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Online Extra
09.01.2020, 18:37:48 / Inland

Prozess um Connewitz-Überfall: JVA-Beamter per Haftbefehl gesucht

Polizisten im Einsatz nach einem Überfall von rund 250 vermummte
Polizisten im Einsatz nach einem Überfall von rund 250 vermummte Neonazis und Hooligans auf Connewitz (Leipzig, 11.1.2016)

Leipzig. Ein wegen der Neonazi-Attacke auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Jahr 2016 angeklagter JVA-Beamter ist am Donnerstag nicht zu seinem Prozess erschienen. Gegen den 34jährigen sei nun ein Haftbefehl erlassen worden und er werde gesucht, sagte laut N-TV der Sprecher des Amtsgerichts Leipzig, Stefan Blaschke. Das Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs gegen den Gefängniswärter wurde abgetrennt. Es wurde lediglich gegen seinen Mitangeklagten verhandelt.

Laut Blaschke hatte der Verteidiger des angeklagten Beamten am Morgen mitgeteilt, dass ihn eine Frau angerufen und mitgeteilt habe, dass der Mann krank sei. Ein ärztliches Attest habe nicht vorgelegen. Der 34jährige sollte daraufhin polizeilich vorgeführt werden, wie Blaschke sagte. Das sei misslungen, weil der Mann nicht zu Hause war. Daraufhin sei ein sogenannter Sitzungshaftbefehl gegen ihn erlassen worden.

Der inzwischen suspendierte Beamte, Kersten H., gehört mutmaßlich zu den 215 Randalierern, die im Januar 2016 in Leipzig nach überfallartigen Krawallen festgesetzt worden waren. Das Justizministerium hatte angegeben, erst Ende 2018 von dem Fall erfahren zu haben. Der Mann habe bei den Ermittlungsbehörden keine Angaben zum Beruf gemacht und auch entgegen seiner Pflicht seinen Vorgesetzten nicht informiert.

H. stand nach gemeinsamen Recherchen des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer und des Berliner Tagesspiegels in direktem Kontakt zu inhaftierten Rechtsterroristen. Er war demnach in der Justizvollzugsanstalt Leipzig tätig, wo von Mai 2015 an der Rädelsführer der rechtsterroristischen »Old School Society«, Markus W., in Untersuchungshaft saß. Der Vorwurf gegen H. decke sich den Blättern zufolge mit Hinweisen der Gefangenengewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG/BO). Zudem habe ein Exhäftling der JVA den Beamten H. häufig zusammen mit dem ehemaligen Mitgefangenen und Rechtsterroristen Philipp W. Gesehen – dieser ist bekannt als Mitglied der rechtsterroristischen »Gruppe Freital«. (jW)

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