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Aus: Ausgabe vom 06.02.2020, Seite 16 / Sport
Eishockey

Fremdes Terrain

Die niederländischen Tilburg Trappers dominieren die Oberliga Nord im Eishockey. Allerdings in der BRD
Von Oliver Rast
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»Wir wollen in die DEL 2«: Die Tilburg Trappers wollen ins Profigeschäft

Die Tilburg Trappers sind ein Eishockeyklub. Daran mag erst einmal nichts ungewöhnlich sein. Auch nicht, dass die Puckjäger Meistertitel holen, und in dieser Saison nach 36 Spieltagen mit deutlichem Vorsprung vor dem Herner EV wieder an der Spitze stehen. Ungewöhnlich ist etwas anderes: Tilburg liegt in den Niederlanden, die Trappers spielen in der zweigeteilten drittklassigen Oberliga, in der Nordstaffel, wohlgemerkt in Deutschland.

In den Niederlanden waren die Trappers je 15mal Landesmeister und Pokalsieger – ein Klub beinahe ohne Konkurrenz im eigenen Land. An der 2015 vom niederländischen und belgischen Eishockeybund gegründeten ­Be-Ne-League als gemeinsamer höchster Spielklasse nimmt nur die zweite Garnitur der Trappers teil. Die erste geht seit der Saison 2015/2016 in der Oberliga Nord aufs Eis. Möglich macht das eine Sonderregelung des Deutschen Eishockeybunds (DEB). Der DEB suchte nach einer mannschaftlichen Verstärkung für den Spielbetrieb in der Oberliga, besonders in der Nordstaffel, die gegenüber der Staffel im Süden mit den stärkeren Teams aus Bayern leistungsmäßig abfällt. Für die Trappers ist das ideal, sie treffen seitdem auf Gegner, die Paroli bieten können. »Es ist hier alles schneller als in der Be-Ne-League«, sagte Neuzugang Raymond van der Schuit jüngst dem Fachblatt Eishockeynews.

Die Trappers, die einen Großteil des Kaders des Bondsteam stellen, setzten ihren Triumphzug selbst in der Oberliga fort. Vier Saisons, dreimal Oberligameister, zuletzt Vize. Heuer schickt sich das Team an, im Titelrennen wieder ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. Die Trappers waren von Beginn an als »Ligaexot« die Gejagten. Bo Subr, Tilburgs tschechischer Trainer, sagte nach dem zweiten Oberligatitel 2018 einmal: »Wir sind es gewohnt, vorne und hinten eine Zielscheibe auf dem Trikot zu haben.«

Der Eishockeyklub aus dem niederländischen Brabant würde am liebsten eine Etage höher spielen, ins deutsche Profigeschäft einsteigen. »Wir wollen in die DEL 2«, betonte der damalige Trappers-Präsident Ron van Gestel nach der Titelserie auf fremdem Terrain. Der Wunsch ist nicht neu, erfüllt wird er indes nicht: »Aktuell ist von Seiten der DEL 2 nicht geplant, die Liga zu internationalisieren«, sagte deren Geschäftsführer René Rodorisch auf jW-Nachfrage. Und in der Perspektive? Auch das dürfte nichts werden. Rudorisch: »Wir halten es für wichtig, dass Standorte am Spielbetrieb teilnehmen, die den deutschen Eishockeynachwuchs fördern.« Nachbarschaftshilfe hat halt auch Grenzen.

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