Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 09.11.2019, Seite 6 / Ausland
Parlamentswahl

Mauritius bleibt sich treu

Inselrepublik bekommt ein neues Parlament. Keine Überraschung bei den Kandidaten
Von Ina Sembdner
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Möchte im Amt bestätigt werden: der Premier von Mauritius, Pravind Kumar Jugnauth (New York, 21.9.2017)

Am Donnerstag hat die Republik Mauritius ein neues Parlament für die nächsten fünf Jahre gewählt. Auf der Insel, die rund 900 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean liegt, haben rund 720.000 der insgesamt 1,3 Millionen Einwohner ihre Stimme abgegeben. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 76,84 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag meldete. Auf dem Eiland werden die 62 Abgeordneten des Parlaments direkt gewählt, die dann für den Premierminister votieren. Die Ergebnisse sollten im Laufe des Freitag abend (nach jW-Redaktionsschluss) bekannt gegeben werden.

Die Parlamentswahl war die erste, seit der amtierende Premier, Pravind Kumar Jugnauth, 2017 von seinem Vater Anerood Jugnauth das Amt des Ministerpräsidenten übernommen hatte, nachdem dieser aus Altersgründen zurückgetreten war. Beide gehören der Mitte-links-Partei »Militante Sozialistische Bewegung« (MSM) an, die seit der gewonnenen Wahl 2014 die größte Fraktion im mauritischen Parlament stellt.

Der 57jährige Jugnauth bat die Wählerschaft im Vorfeld darum, ihn an den Aktivitäten seiner kurzen Amtszeit zu messen und ihm ein ausreichendes Mandat zu verschaffen, um weiterregieren zu können. Bei der letzten Wahlkampfveranstaltung am vergangenen Sonntag sagte er: »Ich habe alles getan, um das Leben aller Bürger unabhängig von ihrer Herkunft zu verbessern.« Dabei verwies er auf die Einführung eines Mindestlohngesetzes und den Startschuss für ein Stadtbahnsystem in der Hauptstadt Port Louis im Oktober, in das 525 Millionen US-Dollar investiert werden.

Seine beiden Hauptkonkurrenten gaben sich indes selbstbewusst vor der Wahl. Navinchandra Ramgoolam von der mauritischen Labour-Partei, der bereits von 2005 bis 2014 Premierminister war, gab sich sicher, dass die rund 220.000 älteren Wähler für ihn stimmen. Er hatte im Wahlkampf versprochen, die Pensionsleistungen noch stärker zu erhöhen, als sein Kontrahent Jugnauth angekündigt hatte. 2014 war die Labour-Partei, der Ramgoolam bereits seit zwei Jahrzehnten vorsitzt, jedoch deutlich von dem Linksbündnis aus MSM und der »Mauritischen Militanten Bewegung« (MMM) abgewählt worden. Deren Chef, Paul Bérenger, einst erster Premier ohne hinduistischen Hintergrund, trat dieses Mal alleine mit seiner MMM an und war sich sicher, ausreichend Sitze zu gewinnen, um alleine regieren zu können, wie er gegenüber Anhängern am vergangenen Sonntag verlauten ließ. Trotz der Militanz im Namen verfolgten aber alle drei Parteien, wie der südafrikanische Daily Maverick am Donnerstag berichtete, eine recht konservative Wirtschaftspolitik.

Das multiethnische Land (unter anderem leben dort Sino-, Indo- und Frankomauriten), das erst mit der europäischen Kolonisierung durch Holländer, Franzosen und zuletzt bis zur Unabhängigkeit 1968 durch Briten zu seiner heutigen Form fand, gilt in Afrika als stabile Demokratie mit ansehnlichem Wirtschaftswachstum. Dies beruht allerdings neben einem einträglichen Tourismussektor auch auf dem Ruf als Steueroase für zahlreiche internationale Unternehmen. Im Exportbereich hat sich dagegen seit kolonialen Zeiten wenig verändert – noch immer wird auf rund 90 Prozent der Anbauflächen in Mauritius Zuckerrohr für die Ausfuhr angebaut.

Im »Global Peace Index 2019« (Weltfriedensindex) steht die Inselrepublik zwar an erster Stelle aller Länder des afrikanischen Kontinents. Allerdings gibt es mit der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien einen anhaltenden, nicht unwesentlichen Disput über das nordöstlich gelegene Chagos-Archipel. Das gehört eigentlich zu Mauritius, wurde aber 1965 von London zusammen mit anderen Inseln im Indischen Ozean von den jeweiligen Ländern abgespalten und als »British Indian Ocean Territory« annektiert. Die rund 2.000 Bewohner wurden deportiert und die dazugehörige Insel Diego Garcia den USA als Luftwaffenstützpunkt mittels Pacht zur Verfügung gestellt. Bis heute warten die damals Vertriebenen darauf, auf ihre Heimatinseln zurückkehren zu dürfen.

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