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Aus: Ausgabe vom 28.02.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Bolivien

»Ich möchte nur Gerechtigkeit«

Kampf gegen strukturelle Gewalt gegen Frauen in Bolivien. Gespräch mit den Betroffenen Alicia und Mariela
Von Araceli Gómez, La Paz
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Protest gegen Femizide (La Paz am 25.11.2014)

Warum sind Sie, Alicia, nach La Paz gekommen?

Ich suche Gerechtigkeit. 2017 wurde ich von Priester José Mario Paz von der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft IVE, vergewaltigt, sexuell belästigt und bedroht. Inzwischen wurde er nach Argentinien versetzt. Ich habe den Fall der katholischen Kirche und dem Bezirksstaatsanwalt von Santa Cruz gemeldet. Der zuständige Staatsanwalt Clovis Ugarteche lehnte meine Beschwerde ab und weigerte sich, ein entsprechendes Verfahren zur Untersuchung meines Falls einzuleiten.

Wie ist die aktuelle Situation in Ihrem Fall?

Anfang des Jahres habe ich erneut eine Anfrage an das Justizministerium gesendet, um Rechtsschutz und Rechtshilfe vom Staat für meinen Fall zu erhalten. Bisher bekam ich jedoch keine Antwort. Mir ist bewusst, dass eine Aufarbeitung meines Falles für die Vertreter der katholischen Kirche, aber auch für die Wohlhabenden in Chiquitos ein Dorn im Auge ist. Sie versuchen mit aller Macht, mich einzuschüchtern. Ich möchte jedoch nur Gerechtigkeit.

Was bedeutet Gerechtigkeit für Sie?

Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass der Vergewaltiger vor Gericht gestellt wird und seine Haftstrafe verbüßen muss. Es gibt so viele Fälle von Vergewaltigung durch Mitglieder der katholischen Kirche. Häufig trauen sich die betroffenen Frauen, Mädchen und Jungen aber nicht, die Straftaten öffentlich zu machen. Ich hoffe, dass durch meinen Fall viele dieser Menschen ermutigt werden, die Täter anzuprangern, damit sie endlich hinter Gitter kommen. Ich möchte auch, dass der Staat und die Kirche aufhören, diese Verbrecher zu schützen, damit wir schneller Gerechtigkeit erlangen.

Welche Erfahrungen haben Sie, Mariela, in diesen Jahren auf der Suche nach Gerechtigkeit für den Mord an Ihrer Tochter gemacht?

In Bolivien ist es sehr schwierig, für Gerechtigkeit für die Opfer von Femiziden zu kämpfen, insbesondere wegen der teuren Prozesskosten, wegen der ständigen Bedrohungen durch die Täter, der wir als Familien ausgesetzt sind, und aufgrund der leicht korrumpierbaren und langsamen Behörden. Ohne die Hilfe meiner Brüder und einem Darlehen bei der Bank wäre es mir nicht möglich, mit dem Prozess fortzufahren. Als Familie müssen wir Nachweise für die Gewalttaten gegen die Täter erbringen, die Kosten zur Rekonstruktion des Tathergangs sowie Kosten für Anwälte und den eigentlichen Prozess tragen. Auf der anderen Seite kommt es häufig vor, dass Staatsanwälte, Richter, Experten und falsche Zeugen gekauft werden. Als alleinerziehende Mutter bekomme ich auch häufig Kommentare zu hören, wie ich denn ohne meinen Ehemann meine Tochter richtig erziehen konnte. Am schlimmsten ist, dass wir in diesen zwei Jahren und neun Monaten ständige Morddrohungen erhalten haben. Aber wir werden nicht aufgeben.

Alicia (Name von der Redaktion geändert), 38 Jahre alt, arbeitet als katholische Missionarin an verschiedenen Orten in Bolivien. Mariela Murillo, Lehrerin und alleinerziehende Mutter, kämpft um Gerechtigkeit für ihre 2017 vergewaltigte und ermordete Tochter.

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