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Aus: Ausgabe vom 04.02.2020, Seite 2 / Inland
Gegen den Faschismus

»Wir wollen Kraft für den heutigen Kampf schöpfen«

Antifaschisten treffen sich am Sonntag zum Gedenken an die KPD-Tagung im »Sporthaus Ziegenhals« von 1933. Ein Gespräch mit Max Renkl
Interview: Markus Bernhardt
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Ernst-Thälmann-Denkmal im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg

Für den kommenden Sonntag rufen Sie zu einer Kundgebung auf, um an die illegale ZK-Tagung der Kommunistischen Partei Deutschlands vor 87 Jahren im »Sporthaus Ziegenhals« zu erinnern. Warum ist das Gedenken an besagtes Treffen heute von Bedeutung?

Wenn 15 Jahre nach dem Mord an Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeiwache seine Mörder noch straffrei herumlaufen, wenn der Verfassungsschutz als maßgebliche Behörde, der die NSU-Morde ermöglichte und eine Aufklärung bis heute behindert, immer noch weiterarbeitet, wenn in diesem Land unserer ältesten antifaschistischen Organisation, der VVN-BdA, die Gemeinnützigkeit aberkannt werden soll, dann tun wir gut daran, an den Mut und die Entschlossenheit der Teilnehmer der »Ziegenhalser Tagung« zu erinnern – auch um Kraft für den heutigen Kampf zu schöpfen. Die KPD bekämpfte die Nazipartei bereits in ihrer Keimzelle, und ihr Treffen markiert den Beginn des organisierten Widerstands gegen das Naziregime: Die KPD war die erste Partei, deren Führung sich eine Woche nach dem 30. Januar 1933, als Hitler die Macht übergeben wurde, traf, um die Situation zu analysieren und den Sturz des NSDAP-Regimes zu organisieren: mit Massenkampf, politischem Streik, Generalstreik.

Der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann sprach sich damals für eine Aktionseinheit aller Arbeiterinnen und Arbeiter gegen den Faschismus aus. Was können Antifaschistinnen und Antifaschisten heute von Thälmann lernen?

Ernst Thälmann kämpfte stets in seiner Partei darum, bei SPD und Gewerkschaften Führung und Basis zu unterscheiden und sie nicht in einen Topf zu werfen. Wenn wir die einfachen Mitglieder aufgrund unserer Wut auf die Taten ihrer Führung ständig vor den Kopf stoßen, statt uns mit ihnen auseinanderzusetzen, ist eine Aktionseinheit unmöglich. Dieser Gedanke ist für den antifaschistischen Kampf brandaktuell. Zum anderen ging mit dem Vorsitz Thälmanns in der KPD eine verstärkte Schulungsarbeit einher. Auch das ist heute wichtig: Die Zeiten werden nicht einfacher, marxistische Schulung ist dabei ein Kompass zur Orientierung.

In diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal die Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsches, zu deren Gedenken Ihr Verein ebenfalls aufruft. Aus welchem Grund?

Thälmann ging es letztlich in Ziegenhals um die Wiederholung des erfolgreichen Konzepts von 1920: Eine vereinte Arbeiterklasse jagt Faschisten und Reaktionäre zum Teufel. Dass die rote Front damals, nach Niederschlagung des Putsches, nicht nach den Sternen griff – erst recht nicht nach den roten –, hatte übrigens wenig mit der Entschlossenheit vieler SPD-Mitglieder zu tun, als vielmehr mit der Feigheit der SPD-Führung.

In diesem Jahr feiern Sie das 30jährige Bestehen des »Freundeskreises Ernst-Thälmann-Gedenkstätte«. Was planen Sie diesbezüglich?

Am schönsten wäre eine Einweihungsfeier in Ziegenhals, in der wiedererrichteten antifaschistischen Ernst-Thälmann-Gedenkstätte am authentischen Ort. Aber im Ernst: Eine Wiedererrichtung bleibt unser Ziel bzw. Fernziel, denn das wäre dann auch die einzig richtige und würdige Antwort auf den Abriss der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte vor zehn Jahren, im Mai 2010. Konkret wollen wir unser 30jähriges Bestehen zum Anlass nehmen, um unseren Fokus auf die Ausstellung der Gedenkstätte zu legen, die wir – zusammen mit allen Exponaten und dem Motorboot »Charlotte« – damals vor den Baggern retten konnten. Die Ausstellung befindet sich in der Jonasstraße in Berlin-Neukölln. Das Motorboot »Charlotte« befindet sich im antifaschistischen Ferienheim Heideruh.

Des weiteren wollen wir unser Gedenken an Thälmann und seine Genossinnen und Genossen, wie in den letzten Jahrzehnten auch, mit den aktuellen Fragen, den anstehenden Aufgaben im Kampf gegen rechts und der wachsenden Kriegsgefahr verknüpfen. Dazu werden wir wieder junge Antifaschisten, Gewerkschafter und Aktivisten einladen, damit sie über ihre Arbeit auf unseren Kundgebungen berichten. Alles, was wir in den vergangenen 30 Jahren als Freundeskreis auf die Beine gestellt haben, wäre nicht denkbar, wenn wir nicht so viele Sympathisanten, Unterstützer und Freunde hätten.

Max Renkl ist seit 2007 Vorsitzender des Freundeskreises »Ernst Thälmann Gedenkstätte « e. V. Ziegenhals

Gedenkveranstaltung am Sonntag: 11.30 Uhr, Sporthaus Ziegenhals, Königs Wusterhausen

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