, Hoffnungstraße 18, 45127 Essen, Telefon: 02 01/23 67 57, E-Mail: info@neue-impulse-verlag.de

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