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Dusan Deak

Klopapier bald auf Rezept?

Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts und des Instituts für Klopapierforschung droht eine Klopapier-Kaufzwang-Pandemie. Die Erkrankung macht keine sozialen oder religiösen Unterschiede und steht vermutlich in einem näher nicht geklärten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Das gleichzeitige Auftreten von beiden kann aber auch rein zufällig sein.

Es scheint, als müssten Erkrankte, die mehrere Rollen Klopapier gekauft haben, diese Tätigkeit ohne Unterlass zwanghaft wiederholen. Die Regale sind geleert, der Einzelhandel kann sich vor Bestellungen kaum retten. Für Jahre im voraus gibt es Wartelisten.

Falls man die Lieferung nicht mehr erlebt, wird die Bestellnummer an die Nachkommen vererbt. Gibt es mehrere Erben oder ungeklärte Erbanwartschaften, entscheidet ein kompliziertes Losverfahren. Bei Enterbungen ist der gesetzliche Erbanteil an Klopapier garantiert. Für Minderjährige wird dieser bis zum Erreichen der Volljährigkeit treuhänderisch durch Stiftungen verwaltet.

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Würde man die in diesem März in Deutschland verkauften Rollen ausgerollt nebeneinander legen, könnte man mit der Fläche das gesamte Sonnensystem tapezieren. Oder etwas plastischer: Ausgerollt und zusammengeknüpft würde der Klopapierstreifen eine Gesamtlänge von 27,36 Lichtjahren betragen. Mit dieser Menge könnten 75 bis 76 Generationen deutscher Bürger notdürftig versorgt werden.

Gibt es Klopapier demnächst nur noch auf Rezept? Damit es nicht soweit kommt, unternimmt die deutsche Regierung große Anstrengungen. Die chinesischen Amtskollegen haben in einem beispiellosen Akt internationalen Solidarität zugesichert, die gesamte Industrieproduktion des Landes hochzufahren und auf Klopapier umzustellen, damit keine gefährliche Klopapier-Versorgungslücke in Deutschland entsteht.

In didaktisch hochwertigen Videotutorials wird die Bevölkerung ermutigt, selbst Hand anzulegen und etwa das gebrauchte Klopapier des Nachbarn zu recyceln.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.03.2020, Seite 10, Feuilleton

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