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Aus: Ausgabe vom 22.02.2020, Seite 2 / Inland
Teures Säbelrasseln

Panzer rollen gen Osten

Drohkulisse gegen Russland: NATO-Manöver »Defender 2020« gestartet
Von Claudia Wangerin
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Schweres Gerät der US-Armee am Freitag in Bremerhaven

Im Zuge des NATO-Großmanövers »Defender 2020« haben die US-Streitkräfte mit der Verlegung von schwerem Gerät nach Europa begonnen. Als erstes von vier Schiffen landete am Donnerstag nachmittag der Frachter »Endurance« (Ausdauer) aus dem US-Bundesstaat Georgia in Bremerhaven an. Bereits in der Nacht rollten die ersten Panzer vom Schiff, das außerdem mit Tankfahrzeugen und Mannschaftswagen beladen war. Die Fracht soll nun auf verschiedene Manövergebiete in Europa verteilt werden. Bis Mai 2020 sollen insgesamt 37.000 Soldatinnen und Soldaten der NATO – davon 20.000 aus den USA – sowie weiteres Kriegsgerät quer durch Europa transportiert werden, um Teil der größten Militärübung seit über 25 Jahren zu sein. Einsatzorte liegen auch in Polen und im Baltikum. Insgesamt nehmen 18 Länder an der mehrmonatigen Übung teil. Die Bundeswehr ist mit rund 1.750 Soldaten dabei – sie soll vor allem für Routenplanung, Absicherung und Begleitung der Truppentransporte, Betankung der Militärfahrzeuge sowie für die IT-Infrastruktur beim Vormarsch nach Osten zuständig sein. Das Bundesverteidigungsministerium hat 177 Millionen Euro für Übungen dieser Art im laufenden Jahr eingeplant; 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Kritik an der Übung wies der Kommandeur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, zurück. Die Übung diene dazu, langfristig militärische Fähigkeiten aufzubauen. Es sei »in der Tat so«, dass Russland »Auslöser dieser Entwicklung« sei, sagte Schelleis am Freitag der Deutschen Presseagentur mit Blick auf die »Annexion der Krim 2014«. »Russland ist aber nicht Anlass für die Übung, militärische Fähigkeiten können nur langfristig wieder aufgebaut und gepflegt werden«, schob der Generalleutnant hinterher.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte Anfang Februar 2020 versichert, das geplante Großmanöver sei »nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet«. Die NATO suche »keine Konfrontation mit Russland«, sagte Stoltenberg seinerzeit der Nachrichtenagentur AFP. Geübt werden soll aber vor allem, wie Truppen und schweres Kriegsgerät in kürzester Zeit aus Nordamerika in die Nähe die russischen Grenze transportiert werden können.

Die friedenspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Bremischen Bürgerschaft, Maja Tegeler, rief am Freitag zur Teilnahme an einer Demonstration gegen das Manöver sowie für Entspannungspolitik und Abrüstung auf, die an diesem Samstag um 11 Uhr vor der Gedächtniskirche in Bremerhaven beginnen soll. »Mit dieser massiven Truppenverlegung wird ein völlig falsches Signal ausgesendet. Anstatt auf zivile Konfliktlösungen zu bauen und eine aktive Friedenspolitik zu betreiben, lassen die USA und NATO mal wieder die Muskeln spielen«, erklärte Tegeler. »Durch dieses Manöver werden zig Millionen Euro verbrannt, Umweltschäden produziert und die Zivilbevölkerung gestört.«

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