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Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 16 / Sport
Eiskunstlauf

Ob vierfach oder dreifach

Russland gewann bei der Eiskunstlauf-EM in Graz, was zu gewinnen war
Von Alexander Subtil
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Hauchzarter Vorsprung: Wiktoria Sinizina und Nikita Kazalapow bei der Kür

Einen »Clean sweep« hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Bei den Europameisterschaften im Eiskunstlaufen demons­trierte Russland in der vergangenen Woche in Graz, wie man sämtliche Goldmedaillen in den vier Disziplinen – Damen, Herren, Paare, Tanz – auf einen Schlag abräumt – und noch die eine oder andere mehr. Umstritten war das Ergebnis lediglich bei den Tänzern, wo die französischen Titelverteidiger Gabriella Papadakis/Guillaume Cizeron mit 220,28 Punkten hauchdünn gegen Wiktoria Sinizina/Nikita Kazalapow (220,42 Punkte) verloren. Nach dem Rhythmustanz, in dem sie eine Aerobic-Nummer im Stil der 90er Jahre präsentierten (inklusive grässlicher hellblau-pinkfarbener Kostüme, die es verdient haben, für immer in irgendeinem Sportmuseum dem Blick der Weltöffentlichkeit entzogen zu werden), lagen die Franzosen noch auf Rang eins, doch in der Kür wirkten sie nicht so souverän wie gewohnt, und er leistete sich einen kleinen Fehler bei den Twizzles.

Im Paarlauf profitierten die Sieger Alexandra Boikowa und Dmitri Koslowski (234,58 Punkte), wie auch die Zweit- (Tarassowa/Morosow, 208,64 Punkte) und Drittplazierten (Pawlju­tschenko/Chodykin, 206,53 Punkte) sicherlich von der Abwesenheit der Titelverteidiger aus Frankreich, Vanessa James und Morgan Ciprès. Das Fachmagazin Pirouette hatte in der Januarausgabe berichtet, Ciprès stehe im Verdacht, einer minderjährigen Eisläuferin in den USA zwei Fotos von seinem, nun ja, Lutz geschickt zu haben, woraufhin das Paar eine Auszeit genommen habe, um den Vorfall zu klären. »Ich kann den Fall wirklich nicht beurteilen, ich habe die Fotos nicht gesehen«, brachte ARD One-Kommentator Daniel Weiss die wohl bisher waghalsigste In-dubio-pro-reo-Interpretation des noch jungen Jahrzehnts zustande. Die Deutschen Meister Minerva-Fabienne Hase und Nolan Seegert landeten mit 186,39 Punkten auf Rang fünf. Es ist weiterhin offen, ob die Olympiasieger Aljona Savchenko/Bruno Massot auf das Wettkampfeis zurückkehren werden.

Bei den Herren war der Weg frei für einen neuen Europameister, denn der Spanier Javier Fernández, der von 2013 bis 2019 durchgehend den Titel hatte gewinnen können, hat sich ins Profilager zurückgezogen. Dmitri Alijew nutzte die Gunst der Stunde und verwies mit 272,89 Punkten seinen Landsmann Artur Danieljan auf Rang zwei (246,74 Punkte). Ein Trend, der sich verfestigte: »exotische« Vierfachsprünge wie Lutz, Flip oder Rittberger werden zum Standard, und das nicht nur bei den Herren, sondern auch in der Damenkonkurrenz. Dort konnte am Ende Aljona Kostornaja dennoch ganz ohne Vierfachsprung gewinnen (240,81 Punkte), was an ihren wunderschönen Dreifachaxeln in Kurzprogramm und Kür, ihrer gefühlvollen Interpretation und nicht zuletzt auch daran lag, dass die größte Konkurrentin Alexandra Trussowa bei zwei Vierfachversuchen stürzte (Bronze mit 225,34 Punkten).

In der kommenden Saison könnten Ausnahmeläuferinnen wie Olympiasiegerin Alina Sagitowa oder Jewgenija Medwedewa, die sich gerade eine Auszeit gönnen und in Graz nicht am Start waren, gestärkt zurückkehren und wieder angreifen. Zwar beherrschen beide bisher keine Vierfachen, aber Kostornaja hat ihnen gezeigt, dass es reichen kann, »nur« den dreifachen Axel im Programm zu haben.

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