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Aus: Ausgabe vom 28.03.2020, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Beispiel für die Welt

2014 bot Fidel Castro den USA Zusammenarbeit gegen Ebola an. Vor wenigen Tagen dankte Brasiliens Expräsident für die Hilfe in der Coronapandemie
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»Die Stunde der Pflicht ist gekommen«: Kubanische Mediziner kommen am 22. März 2020 in Mailand an

Am 17. Oktober 2014 veröffentlichte Fidel Castro einen Text, in dem er u. a. den USA eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie anbot:

Keine einzige Minute hat unser Land gezögert mit seiner Antwort auf die Anfrage der internationalen Organisationen zur Unterstützung im Kampf gegen die brutale, in Westafrika tobende Epidemie.

Genau das hat unser Land immer getan, ohne irgend jemand auszuschließen. Die Regierung hat die entsprechenden Anweisungen gegeben, um rasch medizinisches Personal zu mobilisieren, das seinen Dienst in jener Region des afrikanischen Kontinents leistet und um es zu verstärken. Dem Antrag der Vereinten Nationen wurde ebenfalls schnell entsprochen, wie wir es immer bei der Anforderung einer Zusammenarbeit getan haben.

Jeder denkende Mensch weiß, dass politische Entscheidungen, die Risiken für das Personal, für hochqualifizierte Fachkräfte, mit sich bringen, eine hohe Verantwortung für diejenigen bedeuten, die dazu aufrufen, diese gefährliche Aufgabe zu erfüllen. Das ist noch härter, als Soldaten in den Kampf und sogar in den Tod für eine gerechte politische Sache zu schicken, auch wenn sie das stets als eine Pflicht erfüllten.

Das medizinische Personal, das an jeden beliebigen Punkt in Marsch gesetzt wird, um Leben zu retten, selbst auf das Risiko hin, das eigene zu verlieren, ist das beste Beispiel für Solidarität, die Menschen bieten können, vor allem, wenn sie nicht von irgendeinem materiellen Interesse getrieben sind. Ihre nächsten Familienangehörigen tragen ebenfalls zu dieser Mission bei, als zu dem von ihnen am meisten Geliebten und Bewunderten gehörig. Ein Land, das durch lange Jahre des heldenhaften Kampfes gestählt ist, versteht gut, was hier zum Ausdruck kommt.

Wir alle begreifen, dass das Erfüllen dieser Aufgabe mit der bestmöglichen Vorbereitung und Effizienz auch dem Schutz unserer Bevölkerung und der der Brudervölker der Karibik und Lateinamerikas dienen wird. Es dient dazu, dass sich (Ebola) nicht ausbreitet, nachdem sie leider schon in den USA aufgetaucht ist und sich dort ausbreiten könnte, in einem Land, das so viele Beziehungen im privaten Bereich und Austauschbeziehungen jeder Art mit allen anderen Ländern der Welt unterhält. Wir werden bei dieser Aufgabe gern mit dem US-amerikanischen Personal zusammenarbeiten, und dies nicht auf der Suche nach dem Frieden zwischen beiden Ländern, die über so viele Jahre Feinde gewesen sind, sondern vielmehr für den Frieden in der Welt, ein Ziel, das angestrebt werden kann und sollte. (…)

Die Stunde der Pflicht ist gekommen.

Mit Datum vom 23. März 2020 richtete der frühere Präsident Brasiliens, Luiz Inácio Lula da Silva, einen Brief an Miguel Díaz-Canel, Präsident der Republik Kuba:

Ich schreibe Ihnen, um über die Gefühle zu sprechen, die ich empfand, als ich das Bild kubanischer Ärzte in Italien sah, die den Opfern der Coronaviruspandemie in diesem Land helfen.

Wieder einmal geben die Regierung und das kubanische Volk der Welt ein Beispiel für Solidarität und überwinden alle Hindernisse, seien sie wirtschaftlicher, geographischer oder politischer Natur.

In Krisenmomenten lernen wir die wahrhaft Großen kennen. Und in solchen Stunden steht das Volk dieser Insel vor der Welt wie ein Gigant. Kubas aktive, kämpferische und revolutionäre Solidarität zeigte sich schon früher in verschiedenen Teilen des Planeten – in einer stolzen und souveränen Reaktion auf diejenigen, die versuchen, die Wirtschaftsblockade und politische Isolation durchzusetzen.

Das brasilianische Volk wird ewig dankbar sein für die Vereinbarung, die unser Programm »Mehr Ärzte« (Kuba entsandte seit 2013 im Rahmen dieses Programms Tausende Ärzte in die entlegensten Gebiete Brasiliens. Dessen neuer Präsident Jair Bolsonaro stoppte es im Februar 2019. jW) enthielt, sie ermöglichte eine Zusammenarbeit, die ungezählte Leben gerettet und unsere eigenen Angehörigen der Gesundheitsberufe viel gelehrt hat.

Diese Zusammenarbeit mit dem Volk wurde von einer schäbigen Regierung, die durch eine individualistische und unmenschliche Ideologie verblendet ist, brutal unterbrochen.

In diesen Momenten der Coronaviruskrise, in der unser Volk besonders leidet, erkennt jeder die Lücke, welche die Genossen Ärzte aus Kuba hinterlassen haben.

Ich bitte Sie, lieber Genosse Díaz-Canel, den Kubanern, insbesondere den Wissenschaftlern und Angehörigen der Gesundheitsberufe, die sich in diesem harten Kampf zur Erhaltung von Leben rund um die Welt befinden, die Anerkennung, Bewunderung und Dankbarkeit des brasilianischen Volkes zu übermitteln.

Estaremos juntos, siempre, hasta la victoria. (Wir bleiben vereint, immer, bis zum Sieg.)

Fidel Castro: La hora del deber. Cubadebate, 17. Oktober 2014. Hier zitiert nach: Fidel. Soldado de las Ideas. fidelcastro.cu/es/node/61000

Luiz Inácio Lula da Silva: Brief an Miguel Díaz-Canel. São Bernardo do Campo, 23. März 2020. Zitiert nach: de.granma.cu

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