Zum Inhalt der Seite
Deak

Die Gemengelage

Die Gemengelage ergibt Folgendes: Bewaffnete rauben in Hongkong wegen Coronapanik Klopapier. So weit ist es hierzulande noch nicht. Es gibt also in Deutschland keinen Anlass zur Panik. Sollten Sie diesen Satz allerdings dreimal hintereinander von einem Regierungsvertreter hören, lassen Sie alles stehen und liegen, und ergreifen Sie die Flucht. Dann ist es höchste Eisenbahn.

Suchen Sie umgehend (auch gegen den Ratschlag der Gesundheitsbehörden) Ihren Hausarzt auf, und begeben Sie sich direkt in sein Wartezimmer. Dort husten Sie zwei- bis dreimal kräftig in den überfüllten Raum. Nicht in die Armbeuge und auch nicht in die Kniebeuge. Selbst der mutigste akute Herzpatient wird diesem Argument nicht widerstehen können und zügig und geordnet die Räumlichkeiten verlassen.

Falls sich bei der ärztlichen Untersuchung herausstellen sollte, dass Sie noch nicht im Besitz des Coronavirus sind und sich symptomfrei durch eigene Kraft bewegen können, sollten Sie Ihre Katastrophenvorräte unmittelbar ergänzen.

Folgendes sollte der Bürger im Vorratskeller haben:

Anzeige

– 2 bis 3 Europaletten Klopapier

2 bis 3 Tonnen braunen Roh(r)zucker (vorzugsweise bio und fair gehandelt)

1 Waggon Dinkelmehl (Hintermehl 1050, vorzugsweise bio und fair gehandelt)

– einige Wäschekörbe 5.000 Jahre altes Rosa Himalaja-Salz (Mindesthaltbarkeit bis Ende 2020)

– 2 bis 3 Avocados, eine Prise Chiasamen, etwas Amaranth, 1 Päckchen Dr. Oetker Trockenhefe, und falls noch Platz im Keller ist, etwas Ingwer aus der Region

Bei sparsamem Verzehr dürften die Vorräte für einen durchschnittlichen deutschen Singlehaushalt bis zirka Mitte April reichen.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 07.03.2020, Seite 11, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!