Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 16.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Edelfeder des Tages: Pjöngjang Times

Von Sebastian Carlens
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Selig das Land, das eine »weise Führung« hat: Die Pyongyang Times leistet Schützenhilfe für US-Präsident Trump

Unter »Freunden« ist eine kleine Aufmerksamkeit durchaus üblich. Und Freunde sind sie, das haben sich Donald Trump und Kim Jong-Un regelmäßig gegenseitig versichert. Doch ob in diesem Falle ein Gefälligkeitsdienst vorliegt oder nicht, die jüngste Verlautbarung aus Nordkorea wird unbedingt den Geschmack des US-Präsidenten getroffen haben, richtet sie sich doch gegen einen seiner ärgsten Widersacher: Den möglichen demokratischen Kandidaten bei der nächsten Präsidentschaftswahl, Josef »Joe« Biden.

Biden hatte sich erdreistet, über die Demokratische Volksrepublik Korea und ihre Führung herzuziehen. So kennt man ihn: Große Klappe, kein diplomatisches Gespür, international unbefangen. Und klar ist auch: Das kann man vielleicht mit allen möglichen Ländern machen, aber nicht mit Nordkorea. So stellte die Pjöngjang Times am Freitag völlig zu Recht fest, dass Biden »machtgierig« sei. In dem von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Artikel wird überdies auf Bidens intellektuelle Ausfallerscheinungen, die »ein Zeichen für das letzte Stadium der Demenz« seien, aufmerksam gemacht. Ihm wird eine »gnadenlose Bestrafung« angekündigt: Er gehöre »wie ein tollwütiger Hund mit einem Stock zu Tode geschlagen«.

Das sind recht eindeutige Worte. Ungeachtet der Frage, ob das Niederknüppeln eines an der Hundswut erkrankten Tieres nun tatsächlich das Mittel der Wahl sein sollte – ein Schuss aus der Distanz verringert hier das eigene Ansteckungsrisiko, und die wissenschaftlich als »Rabies« bekannte Infektionserkrankung ist bekanntlich immer noch nicht heilbar –, macht doch die nordkoreanische Presse ihrem poetisch stilbildenden Ruf alle Ehre.

Trump, der derweil auf Twitter eher unbeholfen gegen die »nervöse Nancy« Pelosi tobte, kann sich hier ein Scheibchen abschneiden – an blumigen Beleidigungen ist ihm die DVRK einfach uneinholbar voraus.

Debatte

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Raphael Fleischer: Journalistisch schlecht Biden soll »wie ein tollwütiger Hund mit einem Stock zu Tode geschlagen werden«? Und das findet Carlens, den ich ob seiner Sachartikel sehr schätze, nicht kritikwürdig? Ganz im Gegenteil findet er das...

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