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Aus: Ausgabe vom 29.01.2020, Seite 5 / Inland
Infektionen

Bessere Versorgung nötig

Coronavirus in Deutschland nachgewiesen. Gastkommentar
Von Achim Kessler
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Coronavirus: Mund- und Nasenmasken schützen nach Expertenansicht wenig gegen mögliche Infektion

Das neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht. Ein Grund zur Panik ist das nicht, wohl aber ein Grund zu prüfen, wie gut das deutsche System zum Schutz vor Infektionskrankheiten aufgestellt ist. Vieles hat man aus SARS, Ebola, Schweinegrippe etc. gelernt. Hysterie ist ein schlechter Ratgeber bei der Infektionsbekämpfung. Sie verstellt den Blick darauf, dass wir uns an andere Ausnahmezustände gewöhnt haben, ja jedes Jahr Zigtausende vermeidbare Todesfälle hinnehmen. Es sei an multiresistente Keime erinnert, deren Bekämpfung auch wegen großer Rücksicht auf Wirtschafts­interessen nicht gut funktioniert. Mehr als 50.000 Menschen sterben jährlich an einer Sepsis – viele davon wären mit einer besseren Versorgung vermeidbar. Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit, auch weil die Entwicklung allein aus wirtschaftlichen Motiven heraus erfolgt. Allein bei den Infektionskrankheiten gibt es also vieles zu tun.

Von der Virulenz und der Schwere der Erkrankungen wie auch von den Behandlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten hängt es natürlich ab, ob die vorhandenen Kapazitäten in der Regelversorgung ausreichend sind. Ob die möglichen Erkrankungen also im normalen Krankenhausbetrieb behandelt werden können – wofür im Moment vieles spricht – oder ob darüber hinaus Pandemiepläne eingesetzt werden müssen, kann niemand mit Sicherheit sagen. Wichtig ist zunächst der Aufbau von Möglichkeiten, das Virus zu identifizieren. Derzeit ist dies nur an der Charité mit einem aufwändigen Verfahren möglich (RT-PCR). Andere Kliniken bemühen sich darum, diesen Test auch bei sich zu etablieren. Parallel dazu laufen weltweit Bemühungen, die einfachere Methode des indirekten Nachweises über Antikörper verfügbar zu machen. Unabdingbar für das Verhindern einer Ausbreitung ist die strikte Einhaltung von Hygienerichtlinien, gerade auch dann, wenn Patientinnen und Patienten das Virus in sich tragen, es aber nicht nachgewiesen ist. Denn die Symptome ähneln denen von Erkältungen und Grippe. Man schätzt, dass eine Person etwa 1,4 bis 2,5 andere ansteckt. Wenn man es also schafft, durch Hygiene und bessere Erkennung die Zahl der Ansteckungen zu verringern, dann wird es keine Epidemie geben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss als wichtigste Koordinierungsstelle des Pandemieschutzes deutlich aufgewertet, aber auch umgestaltet werden. Die finanzielle Abhängigkeit von privaten Stiftungen, vor allem der Gates-Stiftung, aber auch der Pharmaindustrie ist sehr besorgniserregend. Diese Geldgeber bestimmen, wofür Geld ausgegeben wird. Dabei werden die demokratische Legitimation und die fachliche Unabhängigkeit der WHO untergraben.

Achim Kessler ist Sprecher für ­Gesundheitsökonomie der Linksfraktion im Bundestag

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Klaus P. Jaworek, Büchenbach: Komm bald heim Der Mensch hat beim »Coronavirus« ebenfalls alles so fest im Griff wie beim aktuellen Dauerthema, dem Klimawandel! Indes zieht Corona bereits weltweit seine Kreise auf dem »sinkenden Erdenschiff«, und...
  • Klaus P. Jaworek, Büchenbach: Marktführer Der »Glubb« (1. FC Nürnberg) ist schon wieder einmal fast am Ende, ausgepowert durch die lange Winterpause, und China ist im Augenblick ganz oben, eben als der Marktführer in »Sachen Corona«!...

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