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Aus: Ausgabe vom 29.02.2020, Seite 8 / Ansichten

Drohnenpilotin des Tages: Katharina König-Preuss

Von Nico Popp
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Hashtag »manmanmaney«: Katharina König-Preuss im Thüringer Landtag (Erfurt, 29.9.2017)

Irgendwann, es mag etwa zehn Jahre her sein, sind Sound und Gesten der »antideutschen« Szene, die ja, für sich genommen, ziemlich tot ist, in einem Teil der Linkspartei heimisch geworden. Nur eben ohne die linksradikale Pose, die man einst gratis mit dazu bekam, wenn einer oder eine die Ansicht vertrat, die Aufklärung komme dann besonders gut voran, wenn die Machtmittel der USA bzw. des »Westens« ohne Einschränkung zur Geltung kommen. Viele Nachwuchskräfte des rechten Parteiflügels haben gelernt, ihr ordinär liberales Mitmachen hinter »emanzipatorischem« Gequatsche und einer aufdringlich herumgezeigten Parteinahme »für Israel«, das bislang ganz gut ohne sie klarkam, zu verschanzen.

Diese Richtung, die insbesondere in den ostdeutschen Landesverbänden blüht, mag die altvertraute Nörgelei über die vom Imperialismus produzierte Leichenstrecke, die in der PDS und später auch in der Linkspartei lange zum Tagesgeschäft gehörte, nicht mehr länger hinnehmen. Gerade macht sie gegen jene acht Linke-Bundestagsabgeordneten mobil, die am Donnerstag eine Strafanzeige gegen Mitglieder der Bundesregierung wegen »Beihilfe durch Unterlassen zum Mord« im Fall Soleimani (die Datenströme für die US-Drohnen laufen über Ramstein) auf den Weg gebracht hatten.

Eine Kritik von links an dieser Aktion wäre die: Man führt politische Auseinandersetzungen nicht vor Gerichten des bürgerlichen Staates. Da die Linkspartei eine deutsche Partei ist, gibt es selbstverständlich nur eine von rechts. Richtig sauer (Hashtag »manmanmaney«) war die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss, eine bekannte Vorturnerin des harten »emanzipatorischen« Narrensaums. Via Twitter verlangte sie den Kopf – pardon – die »Abwahl von Andrej Hunko« – einer von den acht – »als stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden«. Viele fanden das irre; einer meinte, König-Preuss habe »einen an der Waffel«. Warum eigentlich? Abgeräumt wird, wer im Weg steht: Vom Imperialismus lernen, heißt siegen lernen.

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