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Aus: Ausgabe vom 17.06.2020, Seite 10 / Feuilleton

Pohl, Panse

Von Jegor Jublimov
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Die Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« in Potsdam, 9.11.2013

Im ersten Defa-Jahrzehnt zählte Artur Pohl, der am Montag vor 50 Jahren mit 70 starb, zu den führenden künstlerischen Mitarbeitern des Spielfilmstudios. Nach »Freies Land« (1946) von Milo Harbich war Pohls Regiedebüt »Die Brücke« 1949 der zweite Defa-Film, der die Problematik der Umsiedler thematisierte. Besondere Verdienste erwarb Pohl durch Bearbeitungen von Stoffen norddeutscher Autoren wie Theodor Fontane, Fritz Reuter und Theodor Storm. Pohl wurde 1900 in Görlitz in ein sozialdemokratisches Elternhaus geboren, gehörte in den 20er Jahren zu den »jungen Wilden«, als er in Darmstadt und Düsseldorf neue Autoren und Theaterformen ausprobierte, und »überwinterte« in der Nazizeit mit Drehbüchern für abenteuerliche Filme.

Sein Hauptwerk »Die Unbesiegbaren« (1953) verknüpft die Geschichte der Sozialdemokratie geschickt mit der persönlichen Situation der Arbeiter im Kaiserreich. Dafür erhielt er einen Nationalpreis. Als es 1956/57 harte Auseinandersetzungen um seinen in der Bundesrepublik angesiedelten Film »Spielbankaffäre« gab, der in der DDR und der BRD in unterschiedlichen Fassungen gestartet wurde, überwarf sich Pohl, der immer in Westberlin wohnte, mit der Defa und arbeitete fortan weit weniger erfolgreich im Westen.

Während in »Die Unbesiegbaren« August Bebel von Karl Paryla verkörpert wurde, war es Jürgen Reuter, der diese Rolle 1986 in dem Mehrteiler »Bebel und Bismarck« übernahm, den Wolf-Dieter Panse für den DFF inszenierte. Der Berliner, der übermorgen vor 90 Jahren geboren wurde und 2013 starb, hatte nach dem Krieg eine solide Ausbildung bei Agnes Windeck an der Schauspielschule des Deutschen Theaters (DT) in Berlin erhalten. Nach wenigen Jahren in der Provinz kehrte Panse ans DT zurück, übernahm hier 1959 seine erste bemerkenswerte Regie bei Friedrich Wolfs »Professor Mamlock«.

Sein Metier wurde aber das Fernsehen. 40 Produktionen in vier Jahrzehnten allein als Regisseur, dazu Arbeiten als Schauspieler, Autor und Hochschullehrer (als Nachfolger von Lothar Bisky war er zu Beginn der 90er Jahre Rektor der Filmhochschule »Konrad Wolf« in Babelsberg). Panse bewältigte ein großes Pensum an Literatur und historischen Themen. Bei seiner Ausbildung nicht verwunderlich, dass er immer klug besetzte. 1979 stellte er den hollywooderfahrenen Curt Bois als Dostojewskis »Idol von Mordassow« in den Mittelpunkt, gruppierte um ihn die erste Garde, etwa die Diseuse Gisela May und den großartigen Ulrich Voß als Ehepaar Moskalew. Auch Klaus-Dieter Klebsch und Otti Planerer als Karl und Jenny Marx im selben Jahr in »Das Komplott« waren eine stimmige Besetzung, und Horst Drinda gewann sich 1978 als »Scharnhorst« neue Anhänger dazu. Panse selbst spielte nie in eigenen Filmen, aber hin und wieder bei Kollegen.

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