Gegründet 1947 Donnerstag, 12. Dezember 2019, Nr. 289
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.12.2019, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Nicht ohne meine Pillen

Esoterisch verblasen: Mariko Minoguchis Filmdebüt »Mein Ende. Dein Anfang«
Von Maximilian Schäffer
03_MEDA.jpg
Der Hirntod ist nicht das Ende: Nora (Saskia Rosendahl) und Aron (Julius Feldmeier)

Das Erstlingswerk von Mariko Minoguchi heißt »Mein Ende. Dein Anfang«. Es ist ein trauriger Film geworden, ungefähr so, wie man sich einen Parteitag der überflüssigen Minipartei »Die Violetten« vorstellt: esoterisch verblasen, inhaltsarm und schwer betroffen. 111 Minuten lang schwurbelt die junge Regisseurin aus München um verschiedene tragische Begebenheiten, die durch das »Schicksal« verflochten sind. Tod, Leukämie und Prekariat verzwirbeln sich in einer Selbsthilfesession ständiger Seufzer aus dünnem Dialog – wer nachts zu einem »Kleinen Fernsehspiel« dieser Art wegdämmert, geht sich am nächsten Morgen erschießen.

Ein junges Paar mit Bedeutungsebene Palindrom, Nora und Aron, wird gleich zu Anfang durch einen Banküberfall entzweit. Er, der junge, genialische Forscher auf dem Gebiet hanebüchener Halbwissenschaft (Fakultät für Astralische Déjà-vus und Zeitreisen) verliert seinen Leib und kreist seitdem durch ihre Depression. Die Lebende wird von Saskia Rosendahl gemimt, den Verstorbenen spielt Julius Feldmeier. Letzterer überzeugte 2013 noch als psychotischer Jesus-Freak in »Tore tanzt«, seit dem Wechsel ins Schweighöfer-Schwiegersohn-Fach verstrahlt er hingegen den Charme eines mumifizierten Günther Jauch.

Minoguchi lässt Feldmeier die kitschigstmöglichen Beziehungsphrasen dreschen, ihn tapsig Schlittschuh laufen und für Langweiler so verrückte Dinge tun, wie nach zu viel Alkohol kotzen. Die beiden Verliebten mögen sich aus Gründen, die man ohne Psychopharmaka nicht begreift, die einen sogar sehr aggressiv machen können, wenn man nicht ruhiggestellt ist. Klar, der Hirntod ist noch nicht das Ende, und wer diesen Film mit all seinen Peinlichkeiten bis zum Schluss durchhält, hat hinterher zumindest Nahtoderfahrung. Ein weiterer Handelsstrang bringt den exkriminellen Schläger Natan (Edin Hasanovic) ins Spiel. Seine Tochter hat eine seltene Form von Blutkrebs. Er hat kein Geld. Aber ein großes Herz.

»Mein Ende. Dein Anfang«, Regie: Mariko Minoguchi, Deutschland 2019, 111 Min., bereits angelaufen

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Julius Feldmeier: Unter der Gürtellinie Man bekommt als Künstler mal gute, mal schlechte Kritiken, ich bin selbst ein kritischer Zuschauer und finde den Dialog über Kunst unerlässlich, aber ich verstehe nicht, warum es notwendig ist, dass S...

Mehr aus: Feuilleton